Tag 2 – Hochzeitstag


Der geduldige Lukas lässt heute in der Früh Eva ausschlafen. In der Nacht ist es ziemlich abgekühlt, 2 Wohnmobile neben uns haben sogar die Standheizung an. Wir, primär ich, Lukas, genießen die Kälte jedoch sehr. Wir frühstücken gemütlich mit Fernblick auf die Berge in der Ferne, ganz stressbefreit. Die Seilbahn nimmt dann auch schon bald ihren Betrieb auf und wir nutzen somit noch das Klo, welches es bei der Talstation gibt. Heute ist unser erster Hochzeitstag und unser Plan ist es, diesen traditionell – eigentlich erschaffen wir die Tradition nun erst – auf dem Berg zu verbringen. Daher fahren wir noch kurz in den Ort und besorgen uns beim Spar eine Jause, ehe wir nach etwa 30 Minuten Fahrzeit über den Kreuzbergpass zum Ausgangspunkt unserer geplanten Wanderung kommen. Nunja, nicht ganz eigentlich, denn bei der Zufahrt zum Rifugio Lunelli steht bereits ein unfreundliches Camperparkverbotsschild. Also bleiben wir am letzten Parkplatz vor dem Schild stehen und verlängern somit unserer Wanderung. Wir packen unsere großen Rucksäcke voll (meiner hat wohl ~12-13kg) und wandern zum Parkplatz beim Rifugio, wo wir eigentlich starten wollten. Sehr schnell sind wir sehr dankbar über dieses Verbot, denn der Weg entlang des kleinen Flusses mit vielen kleinen Wasserfällen ist schon für sich eine Wanderung wert. Nach etwa 3km und vielleicht 300 Höhenmetern sind wir beim großen Parkplatz oben angekommen und beginnen die eigentliche Wanderung. Es geht relativ steil eine Felsstufe hinauf, wo sich zu unserer Rechten auch ein hoher, aber wenig Wasser führender Wasserfall in die Tiefe stürzt. Das Wetter ist absolut perfekt und es ist aufgrund einer leichten Brise und immer wieder aufkommenden kleineren Wolken auch sehr angenehm. Nach etwa 400 weiteren Höhenmetern erreichen wir das Rifugio Berti. Eine kleine Hütte, sehr idyllisch gelegen umringt von schroffen und imposanten, für die Dolomiten typischen Felstürmen.

Schutzhaus vom Bertl

Nachdem es schon 13:30 ist, sind wir auch entsprechend schon hungrig und freuen uns auf ein Essen auf der sonnigen Terasse mit einem Ausblick, der nicht viel besser sein könnte. Eva isst Polenta mit Pilzen, ich Spaghetti aglio e olio und gemeinsam einen Bohnensalat. Zum Abschluss noch ein paar Sonnenstrahlen und einen Verlängerten. Herrlich. Wir füllen unseren Wasservorrat wieder auf 3L pro Person auf und steigen weiter empor. Unser Ziel ist der Arzalpenkopf (Croda Sora i Colesei). Frisch gestärkt brauchen wir gar nicht mehr so lange, schon sind wir am Gipfel. Wir haben etwa 3,5h Gehzeit für die 1100 Höhenmeter und 8,5km gebraucht. Der Gipfel ist auf 2369m und bietet einen imposanten Blick über die wirklich hohen Berge. Auf der Scharte und auch direkt beim Gipfel finden wir jede Menge Bunkeranlagen und Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg. Es gibt mehrere Stollen, die sogar gänzlich durch den Berg führen und die Scharte ist durchzogen von einem Schützengrabensystem. Kaum vorstellbar hier, allen Elementen ausgesetzt, zu überleben auf Dauer. Wir hingegen können es heute sehr genießen, ohne Krieg und bei angenehmen Temperaturen.

1 Jahr Ehe gut überstanden, wer hätte das gedacht

Es ist irgendwann kurz vor vier, als wir uns neben dem Gipfelkreuz nieder lassen und unseren Träumen freien Lauf lassen. Wir beobachten, wie sich die Sonne langsam hinter die Berge schiebt. Gesellschaft haben wir nur kurzzeitig von zwei Gruppen Menschen, als auch von ein paar Bergdohlen und Murmeltieren. Schon bald sind wir dann mutterseelenallein. Wir waschen uns notdürftig mit unseren Trinkwasserreserven und schlüpfen in unsere wärmendere Kleidung, denn mit der untergehenden Sonne wird es recht schnell sehr frisch.

Gleich is weg. Die Sonne und die Wärme.

Ich steige 70 Meter unter den Gipfel ab und suche einen Zeltplatz. Ich werde fündig, eine perfekte Senke mit dichtem, hohen und somit auch weichem Gras bietet uns perfekten Untergrund. Eva stößt zu mir hinzu und in der beginnenden Dunkelheit bauen wir unser Zelt auf. Wir hatten stets ein Auge auf die Wolken und den Wetterbericht um bei Bedarf noch absteigen zu können. Mit der späteren Stunde haben sich Wolken an den Bergen neben uns gebildet, aber es wirkt nicht gewitterlich.

Es ist mittlerweile schon so kalt, dass wir gleich in unsere Schlafsäcke schlüpfen um warm zu bleiben. Darin ist es dann doch sehr angenehm warm. Bald fallen die ersten Tropfen und ein moderater Wind schüttelt an unserer Zeltplane. Es donnert aber nicht, und so schlafen wir beruhigt, schon relativ früh ein und hören nur die Natur um uns.

„A schlechte Nacht is immer noch gangen“
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2 Antworten zu “Tag 2 – Hochzeitstag”

  1. Ich glaube, ihr habt euer erstes Ehejahr sehr gut bestanden. Und ich wünsche euch noch ganz viele solcher wunderbaren Jahre ❤️

    Ach ja, wie ist das mit Wurm bei euch Veganern? 😅

  2. Natürlich auch von mir nochmals herzlichen Glückwunsch zum 1.Hochzeitstag – schön ,dass euer Wunsch ,diesen Tag in den Bergen zu verbringen ,in Erfüllung gegangen ist ! Ich wünsche euch beiden eine schöne Weiterreise durch Italien mit vielen tollen Erlebnissen……

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