Tag 27 – Peninsula Valdez


Nach einer kurzen, eher verheerenden Nacht (Gelsen) reißt uns der Wecker um 05:45 aus dem Schlaf. Die Lust für frühe Unternehmungen ist quasi null, doch zwingt man sich irgendwie dazu, da man sonst was verpasst. Man neigt schon fast dazu zu vergessen, dass es sich um Urlaub handelt, bzw. freut sich wieder auf einen erholsamen Arbeitsalltag. Außer natürlich, man schläft tief und fest und bekommt weder von heißer Bettdecke oder Gelsen etwas mit. Beneidenswert. Das Frühstück packen wir ein und fahren um 06:30 direkt los. Wir wollen ganz in den Osten der Halbinsel zu einem der Strände, an denen es immer wieder Orca Sichtungen gibt. Doch zuerst müssen wir in der Dunkelheit für 1,5h über 80km Schotterpiste heizen. In der Morgendämmerung treffen wir auf Guanacos, eine Gruppe Maras (große Nagetiere), Schafe, eine Kuh, einen kleinen Fuchs und einige Pferde entlang der Straße. Am östlichsten Punkt der Halbinsel angekommen finden wir ein paar Holzstege auf der Steilküste, von denen man einen guten Überblick über den Strand hat. Am Strand unten liegen zwei Herden Seeelefanten auf ihrer faulen Haut in der Sonne.

Danach sehne ich mich auch schon ein wenig: So richtig auf der faulen Haut liegen

Apropos Sonne, es weht ein leichter Wind, doch es sind eigentlich keine Wolken am Himmel und das Wetter ist absolut perfekt. Wir beobachten die Seeelefanten, wie sie immer wieder sich um ein paar Meter weiter bewegen um dann im nächsten Moment wieder regungslos nieder zu sacken und sich maximal selbst mit ein paar Kieselsteinen zu bewerfen. Es handelt sich um die heranwachsenden Jungtiere, welche im November auf die Welt gekommen sind. Doch klein und niedlich sind sie nicht mehr – zum Teil sind es bereits ordentliche Geräte. Ist auch klar, wenn ein ausgewachsenes männliches Tier bis zu 5m und 4 Tonnen erreichen kann. Doch eigentlich sind wir wegen den Orcas hier. Diese werden immer wieder entlang der Küste gesichtet, wo sie auf Robben- und Seeelefantenjagd sind. Wir lassen uns auf dem Steg nieder und beobachten das Meer. Die Sonne scheint und die Wellen tosen.

Perfekte Beobachtungsposten

Die Chancen auf eine Walsichtung sind bei Flut am höchsten, daher sind wir heute auch bereits so früh gestartet. Denn bei Flut haben sie die besten Chancen Beute zu erwischen, da sie bis weit auf den Strand kommen können. Wir kommen mit einem französischen Pärchen ins Gespräch und tauschen Nummern aus, denn sie wollen an den nördlichen Strand fahren und dort Ausschau halten und wir vereinbaren, uns gegenseitig zu schreiben, sollten Wale gesichtet werden. Sie sind bereits 6 Tage vor Ort und haben bisher noch nichts gesehen. Das trübt natürlich unseren Optimismus, dass wir genau am dem einen Tag am genau richtigen Ort sind.

Die Whalewatchers

Wir sitzen wohl noch etwa eine Stunde mehr am Holzsteg und verlieren das Zeitgefühl, da vermeldet auf einmal einer der anwesenden Locals, dass er in der Ferne, nördlich von uns, die typischen Fontänen vom Ausatmen gesehen hat. Aufgeregt laufen die etwa 20 anwesenden Leute auf einmal hin und her und jeder starrt in die Ferne. Dann gibt es eine weitere Fontäne im Süden von uns und tatsächlich kommen zwei Orcas den Strand entlang schwimmend an uns vorbei. Ich schreibe schnell den Franzosen, diese sind in diesem Moment am nördlichen Strand angekommen und schreiben, dass sie sich sofort wieder auf den Weg zu uns machen. Die beiden Orcas halten wohl Ausschau nach leichter Beute und passieren gemächlich den gesamten Strandabschnitt.

Was haben wir für ein Glück?

Wir laufen den Strand entlang auch Richtung Norden um ihnen zu folgen. Als sie dann außer direkter Sichtweite waren gehen wir zurück zum Parkplatz und fahren gemeinsam mit dem Auto zum nördlicheren Punkt neben der Lagune, wo sie ihre Kreise ziehen. Mittlerweile sind sie zu 3. und die Vermutung liegt nahe, dass sie dem Jungtier das Schwimmen im flachen Gewässer zeigen. Als sie dann die Lagune wieder verlassen und abtauchen, fahren wir wieder zurück Richtung Süden, wo sie erneut die Aussichtsstege passieren, diesmal zu 3, ehe sie auf’s Meer hinausdrehen und verschwinden.

