Tag 20 – Futaleufú


Wir schlafen heute wohl das erste Mal auf dieser Reise aus, denn unsere Rafting-Tour startet erst um 13:00 und wir haben keinerlei andere Verpflichtung. In der Nacht hat es wieder auf 5° abgekühlt und die nicht isolierte Holzhütte ist innen auch sehr kalt. Wir spazieren um 09:00 zwei Häuserblöcke weiter und unterschreiben und bezahlen unsere anstehende Rafting-Tour (85€ pro Person). Im Anschluss fahren wir mit dem Auto zur Tankstelle tanken und stoppen bei einer Reifen-Werkstätte. Doch der Besitzer hat nur ein Schild hinterlassen, dass er für Einkäufe unterwegs ist und erst heute Montag wieder zurückkehrt. Wir fahren zu einer alternativen Werkstätte, die wir auf Google Maps finden und bekommen prompt von einem kleinen Männlein einen Flicken in den Reifen eingesetzt für 10€.

Danach fahren wir wieder zur Unterkunft und wärmen uns in der Sonne auf der Terrasse, ehe wir uns um Einkaufen und Essen kümmern. Wir spazieren zum vielversprechendsten Supermarkt und verzetteln uns dabei aber etwas, sodass wir dann zu 3. im Eiltempo kochen und essen, denn wir haben nurmehr eine halbe Stunde bis zum Treffpunkt. Es geht sich aber irgendwie aus und wir schaffen es rechtzeitig zum Rafting-Büro, wo uns und unsere Paddelkollegen ein Kleinbus abholt. Mit diesem fahren wir etwa 20 Minuten in den Westen zum Stützpunkt der „Patagonia Elements“, wo wir unsere Neoprenanzüge, Spritzjacken, Schuhe, Helme und Schwimmwesten erhalten. Danach geht es nochmal 10 Minuten mit dem Bus zum Einstiegsort, wo wir unsere zwei Safety Paddler und den 2. Raft Guide treffen. Die Rafts sind schon vorbereitet, wir sind in Summe 9 Leute und werden aufgeteilt auf zwei Rafts. Unser chilenischer, junger Guide ist sehr sympathisch und erklärt alles sehr geduldig auf Spanisch und Englisch. Lisi, Eva und ich sind gemeinsam mit zwei älteren Chilenen auf einem Raft. Wir starten auf dem Rio Azul, denn das ist die einzige Möglichkeit zu oberen Abschnitt des Futaleufu’s zu kommen. Der Beginn is eher zäh, denn der Rio Azul hat kaum Wasser und wir müssen insgesamt 3x aussteigen und zu Fuß gehen, damit unser Guide Jose alleine über die steinigen Stellen kommt. Immer wieder bleiben wir hängen und kommen kaum vorwärts. Dann erreichen wir endlich die Mündung in den Futaleufu. Das ist ein echt gewaltiger Fluss, der zwar derzeit verhältnismäßig wenig Wasser führt, dennoch auf eine beträchtliche Summe Wasser kommt.

Schönstes Wasser

Während den ersten ruhigen Metern erhalten wir noch eine sehr umfangreiche Einschulung und dann geht es auch schon direkt los. Die beiden Safety-Paddler sind alleine auf einem Gefährt, das eine Mischung aus Raft und Katamaran ist, unterwegs und fahren voraus um Leute aus dem Wasser zu fischen, sollten wir kentern.

Unser Konvoi

Die zweite Stromschnelle ist bereits eine Wildwasser V Stufe, die wir nur befahren, weil gerade wenig Wasser ist, denn sonst wäre es zu gefährlich. Auf dem Kajak bewegen wir uns normalerweise in Stufe II, III. Eva ist bereits auch auf ein paar wenigen vierer Stellen gefahren. Wir passieren gigantische Wellen, die sich bilden. Um uns herum ist nur weißes, spritzendes Wasser, es ist ohrenbetäubend laut und wir durchfahren mächtige Wellen und werden abwechselnd eingetaucht um im nächsten Moment durch die Luft gewirbelt zu werden. Die Kräfte, die hier wirken, sind absolut unvorstellbar und Eva und ich sind uns absolut einig, dass wir das nie und nimmer mit dem Kajak fahren wollen und werden. Wir kommen gut durch die „Terminator“ Stromschnelle und haben definitiv einiges an Ehrfurcht erlangt. Leider hat es mir die Kontaktlinse aus dem rechten Auge gespült und meine Sicht ist für die restliche Fahrt etwas unangenehm eingeschränkt.

