Tag 8 – Stuðlagil und der letzte Foss?


Nachdem wir gestern wieder etwas später ins Bett gekommen sind, schlafen wir heute ein wenig länger. Bisher haben wir eigentlich noch nie eine wirkliche Dämmerungsstimmung, einen Sonnenuntergang oder -aufgang erlebt. Wir sind immer bei Tageslicht schlafen gegangen und haben versucht, die Zimmer so dunkel wie möglich zu machen. Das Schlafengehen fühlt sich jedes Mal irgendwie seltsam an. Richtig müde ist man eigentlich nicht, doch sobald man sich hinlegt, schläft man dennoch erstaunlich schnell ein.

Wir wachen trotzdem verhältnismäßig früh auf. Ich bin dadurch tagsüber oft etwas müde, doch es gibt einfach zu viel zu sehen und zu erleben, um das Tageslicht nicht voll auszunutzen.

Auch heute fahren wir wieder entlang der Ringstraße weiter. Wir durchqueren Hochebenen, passieren dunkle Berge und Lavagesteinsfelder, ehe wir auf eine Schotterstraße abbiegen, die uns zur Westseite des Stuðlagil-Canyons bringt. Wir parken auf einem Parkplatz und haben noch gut zwei Kilometer Schotterweg zu Fuß vor uns, um zum eindrucksvollsten Teil der Schlucht zu gelangen. Dort erwarten uns faszinierende Basaltformationen und ein engeres Stück, durch das der türkisfarbene Fluss fließt. Überall klettern Touristen herum – und wir tun es ihnen gleich. Einige schwimmen sogar im Fluss und posieren auf den Basaltsäulen auf der anderen Seite.

Die Hauptattraktion
Und mit Frau

Wir erkunden das Gelände, klettern ein wenig und suchen nach schönen Blickwinkeln für Fotos mit möglichst wenigen anderen Menschen im Bild. Mama und Klaus spazieren derweil schon wieder zurück zum Auto und warten bei einem kleinen Imbisswagen auf uns.

Und mit uns

Heute ist es außergewöhnlich warm (20 °C) und sonnig – noch. Unsere Fahrt führt weiter auf ein weites Hochplateau, etwa 500 Meter über dem Meer. Dort machen wir an einem kleinen Parkplatz Mittagspause (Chili sin Carne – danke an die Frauen, Klischee erfüllt). Doch hier hat es nur noch 16 °C, die Sonne ist verschwunden, und ein kalter Wind weht. Kein Ort zum Verweilen also. Nach dem Essen setzen wir die Fahrt rasch fort.

Picknick

Leider verschlechtert sich das Wetter zunehmend. Als wir unser nächstes Ziel erreichen, beginnt es bereits leicht zu regnen. Beim Dettifoss angekommen, ist es so feucht, dass Mama und Klaus im Auto bleiben. Eva und ich gehen die wenigen Meter hinunter zum Rand des Abgrunds und bestaunen die gigantischen Wassermassen, die direkt vor uns tosend in die Tiefe stürzen.

Menschen im Größenvergleich

Anschließend fahren wir noch etwa fünf Minuten weiter zu einem Aussichtspunkt am Hafragilsfoss, wo sich uns ein atemberaubendes Panorama über die weitläufige Schlucht bietet. In den ruhigen Kehrwässern klärt sich das zuvor sedimentreiche Wasser, und plötzlich ist es ganz klar.

Weiter um die Ecke flussabwärts

Leider lädt das schlechte Wetter nicht zum Verweilen ein, und so fahren wir die 30 Minuten über die Schotterstraße zurück zur Ringstraße und anschließend noch eine halbe Stunde weiter nach Mývatn. Dort merken wir schnell, dass wir uns wieder in einem vulkanisch aktiven Gebiet befinden: Es riecht nach faulen Eiern, und überall steigen Dampfsäulen in den Himmel. Wir passieren auch das geothermische Kraftwerk. Kurz darauf erreichen wir unsere gemietete Hütte, wo uns Oli, unser Vermieter, bereits willkommen heißt.

Er hat vor ein paar Jahren eine Tirolerin kennengelernt, die bei ihm ein Zimmer gemietet hatte. Sie entschloss sich daraufhin, nach Island auszuwandern. Gemeinsam bauten sie ein neues Haus und vermieten nun das alte. Oli stammt ursprünglich aus einer Schäferfamilie. Die beiden haben sehr viel Liebe zum Detail in die Unterkunft gesteckt – sie wirkt fast wie ein kleines Heimatmuseum, mit zahlreichen Kunstwerken, alten Gegenständen, Bildern und erklärenden Texten.

Wir fühlen uns sehr wohl und lassen den Tag hier ausklingen – heute wollen wir einmal etwas früher ins Bett gehen. Oli erzählt uns auch ein wenig über ihr Leben: Die hohen Lebenshaltungskosten in Island machen es nicht leicht, über die Runden zu kommen. Auch die Winter mit nur vier Sonnenstunden pro Tag sind eine große Herausforderung. Oli ist eigentlich Gärtner und experimentiert mit verschiedenen Pflanzen, um herauszufinden, was in den frostfreien zwei Sommermonaten alles gedeihen kann.

Ein interessanter Einblick hinter die isländischen Kulissen.

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3 Antworten zu “Tag 8 – Stuðlagil und der letzte Foss?”

  1. Wieder interessante Eindrücke und wunderschöne Bilder dieser Insel….Das Quartier sieht sehr einladend aus und schön , dass ihr Kontakt zu den Einheimischen hattet . Der Austausch bereichert sehr und das ist schön .Alles Gute weiterhin……

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