Der Wecker geht um 04:45. Ich liebe mein Müsli in der Früh normal über alles, doch heute musste ich es auch eher runterwürgen. Wir haben gestern bereits alles fix und fertig gepackt und vorbereitet. So schleichen Eva und ich um 05:25 schon außer Haus, während Klaus und Lisi noch schlafen. Für heute haben wir uns die lange Wanderung zu der Laguna de los Tres ausgesucht. Wir durchqueren die beleuchtete Ortschaft und betreten im Norden dann den Wanderweg, wo ich meine Stirnlampe aktiviere. Es ist noch zu dunkel ohne. Eva stolpert mir mit ihrer angeborenen Nachtsicht hinterher. Der Weg führt auf einen Hügel empor und ist äußerst staubig. Wir treffen auf 2,3 andere Stirnlampler und erreichen nach etwa einer Stunde in einem guten Tempo den ersten Aussichtspunkt, von dem aus man den Monte Fitz Roy bzw. das ganze Bergmassiv sehr gut sehen kann. Nachdem wir eigentlich mehr als 30 Minuten vor Sonnenaufgang bereits dort sind, sind wir etwas unentschlossen. Weitergehen und eventuell eine schlechtere Aussicht haben oder in der Dunkelheit und Kälte 30 Minuten warten? Wir entscheiden uns für eine Hybridlösung: Eva bleibt, ich gehe weiter. Ich lasse die Kamera bei ihr und setze den Weg fort. Ich finde etwas weiter eine coole Location, etwas abgeschieden vom Weg, wo ich auch einen kleinen Fluss im Blick habe vor dem Bergmassiv.

Ich verbringe den Sonnenaufgang mit der Drohne in der Luft. Atemberaubend:

Nach dem Spektakel treffen wir uns wieder bei der vereinbarten Weggabelung und marschieren raschen Schrittes weiter, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Der Weg ist nun eben und führt durch Wälder und über sandige und steinige Fluss- und Sumpfgebiete. Bald darauf passieren wir einen Zeltplatz im Wald, wo sicher 20 Zelte aufgebaut sind. Wir haben zuvor aus der Ferne auch bereits einige Leute mit Stirnlampen aus dem Camp zum Bergsee empor wandern gesehen. Nach dem Camp fängt der letzte Aufstieg von etwa 500 Höhenmetern an. Wir überholen einige andere Wanderer und meistern den Aufstieg sehr zügig, gespannt darauf, was uns oben erwarten wird. Der Weg führt auf eine Art großen Steinwall, vom Gletscher gebildet. Dahinter liegt in einer Senke die Laguna de los Tres. Hinter dem See steigt der Fels bis zum Himmel empor, unterbrochen lediglich von Gletschern. Ein toller Anblick. Leider ist es seit dem Sonnenaufgang, bei dem es eigentlich noch schön war, zunehmend zugezogen und so ist jetzt die Bergspitze des Fitz Roy in Wolken. Es ist auch leicht windig und generell dürfte die Lufttemperatur deutlich kühler sein, als im Tal. Ich ziehe mir alles an Gewand an, das ich mit habe und wir setzen uns zum Genießen und Essen auf einen netten Aussichtspunkt.

Die beeindruckende Kulisse und das Mörder-Ambiente wird lediglich getrübt durch den Gestank nach Urin. Ich döse weg und mache einen 10 Minuten Powernap. Wärmer wird mir dadurch aber leider auch nicht. Also beschlossen wir oben noch ein bisschen das Gebiet zu erkunden und machen noch ein paar Höhenmeter zum Abfluss des Sees um uns etwas aufzuwärmen. Hilft leider auch nicht nachhaltig. Plötzlich sagt Eva zu mir, dass das Tier vor uns kein Hund ist, sondern etwas anderes. Verdutzt schaue ich genauer und wir stellen fest, dass zwischen all den Leuten tatsächlich irgendein Fuchs-ähnliches Tier umherstreift und nach Nahrung sucht. Durchaus zutraulich bekommen wir so einen sogenannten Zorro aus nächster Nähe zu sehen.


Danach warten wir nochmals kurz vergeblich auf den Durchbruch der Sonne, doch vergebens. Wir beschließen abzusteigen. Schnell stellen wir fest, dass der Abstieg aufgrund der vielen Menschen, von denen viele wohl weder trittsicher noch wirklich sportlich sind, etwas mühsam ist. Ich breche leider obendrein auch noch einen meiner Carbonwanderstecken bzw. Ski-Touren Stecken ab. Irgendwie schummeln wir uns aber doch vorbei an den Menschen und erreichen wieder die Ebene. Immerhin ist uns nun aber wieder warm. Eva ist sehr wehmütig, dass wir keine Sonne oben hatten und ich die kalte Temperatur nicht lange genug aushielt um abzuwarten, ob vielleicht doch die Wolken weichen. Wir wandern zurück und eine Stunde später ist es tatsächlich weitgehend blau und der Gipfel wieder sichtbar.

Wir machen nochmals Pause auf einem der ersten Aussichtspunkte, ehe Eva auch genug hat und wir dann zurück nach El Chaltén absteigen. Dort kommen wir irgendwann nach 15:00 an, waren also mehr als 9 Stunden unterwegs inklusive aller Pausen.


Wir sind dankbar über das Glück des Sonnenaufgangs und der sensationellen Stimmung bei Prachtwetter. In Summe eine äußerst lohnenswerte Wanderung aufgrund der Panoramen und somit ein sehr lohnender Tag für uns. Klaus und Lisi sind etwas später gestartet und haben die gleiche Wanderung gemacht, haben allerdings den Schlussanstieg zu den Seen weggelassen und haben beim Campingplatz umgedreht, was aber wohl immer noch knappe 20 Kilometer und etwa 500 Höhenmeter sind. Eva und ich sind auf 24,1km und 1047 Höhenmeter gekommen.
Ein Kommentar zu “Tag 15 – Monte Fitz Roy”
Faszinierend! Ein traumhaftes Panorama!