Die Küste nach leichter Beute absuchen

Die beiden Franzosen sind mittlerweile auch eingetroffen und sind uns unendlich dankbar, dass wir sie benachrichtigt haben. Als dann Ruhe eingekehrt ist, beschließen wir auch an den nördlichen Punkt zu fahren, da dort angeblich auch Seelöwen sind. Wir nehmen die direkte, aber eigentlich geschlossene Schotterpiste, und fahren für 75km etwa eine Stunde. Am Punta Norte gibt es ebenso angelegte Stege mit Plattformen am Ufer und am Strand ist eine Kolonie Seeelefanten und zwei Gruppen Seelöwen. Viele junge Seelöwen tollen am Strand herum und spielen in den Wellen. Sie versuchen auch die deutlich größeren Seeelefanten zum Spielen zu ermutigen, doch die verhalten sich äußerst ablehnend.

Babylöwe will mit Babyelefanten spielen. Diese sind nicht begeistert.

Wir Beobachten das Schauspiel eine ganze Weile. Das französische Pärchen hat uns sehr begeistert von einer organisierten Bootstour zum Schwimmen mit Seelöwen erzählt, wo die Weibchen scheinbar sehr neugierig und spielerisch im Wasser den Kontakt suchen. Wir sind auch begeistert von der Idee und bekommen den Kontakt der Tauchschule, die das anbietet. Spontan entschließen wir uns das Angebot anzunehmen noch am gleichen Tag um 17:00 die Tour zu starten. Damit sich das ausgeht fliegen wir schnell mit dem Auto zurück nach Puerto Piramides, wo auch unser Appartement ist. Statt den erlaubten 60 km/h heize ich mit 130 km/h über die Schotterpiste, doch wir können so die 1,5h Fahrzeit auf 45min halbieren. Leider erreicht uns dann in der Stadt angekommen die Nachricht, dass der Trip leider doch nicht möglich ist, da der Wind gedreht hat. Wir fahren trotzdem noch in die Tauchschule und besprechen unsere Chancen auf einen solchen Trip in den nächsten zwei Tagen. Eventuell ist es morgen in der Früh möglich, wir müssen jedoch noch die Windvorhersage abwarten. Also fahren wir nach einem kurzen Blick zum Strand der Stadt zurück ins Quartier und relaxen ein bisschen, ehe wir in die empfohlene Bar gehen um uns dort mit unseren neuen französischen Freunden, Maude und Adrien, zu treffen. Eva schwärmt noch kurz mit dem Auto aus um ein Vogelgebiet zu erkunden und stößt nachher zu uns dazu. Die Bar hat jedoch leider noch geschlossen und macht erst um 8 auf. Daher gehen wir stattdessen ins El Origin. Dort sitzen wir zusammen, trinken Bier und tauschen uns über die Orcas und unsere Reisen aus. Maude und Adrien sind extrem offen und haben eine äußerst positive Ausstrahlung – wohl auch, weil Maude’s Wunsch seit der Kindheit mit den Orcas heute in Erfüllung gegangen ist. Es stoßen auch immer wieder andere Personen zum Tisch dazu und fragen wegen Informationen zu den Orcas. Es entsteht ein reger Austausch, quasi eine kleine Orca Community.  Kurz vor 9 gehen wir zurück in die Unterkunft und bekommen dort noch Bescheid, dass die Vorhersage für die morgige Schnorcheltour leider nicht gut genug ist.

In der Stadt liegen unzählige, gigantische Wahlskelette oder Knochen herum
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4 Antworten zu “Tag 27 – Peninsula Valdez”

  1. Was für ein Glück, dass ihr Orcas beobachten konntet – exakt zum richtigen Zeitpunkt, ich freue mich so mit euch!
    Und dass ihr zwischendurch Sehnsucht nach einem ruhigen und relaxten Arbeitstag habt, kann man bei eurem extrem dichten und äußerst spannenden Programm durchaus nachvollziehen 😅

    • Ja, das war schon echt ein cooler Moment, da an Land zu stehen und die Orcas vorbeigleiten und Kurven ziehen zu sehen 🤓 wirken aber irgendwie kleiner als gedacht 😅

  2. Lukas freut sich wieder auf einen erholsamen Arbeitsalltag 🙈 – du musst aber in einer tollen Firma arbeiten 🤣
    Die Orca Sichtung bei ihrer Jagd am Strand ist großartig – eure Anstrengungen zahlen sich auf jeden Fall aus 🫶

    • Ja, das frühe Aufstehen hat sich bis jetzt noch so gut wie jedes Mal ausgezahlt, deswegen sind wir ja jedes Mal von neuem motiviert 🙈 nur an dem Moment, wo der Wecker tatsächlich läutet ist es manchmal schwer 😂

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