Tag 11 – Vogelparadies


Heute ist in unserer Unterkunft auch ein Frühstück inbegriffen. Eva und ich bringen trotzdem unser eigenes Müsli mit und nehmen nur das Joghurt vom Buffet. Der Frühstücksraum ist sehr nett und liegt direkt am Meer. Das Wetter ist heute leider so, wie es die Vorhersage angekündigt hat: regnerisch.

Wir packen alles ins Auto und verlassen die Unterkunft. Unsere Reise führt uns heute entlang der Westfjorde weiter Richtung Westen – der Name ist hier tatsächlich Programm. Wir fahren größtenteils an der Küste entlang und müssen zahlreiche Fjorde umrunden. Obwohl die Luftlinie überschaubar ist, brauchen wir für die Strecke ziemlich lange.

Stundenlang Fjordlandschaft

Das Wetter ist wenig einladend, also werfen wir kurzerhand unsere Pläne für beide geplanten Wanderstopps über den Haufen und fahren lieber weiter. Als es kurz aufhört zu regnen, legen wir einen kleinen Spaziergang bei ein paar Felsformationen ein, um uns die Beine zu vertreten. Doch auch das bereuen wir fast, denn unsere Schuhe werden vom nassen Gebüsch völlig durchnässt. Immerhin findet Eva eine Handvoll frischer Blaubeeren, die sie mitnimmt.

Bäume, die in der Lava ausbrennen, hinterlassen Löcher im Stein

Schon bald erreichen wir Flókalundur – eine Ansammlung von vielleicht fünf Häusern, wo sich auch eine dringend benötigte Tankstelle befindet. Danach fahren wir zu den heißen Quellen am Ortseingang, die öffentlich und kostenlos zugänglich sind.

Hot Pot

Ein paar Leute sind schon dort, aber wir essen zuerst noch unser Mittagessen im Auto. Als wir schließlich ins Becken steigen, verlassen die drei übrigen Gäste die Quelle, um weiterzufahren. Das heiße Quellwasser wurde in ein aus Steinen aufgeschichtetes Becken geleitet, mit einem Überlauf, der hinunter über den Strand ins Meer fließt. Das Wasser hat wohl etwa 38 Grad und ist sehr angenehm. Eva, Mama und ich genießen rund 20 Minuten im Becken, bevor wir zum Auto und zu Klaus zurückkehren und weiterfahren.

Jetzt noch Hotter

Doch wir kommen nicht weit: Wir passieren ein charmantes Café neben einem ebenso hübschen Friedhof mit kleiner Kirche – also halten wir wieder an. Im Keller befindet sich ein kleines Museum mit Fossilien aus dem nahegelegenen Canyon, im Erdgeschoss gibt es Kaffee und Kuchen.

Café + Museum

Danach stehen die letzten zwei Stunden Autofahrt des Tages an. Wir fahren weiter entlang der Küste, passieren weitere Fjorde und entdecken schließlich ein gestrandetes Schiff, das nun rostend am Strand liegt – ein schönes Fotomotiv.

Hier endet auch endgültig der Asphalt, und die restlichen Kilometer fahren wir auf vom Regen aufgeweichten, mit Pfützen übersäten Schotterstraßen. Nach ein paar ausgesetzten Passagen entlang steiler Hänge erreichen wir unser Ziel: das Hotel Breiðavík.

Plötzlich tauchen auch immer mehr (helle!) Sandstrände am Weg auf

Das Gebäude wirkt schon etwas in die Jahre gekommen, aber in dieser menschenleeren Gegend war nichts Besseres zu finden. Umso erstaunlicher, wie viele Touristen hier zusammenkommen. Die etwas nervöse Dame an der Rezeption vermittelt mir beinahe das Gefühl, als wären wir in einem Horrorfilm gelandet.

Wir beziehen zwei Zimmer mit Stockbetten. Dusche und WC befinden sich am Gang. Die Gemeinschaftsküche hätte pro Person etwa 15 € gekostet – darauf verzichten wir. Auch das Bett müssen wir selbst beziehen, für Bettwäsche und Handtücher wird extra kassiert.

Nun gut – wir sind ja nicht wegen des Komforts hier, sondern wegen der berühmten Klippen von Látrabjarg, einem Paradies für Vögel. Magdi und Klaus bleiben im Hotel – wetterbedingt. Eva und ich fahren noch etwa 20 Minuten weiter auf einer eher schlechten Schotterstraße bis zum westlichsten Punkt Islands – und Europas.

Wir ziehen Regenhose und -jacke an, packen den Rucksack in einen Überzug und machen uns auf den Weg zur Klippe bzw. entlang des Klippenrands. Es regnet eigentlich nicht mehr richtig – wir befinden uns eher im feinen Sprühregen des Nebels bzw. in einer Wolke.

Die Anzahl der Vögel ist überwältigend. Gruppen von Möwen, Papageitauchern und zahlreichen anderen Arten kehren vom Meer zurück und landen in den Klippen, wo bereits tausende Vögel sitzen. Die schwarzen Felsen sind stellenweise weiß vor lauter Vogelkot, die Geräusch- und Geruchskulisse ist beeindruckend.

Eva ist im 7. Himmel

Die Papageitaucher sind erstaunlich wenig scheu – teils sind sie nur anderthalb Meter von uns entfernt. Wir schlendern an der Klippe entlang, machen unzählige Fotos und Videos und kehren nach knapp zwei Stunden wieder zum Auto zurück.

In der Orangen Haut bei ihren Mundwinkeln können sie unzählige Fische „verstauen“

Im Hotel jausnen wir noch ein wenig in unserem winzigen Zimmer, bevor wir schlafen gehen.

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Eine Antwort zu “Tag 11 – Vogelparadies”

  1. Traumhafte Fotos … Ich freue mich, dass ihr so viele schöne Momente habt … und genieße eure tollen Beschreibungen und freue mich auf eure persönlichen Erzählungen …
    Weiterhin noch schöne und spannende Tage euch allen!!!

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