Freitag, 24.6.2026 – Tag 8
In der Nacht auf heute wurden die Uhr auf Sommerzeit umgestellt. Wir bekamen am Abend ein Flugblatt auf’s Zimmer. Das war etwas überraschend. Leider schließt unser Kite-Spot schon um 17:00, was eigentlich bisher schon zu kurz war für Sonne und Wind und jetzt somit noch um eine Stunde mehr zu kurz ist. Auch seltsam, dass die Zeitumstellung mitten unter der Woche ist. Aber gut, wir sind jetzt der österreichischen Zeit eine Stunde voraus.
Erwähnenswert ist auch, dass bereits einen Tag nach Beginn der Einnahme der Ägyptischen Medikamente mein Stuhlgang zumindest wieder minimale Formen annimmt und die morgendlichen Bauchkrämpfe quasi nicht mehr vorhanden sind. Das ist sehr erfreulich. Nächstes Mal werde ich wohl damit keine 3-4 Tage mehr warten…

Aufgrund der Zeitverschiebung und unserem Schlafrhythmus sind wir heute eben auch etwas später erst am Kite-Spot. Die Windvorhersage ist für heute sowieso ziemlich gering, wir haben keine großen Erwartungen. Eva startet nichtsdestotrotz mit dem 11er Kite und dem Foil. Mit dem großen, wenig wendigen Schirm ist das ein komplett neues Erlebnis und man muss wieder neu lernen. Der Wind ist aber so schwach, dass es ziemlich fatal wird, wenn ihr der Schirm ins Wasser fällt. Ohne Stand im seichten Wasser bekommt man nicht genug Druck rein um ihn wieder aus dem Wasser starten zu können. Und beim Erlernen neuer Dinge und dem leichten Wind ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, dass man den Schirm versenkt. So dauert es nicht lange, bis sie beinahe außer Sichtweite zwei Strände weiter in Schwierigkeiten gerät. Die zwei Angestellten vom Kite-Spot beobachten mit mir das Geschehen. Wir sind nicht ganz sicher, ob sie es wieder schaffen würde zurück zu kommen und so startet einer der Angestellten direkt in ihre Richtung. Dabei muss er aber brusttief durch zwei Marina Eingänge gehen. Bevor er jedoch bei Eva ankommt, hat diese es nach mehreren Versuchen wieder geschafft zu starten und kreuzt bereits am Foil wieder zurück zu unserem Strand. Das Spektakel dauerte aber lang genug um mir einen leichten Sonnenbrand am nicht eingeschmierten Dekoltee zu bescheren.



Eva’s Sicht der Dinge: der 11er Schirm verhält sich komplett anders als der 7er, da er so mega träge ist, wenn er aber dann in Bewegung kommt ordentlich zieht und mich schnell vom Brett haut. Man muss also ziemlich antizipieren was in 3-4sec nötig sein wird. Das dauert um reinzukommen. Alle Faktoren einberechnend, komme ich dann aber ein bissl rein wieder und komme auch ins Fahren. Allerdings haut es mich kurz nach dem Start am fernsten Punkt von der Kiteschule ins Wasser und den Schirm gleich mit. Das Brett ist nicht mehr in Reichweite. Schirmstart im tiefen Wasser ist komplett chancenlos, was mach ich jetzt? Von einem Rescue Service war bei der Kiteschule nicht die Rede, Boot haben sie ja auch keines, so beobachte ich nur, ob sich doch irgendwo ein Boot in Bewegung setzt. Ich versuche zu sehen, wo die südlichere Kiteschule ihren Strand hab und lasse mich mit dem Wind in diese Richtung ziehen und befürchte dass mein Brett aber auf die anderen Seite des Steges getrieben wird. Es dauert eine Weile, bis ich am Riff ankomme, dieses ist zum Glück tief genug, dass ich mich gerade drüber ziehen lassen kann. In einem Sandbereich, wo ich stehen kann, versuche ich dann nochmal den Schirm zu starten und mit etwas Geduld glückt es. Und ich habe nochmehr Glück – das Brett treibt doch genau auf mich zu. Ich wittere nochmal eine Chance in einer schmalen Schneise zwischen den Korallen nochmal zu starten – leider ist der Start nach rechts meine schwache Seite. Beim ersten Versuch bin ich viel zu zögerlich, ich komme nicht ins Fahren, es zieht mich nur erneut ins Riff. Auf dem Weg zurück zum Startpunkt fällt mir der Schirm erneut ins Wasser und es braucht wieder, diesmal mit einem „russischen Start“. Diesmal denke ich mir, letzter Versuch, alles oder nichts, also volles Commitment. Und es glückt tatsächlich.
Als ich von Lukas dann höre, dass man schon auf dem Weg zu mir war und außerdem schon bei der unteren Kiteschule angerufen wurde, ob ich so wirke, als ob ich Hilfe brauchen könnte, fühle ich mich retrograd richtig gut aufgehoben. Die Situation war ja auch generell zu keinem Zeitpunkt kritisch gewesen.
Bald fällt mir der Kite wieder ins Wasser und jetzt schaffe ich es nichtmal im Stehbereich, ihn in die Höhe zu kriegen.