Beeindruckende Wellen, die gerne auch Rafts verspeisen

Zwischendurch sind immer wieder ruhigere Strecken, wo keine Gefälle überwunden werden und/oder keine Steine im Fluss sind und man hat so etwas Zeit sich wieder zu sammeln.  Bei den Stromschnellen gibt uns Jose lautstark die Befehle zum Paddeln, um’s überleben“ Paddeln oder Festhalten bzw. in die Mitte des Rafts ducken. Das Ganze funktioniert ganz gut, doch bei einer Stromschnelle sind wir wohl zu langsam und geraten in einen Rücklauf. Es rotiert uns um die Achse und wir fahren rückwärts in die nächste Welle. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit dreht uns die Welle fast über, doch es geht grad nochmal gut.

Action Pur
Augen zu und durch
So schaut das im Durchschnitt aus dem Raft heraus aus

In Summe durchfahren wir etwa 20 km des Flusses, mit nur einer kurzen Klopause und sind wohl um die 2h am Wasser. Immer wieder erreichen wir Stromschnellen, wo Jose uns 50% Chance gibt, dass es das Raft umdrehen könnte und wir alle schwimmen. Glücklicherweise geht aber alles gut und wir erreichen den Ausstieg. Mittlerweile ist es uns auch schon etwas kühl und wir sind auch schon ein wenig erschöpft. Voller Ehrfurcht und auch erleichtert, dass es zu keinen unangenehmen Situationen kam steigen wir aus und werden mit dem Bus zurück zum Stützpunkt gebracht. Die 30 minütige Fahrt ist sehr zach, denn der Transporter scheppert auf der Schotterpiste ordentlich, vibriert extrem und auch der Fahrgastraum füllt sich sehr mit Staub. Wir sind dann erneut sehr froh angekommen zu sein und schlüpfen aus den nassen Klamotten. Wir erhalten ein paar Snacks und werden dann wieder nach Futaleufu zurück gebracht.

Jose und seine Crew
Von Azul river bis ganz in den Westen sind wir gefahren

Am Abend sitzen wir zusammen und planen unsere restliche Route und erstellen einen Zeitplan.

,

4 Antworten zu “Tag 20 – Futaleufú”

  1. Wie konntest du da noch Fotos machen?!
    Hast du Reservelinsen?
    Bin echt froh beim Frühstück zu sitzen und das nur lesen zu müssen 🤣

  2. Schließe mich den Fragen vom Mama an
    ? Heute fehlen mir die Worte ! Euer Mut ist nicht zu überbieten – Gott sei Dank führt dieser Fluss zur Zeit weniger Wasser !!! Der heutige Tag ist sicher einer der Höhepunkte eurer Reise …..Alles Gute weiterhin ….

  3. Ich verwende Tageslinsen auf der Reise. Davon habe ich genug. Hatte nur blöderweise während der Fahrt keine Ersatzlinse eingesteckt.
    Aber für heute bin ich wieder versorgt ☺️

    Es hat uns ein Fotograph begleitet mit dem Auto und hat uns an ein paar Stellen am Fluss aufgelauert. Konnten die Fotos kaufen für 15€.

    War auf jeden Fall wirklich beeindruckend das Wasser so zu erleben und auch diese Dimensionen kennen zu lernen. Kann man mit unserer Kajak Erfahrung dann gut einschätzen wie wild das erst im Kajak sein muss 😅😅 unser Guide hat die Linien aber sehr gut getroffen und bei den Wassermengen wird man auch schnell einfach durchgespült in den nächsten ruhigeren Bereich. Wäre es nicht (fast gänzlich) sicher, würde es hier nicht so viele Anbieter geben. Deswegen sind wir auch Raften und nicht Kajaken gegangen. Da wären uns selbst die einfacheren Passagen zum Teil zu anspruchsvoll (Mir zumindest) und ich würde mich unsicher fühlen.

Schreibe einen Kommentar zu Bernardo Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert