Um 05:00 klingelt der Wecker. Es gibt kaum Murren, es wird gefrühstückt und eingepackt. Es ist noch stockdunkel, leider jedoch auch durchaus bewölkt. Bis wir dann abmarschbereit sind ist es 06:20, immer noch nicht schlecht. Unser heutiges Ziel ist der Wanderweg zum Fuße des Cerro Torre. Einer der berüchtigsten Kletterberge Patagoniens bzw. der Welt. Wir wandern zu 4. direkt von der Unterkunft los. Der Wanderweg beginnt im Westen der Stadt. Der volle Mond leuchtet uns jedoch nicht wie erwartet den Weg, zu dicht ist die Wolkendecke.




Doch es ist schon leicht dämmrig und der Weg anfänglich eigentlich nicht steinig. Ich habe mir vor dem Urlaub noch extra einen größeren Rucksack gekauft um mehr tragen zu können und so bin ich nun froh eine Herausforderung zu haben in Form von einigen Kilo auf dem Rücken. Klaus muss keinen Rucksack tragen und ich hab gerne einen Großteil des Essens, Wasser, Kameraausrüstung, Gewand und Drohne übernommen. Wir marschieren in ein Tal hinein, mit ein paar wenigen Höhenmetern. Wir durchschreiten Flusstäler, kleine Wälder aus Südbuchen, große Wälder aus Südbuchen, Steppe, Fels und Stein. Die Südbuchen sind ähnlich wie unsere heimischen Buchen, doch wachsen sie hier aufgrund der Wind, Wetter und Höheneinflüsse wesentlich atemberaubender. Sie sehen fast alle aus wie uralte Bonsais, echt bezaubernd.


Wir kommen zu einem Aussichtspunkt, von dem wir das Tal ein wenig überblicken und sehen die weiteren 8 Kilometer Weg vor uns liegen. Es tröpfelt zeitweise und die Wolkendecke ist so dicht, sodass wir sehr wenig Hoffnung haben. Trotzdem wandern wir weiter und genießen die Natur. Als dann die Sonne tatsächlich hinter unseren Rücken aufgeht, wird es auch angenehm hell. Die Temperatur ist so warm, dass ich von Anfang an mit kurzer Hose und T-Shirt gegangen bin (zwar als einziger, aber immerhin). Die Stunden und Kilometer vergehen, wir passieren ein Camp aus fix aufgebauten Zelten im Wald und steigen auf den natürlichen Steinwall des Lago Torre hinauf. Dieser wurde vom Gletscher geformt und begrenzt den darin eingebetteten See aus Gletscherschmelzwasser. Darin treibt sogar eine Eisscholle und am anderen Ende des Sees steigt ein großer Gletscher steil bis zu den Gipfeln empor. Rechts davon sieht man zumindest die Basis des Cerro Torre und die seiner Kollegen: Cerro Egger und Cerro Standhardt. (Kein Witz!)

Wir passieren Geröllfelder auf der rechten Seite des Sees und erreichen bald das Ende des Weges, den Mirador Maestri. Benannt nach einem Bergsteiger, dem die Besteigung des Cerro Torre nie anerkannt wurde und er als Lügner abgestempelt worden ist. Wir machen Pause, essen Linsen-Süßkartoffelcurry mit Reis (Eva hat wieder einmal toll vorgekocht) und genießen den Ausblick. Bis hierher haben wir 4:39h gebraucht. Es waren 12,8km und 600 Höhenmeter.


Ich fliege eine Runde mit der Drohne und wir machen Fotos und Videos. Es dauert gar nicht so lange, da sehen wir auf einmal einen Sonnenfleck auf der Steilwand des Cerro Torre und stellen fest, dass es aus dem Nachbartal heraus anfängt aufzureißen. Zu unserer großen Überraschung geht es wirklich schnell, dass die Kraft der Sonne dann alles ausputzt. Anfänglich sind übrigens auch noch kaum Leute unterwegs. Lediglich eine etwas größere Gruppe Schweizer ist mittlerweile auch am Aussichtspunkt angekommen und 2,3 andere Personen. Fasziniert starren wir alle auf das Bergmassiv und beobachten, wie es die Wolken immer weiter verbläst. Kaum vorstellbar da hinauf zu klettern.



Wir saugen das Panorama in uns auf, denn auch der Gletscher erstrahlt nun blauer, als zuvor. Nach einer guten Stunde Rast geht es wieder heimwärts. Die Pause hat unseren Füßen auf jeden Fall gut getan. Am Weg zurück nehmen wir noch einen kleinen Umweg bzw. alternative Route beim See und wandern entlang des Flusses, der aus dem See abfließt und das Tal geformt hat. Wir hatschen ewige Distanzen mit kaum Höhenmetern. Durchqueren sämtliche Gebiete wieder, die wir schon zuvor durchwandert sind. Nun aber bei äußerst sommerlichen Temperaturen und einer durchaus starken Sonne. Der Boden ist größtenteils staubtrocken und sehr sandig. Stunden und Kilometer später kommen wir wieder zurück nach El Chaltén, wo wir einen schönen Überblick über den Ort haben. Viele Menschen leben hier in Vans, alten Bussen oder Zelten und bauen direkt daneben ihre Baracken auf, vermutlich um sie später zu vermieten. Es wirkt ein wenig wie ein Hippie-Ort. Erschöpft, aber glücklich kommen wir wieder in der Unterkunft an. Besser hätte es eigentlich fast nicht laufen können. Klaus hat sich für die Dauer und Distanz der Wanderung sehr tapfer geschlagen und Eva und ich sind auch äußerst positiv überrascht, dass wir alle mit so viel Begeisterung um 05:00 aufgestanden sind – vor allem, dass der Vorschlag dazu eigentlich von Lisi kam, die doch eher als Langschläferin bekannt ist. Wir waren inklusive Pausen mehr als 10,5h unterwegs. Etwa 23km und 660 Höhenmeter haben wir absolviert.
Nach einer äußerst erfrischenden Dusche relaxen wir noch in der Abendsonne in Hängematten, die es im Garten gibt. Mit der Unterkunft sind wir auch äußerst happy. Ich kannte mich selbst gar nicht so wählerisch, aber nach der letzten Unterkunft schätze ich es auf einmal extrem, dass alles appetitlich und sauber ist und man sich nicht vor allem und jeder Ecke ekeln muss.


Nachdem die Sonne weg ist, gehen Lisi und ich noch frisches Obst und Gemüse holen beim Supermarkt nebenan. Wir zahlen 26€ für gar nicht so wenig Obst und Gemüse. Hätten wir uns schlimmer vorgestellt. Am Abend gibt es eine gemeinsame Foto und Videosichtung indoor von der heutigen Ausbeute.
4 Antworten zu “Tag 13 – Cerro Torre”
Dankeschön ! Wieder sehr interessant- tolle Wanderleistung von euch allen…..Liebe Grüße aus der Heimat !
Ein Wahnsinn, was ihr gemeinsam schafft … und doch noch ein Riesenglück mit dem Wetter. Ich freu mich so für euch 😘
Ich schau in der Früh immer sofort auf den neuen Bericht. So berührend:)
Vielen Dank
Ihr seid schon wirkliche Glückskinder (alle 4 😉) mit eurem Wetterglück.
Ich freue mich auch jeden Tag auf euren Bericht, um dann zu staunen oder mich köstlich zu amüsieren 😅