Den restlichen Tag chillen wir dann am Strand. Unterbrochen lediglich von etwas Beachvolleyball in der Massengruppe (nur Eva) und etwas gemeinsames Frisbee werfen auf unserer Sandbank. Auch gingen wir erstmalig kurz ohne Kite und Brett ins Meer.


Abends sind wir wieder im indischen Restaurant und gehen anschließend noch etwas in der Anlage spazieren.
Samstag, 25.6.2026 – Tag 9
Liebe treue Blogleser, heut ist es soweit, ein Tag wo ihr nichts über Schirmgrößen, Foils, Sprunghöhen oder …-rolls lesen müsst. Heut ist tatsächlich der erste Tag ohne Wind. Und unsere Muskeln können entspannen und wir mit gutem Gewissen an einem Tauchtrip teilnehmen.
Die Zeitumstellung und der Start um 8:00 machen das Frühstück etwas ungemütlich – gefühlt müssen mir dieses nämlich schon um 6:00 einnehmen. Dann müssen wir trotzdem eine halbe Stunde vor dem Hotel auf den Transfer warten – Die hätten wir halt echt lieber gemütlich geschlafen oder gefrühstückt.
Gestartet wird aus einem anderen Surise Hotel etwas zentraler in Hurghada. An Land bekommen wir unsere Ausrüstung. Die Medical Untersuchung interessiert hier klassisch niemanden, der Fragebogen reicht (zum Glück, denn wir haben beide keine aktuelle). Wir bauen alles zusammen. Ich stelle traurig fest, dass ich erfolgreich meinen Tauchcomputer im Hotel vergessen hab (nachdem ich ihn schon zuhause ewig gesucht hatte – wohl umsonst).

Wir dürfen noch chillen, denn der erste Tauchgang ist ein Wrack (etwas tiefer) und das empfiehlt sich nicht als Refresher-Tauchgang. Unser Letzter ist zu unserer Überraschung doch schon 3 Jahre her wieder. Entspannen tut aber auch gut.

Es dauert eh nicht lange, sind die Taucher wieder zurück und wir starten zum Riff des Tages. Die letzten Meter werden wir schon von einem Delfin begleitet. Am Spot, rein in den Neopren, Buddy Check und ab ins Wasser. Es läuft alles glatt, aber die ersten Minuten braucht es schon wieder, um ins richtige Atmen und Gleichgewicht zu kommen und sich an Maske und Atemgerät zu gewöhnen. Aber es wird gleich wieder zur Routine und wir können uns auf die Unterwasserwelt konzentrieren. Nur meine Brille läuft trotz Seifenlauge vor dem Reinspringen leider ständig an.

Es wird ein toller Tauchgang – Muräne, ein spannender Mundputzer-Fisch den wir nicht in Anspruch nahmen, sondern nur unser Tauchguide. Ein großer Steinfisch. Gegen Ende entdeckt Lukas einen vergleichsweise großen Oktopus und zum Abschluss schwimmt tatsächlich noch ein Delphin an uns vorbei. Was für eine Einstimmung. Dass ein paar Sekunden darauf ein Schnellboot den Delphin jagt und 4-5 Schnorchler direkt daneben ins Wasser springen und den Meeressäuger verfolgen, verstört die entspannte Unterwasser-Stimmung etwas. Den Delfin vertreibt es jedenfalls auch sofort. Gänzlich respektlos der Natur gegenüber.





In einer kurzen Pause, die leider nicht wirklich zum wieder Aufwärmen reicht, unterhalten wir uns mit unserem netten, lustigen Tauchguide Islam und dem Multikulti-Spanier. Mit letzterem auf Deutsch – er hat auch lange in München gelebt. So vergeht die Zeit schnell und bald tauchen wir ein zweites Mal ab. Eine erstaunlich große, versteckte Muräne und eine schlangenartig gestreifte zarte Muräne, die über den Meeresboden schlängelt, bleiben uns besonders in Erinnerung. Außerdem sehen wir eine Clownfisch-Familie in allen Größen inklusive dem kleinsten Nemo, den ich je gesehen habe. Auch sehen wir einen Blaupunktrochen und einen weiteren, aber kleineren Steinfisch. Ich entdecke auch eine Scholle, die sich kaum vom Sand abhebt.






Als wir wieder an Deck ankommen, ist das Mittagessen bereits angerichtet. Reis, Nudeln, Gemüse in Tomate und reichlich Salate sättigen uns. Der Tauchspot war nicht allzu weit von Hurghada und so sind wir recht bald wieder an Land und werden durch die aufgeheizte Stadt zurück ins Hotel geshuttled.

Tauchgang 1
| Maximale Tiefe | 14.3 m |
| Durchschnittliche Tiefe | 8.9 m |
| Tauchzeit | 42:27 min |
| Durchschnittliche Wassertemperatur | 24° |
Tauchgang 2
| Maximale Tiefe | 11.9 m |
| Durchschnittliche Tiefe | 7.6 m |
| Tauchzeit | 57:06 min |
| Durchschnittliche Wassertemperatur | 24° |
Fun Facts des Tages:
(speziell für einen sehr interessierten Biologen, der unseren Blog besonders treu verfolgt)
Fact Nr. 1 – der Geschlechtswechsel der Clownfische
Anemonenfische (Clownfische) sind protandrische Hermaphroditen, was bedeutet, dass sie ihr Geschlecht von männlich zu weiblich ändern können, jedoch nicht umgekehrt. Alle Anemonenfische werden als Männchen geboren, wobei in einer Gruppe nur das dominante, größte Individuum ein Weibchen ist. Stirbt das Weibchen, wandelt sich das größte Männchen innerhalb weniger Tage bis Wochen in ein neues, funktionsfähiges Weibchen um.
- Prozess: Bei der Umwandlung schrumpfen die männlichen Geschlechtsorgane (Hoden), während sich die weiblichen (Eierstöcke) entwickeln. Dieser Prozess wird hormonell gesteuert.
- Unumkehrbarkeit: Sobald ein Männchen zum Weibchen geworden ist, kann es nicht mehr zum Männchen zurückkehren.
- Auslöser: Der Wechsel wird durch den Tod oder das Verschwinden des dominanten Weibchens ausgelöst.
- Dauer: Die vollständige Umwandlung kann je nach Quelle von wenigen Tagen bis zu über einem Jahr dauern.
- Soziale Struktur: Anemonenfische leben in einer festen sozialen Ordnung: Ein großes Weibchen, ein kleineres geschlechtsreifes Männchen und mehrere noch kleinere, nicht geschlechtsreife Männchen.
- Fischarten: Nicht alle Anemonenfischarten wechseln ihr Geschlecht, aber bei vielen, wie dem Falscher Clown-Anemonenfisch (Amphiprion ocellaris) (aka Nemo), ist dies bekannt.
Fact Nr. 2 – der Farbwechsel der Oktopusse
Die Haut von Tintenfischen enthält Tausende von spezialisierten Zellen, die es ihnen ermöglichen, ihre Farbe zu ändern. Der Farbwechsel hilft ihnen, sich in ihrer Umgebung zu tarnen und Gefahren zu vermeiden. Diese Zellen werden Chromatophoren genannt, und jede Chromatophoren hat in der Mitte einen Beutel, der mit roten, gelben, schwarzen oder braunen Pigmenten gefüllt ist. Sie können ihre Farbe in weniger als 30 Millisekunden ändern.


