Heute haben wir geplant El Chaltén zu verlassen und weiter in den Norden zu fahren. Nachdem wir durchaus eine weite Strecke geplant haben für heute (625km und 9h 19min laut Google Maps), starten wir schon entsprechend früh. Obendrein wollen wir gerne aus der Ferne noch den Monte Fitz Roy im Sonnenaufgang sehen, daher stehen wir schon um 06:00 auf und packen nach den 3 Nächten in der Unterkunft nun wieder alles ins Auto. Um 07:15 sitzen wir dann im Auto und fahren los – perfekt getimed für den Sonnenaufgang. Wir verlassen den Ort und parken auf einem Parkplatz etwas außerhalb. Leider ist es im Osten ziemlich dicht bewölkt und so zeichnet sich heute keine klare Sonne auf den Felsen ab. Lediglich ein ganz leichter Rotschimmer ist erkennbar, aber immerhin ist der Monte Fitz Roy selbst nicht in Wolken gehüllt.

Wir lassen die Bergkette im Rückspiegel, wo sie die erste Stunde Fahrt fast durchgängig noch sichtbar bleibt. Wir machen einen kurzen Stop beim Bau des Gürteltiers von Tag 12, doch wir sehen es heute nicht. Es geht wieder durch endlose Weiten größtenteils mit kerzengeraden Straßen bis an den Horizont gesäumt von dem typischen Zaun rechts und links der Straße. Die Anzahl der Guanacos, die wir passieren ist schier endlos. Unzählige Herden grasen neben der Straße und leider hängen auch ebenso unzählige Skelette in den Zäunen. Ich verringere bei jeder Gruppe die wir passieren die Geschwindigkeit ein wenig und fahre bremsbereit, sollte doch eines erschrecken und auf die Straße hüpfen.


Nach unzähligen Kilometern schier endlosen, kaum bewachsenen und vor allem nicht bewohnten Weiten erreichen wir plötzlich eine kleine Ortschaft, Tres Lagos. Eher trostlos, aber doch irgendwie erstaunlich wie und wo sich die Menschheit ansiedelt. Wir fragen uns, wovon die Ansässigen leben, können es aber nicht beantworten. Danach beginnt der schlechte und einzige Teil der Routa 40, der noch nicht asphaltiert ist. Wir rattern über eine eher schlechte Schotterpiste mit teils großen Steinen. Besorgt suchen wir in den Reiseführern nach Information, wie lange denn das nicht ausgebaute Stück ist. Scheinbar aber nur um die 40km. Irgendwann wird die Schotterpiste dann etwas besser und wir machen die Kilometer dann doch in überschaubarer Geschwindigkeit. Zeit und Distanzen sind sowieso irgendwie in komplett neue Dimensionen gerückt. Irgendwann erreichen wir auf jeden Fall wieder Asphalt, auch wenn dieser oftmals noch unterbrochen oder von tiefen Schlaglöchern zersetzt ist. Die weiten Ebenen werden etwas hügeliger und wir passieren einen großen See in der Ferne, den Lago Cardiel.

Wiederum etwas später kommen wir nach Gobernador Gregores, welches eine Stadt ist, in einem scheinbar wirklich fruchtbaren Becken. Immer wieder stehlt das Wasser irgendwo und die Vegetation ist sehr grün. Die Stadt ist umsäumt von unzähligen Pappeln und wirkt ein wenig wie eine Oase. Wir stoppen um zu tanken, denn das ist vermutlich die letzte Tankstelle bis zu unserem Zielort, Perito Moreno. (Ja, der Ort heißt gleich, wie der Gletscher, den wir zuvor besichtigt haben, ein paar hundert Kilometer weiter im Süden – benannt nach einem berühmten Entdecker und Forscher). Weiter geht es, neben einem recht grünen Fluss, mitten in der trockenen Steppe, der seine Mäander in den Boden geschnitten hat.

Während eines Fotostops werde ich von drei Motorradfahrern angesprochen, die mich besorgt fragen, ob ich weiß wo die nächste Tankstelle ist. Es stellt sich heraus, dass sie die 70km nach Gobernador Gregores, wo wir gerade getankt haben, nicht mehr schaffen würden. So packen wir unseren Benzinkanister aus und teilen unseren Benzinvorrat zwischen den 3 Fahrern auf. Diese sind äußerst dankbar, einer schmeißt im Stand sein Motorrad um und der andere drückt mit 10.000 Pesos (würde für etwa 16L reichen, ich habe ihnen 10L gegeben) in die Hand. Weiter geht’s. Wir durchfahren äußerst lange Geraden, an deren Ende eine beständige Fata Morgana herrscht. Auch rechts und links am Horizont spiegeln sich Wolken oder Landschaft in seltsamen Varianten und erzeugt Illusionen. Als dann die Fahrt schon beinahe endlos erschien, erreichten wir eine Tankstelle/Hostel/Bar Komposition an der Straßenseite. Wir stoppen auf einen Kaffee und finden einen Shop vor, der beinahe jegliches erdenkliche Produkt anbietet. (Von Wasserkocher, Kopfhörer, über Messer bis zu Protein Riegel)


Es gibt auch Internet, und wir können seit langem wieder mal mit der Außenwelt kommunizieren, denn Handyempfang gibt es hier generell nur in den „großen“ Städten, also alle 300km mal. Nach dem erfrischenden Stop zweigt es schon bald rechts ab auf eine Schotterpiste. Wir nehmen die Abzweigung und fahren etwa 45 Kilometer auf dieser. Allerdings ist sie sehr gut in Schuss und so sind zum Teil sogar Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h möglich. So fliegen wir förmlich über Bremshügel und Schlaglöcher hinweg. Neben uns tut sich auf einmal eine Schlucht auf und wir erreichen unser Ziel: Cueva de las Manos. In der Schlucht gibt es Höhlenmalereien aus 3 Epochen, wobei die ältesten Malereien auf ca. 9000 Jahre vor Christus geschätzt werden. Wir halten bei einem Infocenter, von wo aus wir einerseits einen genialen Ausblick über die Schlucht haben und andererseits auch unsere Führung beginnt.

Wir warten auf die nächste volle Stunde und starten dann mit einer Führerin und drei Argentinierinnen einen Weg am Schluchtenrand entlang. Wir sind sehr froh, dass Eva dabei ist und uns alles perfekt übersetzen kann, denn englischsprachige Führungen gibt es nicht. Schon nach ein paar Metern entdecken wir die ersten Malereien. Hauptsächlich handelt es sich um Hände (daher auch der Name) in verschiedenen Farben und daneben oft Szenen aus der Jagd auf Guanacos, wovon sich die Urvölker wohl ernährt haben. Es ist sehr interessant, wenn auch künstlerisch nicht sehr ansprechend. Es erinnert eigentlich an die Fingerfarben aus dem Kindergarten. Dennoch eindrucksvoll, wie lange es sich gehalten hat, da es an dem Ort recht gut vor Witterung geschützt ist.




Die Führung und der Weg beansprucht 1,5h. Danach fahren wir wieder weiter. Es geht zurück auf die Hauptstraße Richtung Norden. Doch um dorthin zu gelangen durchqueren wir mit einer ziemlich steilen Schotterstraße eine dieser Schluchten des Gebiets. Am Boden der Schlucht ist erstaunlicherweise einiges an Salz, wir haben keine Ahnung, woher das kommt.

Froh über den kurzen Abstecher in die Schlucht sind wir dann aber auch froh, wieder auf der asphaltierten Hauptstraße zurück zu sein. Vor uns sind noch die letzten 100km nach Perito Moreno, wo wir uns eine Unterkunft gebucht haben für eine Nacht. Wir durchqueren Landschaften, die man eher auf dem Mond oder Mars erwarten würde, in einem goldigen, roten Abendlicht und fahren die letzten Kilometer bei untergegangener Sonne. Perfekter Tagesausklang.

Etwas erschöpft von den über 9h Autofahren bei nicht immer leichten Verhältnissen (Schotter, Schlaglöcher, Guanacos, Sonne) essen wir noch ein paar unserer Gemüsereste als Salat, kombiniert mit schnellen Nudeln mit Tomatensauce und gehen schlafen.
Eine Antwort zu “Tag 16 – Cueva de las Manos”
Wieder ein erfolgreicher und interessanter Tag – alles Gute weiterhin….