Fact Nr. 2 – Ziemlich schlau, der Oktopus
Das Gehirn der Kraken ist sehr leistungsfähig; so bewältigen sie viele Irrgarten-Probleme effizienter als die meisten Säugetiere. Der kleine Krake sammelt Kokosnussschalen, um sie später als Behausung zu benutzen – ein unter Wirbellosen einzigartiges Beispiel planvollen Vorgehens. Auch gibt es Kraken, die ein Schraubglas öffnen können. Dennoch ist die Lernfähigkeit von Kraken begrenzt. Einmal erlernte Fähigkeiten werden nicht von Generation zu Generation weitergegeben, weil Wirbellose keine Eltern-Kind-Beziehungen wie Vögel oder Säugetiere aufbauen. Wirbellose sichern stattdessen das Überleben von Nachkommen, indem sie außerordentlich viele Nachkommen produzieren. Kraken erreichen maximal ein Lebensalter von drei Jahren.
Fact Nr. 3 – Oktopussen wachsen Arme nach
Oktopusse können verlorene Arme vollständig regenerieren. Innerhalb von zwei bis vier Monaten wächst ein abgetrennter Tentakel als perfekte Replik inklusive Nerven und Saugnäpfen nach. Diese Anpassung ist essenziell für ihr Überleben, da Arme bei Kämpfen oder Flucht verloren gehen können.
- Dauer: Nach wenigen Tagen regeneriert die Haut, nach zwei Wochen sind Nervenverbindungen erkennbar, und innerhalb weniger Monate ist der Arm vollständig nachgewachsen.
- Funktion: Die regenerierten Arme sind voll einsatzfähig.
- Besonderheit: In einigen Fällen kann ein verletzter Arm gespalten nachwachsen, was zu einem „neunten Arm“ führt.
- Mechanismus: Die Regeneration erfolgt ähnlich wie bei Eidechsen, die ihren Schwanz abwerfen.
Selbst abgetrennte Arme zeigen kurzzeitig ein Eigenleben, da sie über ein dezentrales Nervensystem verfügen, doch die Regeneration erfolgt direkt am Körper des Tieres.
Schon arg, was die Tiere drauf haben, diese Tiere kommen uns so schnell wohl nicht mehr auf den Teller. Und ich nehme mir vor, eine Doku über sie anzuschauen.
Sonntag, 26.6.2026 – Tag 10
Der heutige Tag bietet mit großer Wahrscheinlichkeit den letzten windarmen Tag und somit kaum berichtenswertes.
So richtig gemütlich wird in den Tag gestartet. Dann können wir endlich das erste Mal ein paar Rutschen testen und mit „wir“ meine ich eigentlich nur mich, denn Lukas hat keine Lust. Jene, die uns gemeinsam reizen würde, ist nämlich schon wieder aus. Drei unterschiedliche Rutschenpaare sind nämlich jeweils nur zu gewissen Zeiten offen.
Mir taugts‘ dafür umso mehr – ich probiere in dieser Gruppe alle durch – von kurvig bis sehr steil.



Lukas überrede ich noch, meine Unterwasser-Kopfhörer zu testen und auch er findet es magisch. Allerdings nicht lange, denn das Wasser im Pool, das wir erstmals betreten, ist recht erfrischend (23°) im Vergleich zur Außtentemperatur.

Endlich komme ich auch zum organisierten Volleyball-Spiel um 16:00 – es beginnt sehr lustig, weil eine starke Gruppe startet. Allerdings gesellen sich immer mehr mäßige Spieler dazu und guten Spieler:innen nehmen teils reißaus. Dennoch ist es trotzdem witzig mit den unterschiedlichen Nationalitäten, von denen einige nur mäßig Englisch sprechen. Es ist auch ein Verständigen mit Händen und Füßen.
Von dem doch heißen Sand auf Dauer brennt es mir fast die Füße auf und als ich noch auf halbvergrabene Elektrikboxen direkt neben der Volleyball-Begrenzung steige (top plaziert!), hole ich mir eine recht fette Blutblase am Fußballen. Aber egal…

Nochmehr chillen. Abendessen. Abendspaziergang draußen, diesmal nach rechts. Oktopus Doku. Schlafen.
