Nachdem wir es gestern nicht ganz zeitig ins Bett geschafft haben, stellten wir den Wecker für heute erst für 07:00. In der Nacht kühlt es ordentlich ab, es hat draußen nur 4°. Im nicht isolierten Haus hat es gefühlt auch nicht viel mehr gehabt in der Nacht und die Decke war ziemlich dünn. Heute Nacht werden wir uns wohl vergewissern, dass die Heizung an ist. So war das nicht sehr erholsam. Aber immerhin erwachen wir mit tollem Ausblick und schöner Morgenstimmung und Sonnenstrahlen.

Nach dem Frühstück lassen wir unsere Geldsorgen vorerst zurück und fahren mit dem Auto etwa eine Stunde Richtung Westen zur vermeintlichen Hauptattraktion dieses Landes, dem Perito Moreno Gletscher. Eva hat uns gestern Abend schon online die Tickets gekauft, da wir uns nicht sicher waren wie und mit welcher Währung das vor Ort zu zahlen gegangen wäre. Wir haben immer noch keine Argentinischen Pesos und auch wenig Aussicht darauf. Also geht für uns nur Kartenzahlung oder bare Euro. Wir fahren entlang des Lago Argentino, dem größten See von Argentinien. Dieser ist mit 1.466 km² etwa 3x so groß wie der Bodensee. Daneben sind wieder schier endlose Weiten, die wir durchqueren, mit den Bergen am Horizont.

Wir befinden uns auf lediglich 200m Seehöhe, doch auf den Bergen ringsum ist wohl in ~800 Höhenmetern bereits frischer Schnee. Nach etwa 40 km erreichen wir einen Berg, um welchen herum sich die Straße schlängelt und wo auch der Eingang zum Nationalpark ist, an dem wir unsere Tickets zeigen müssen. Dann fahren wir im Konvoi mit einigen großen Bussen zum Parkplatz. Zwischendurch kann man schon die ersten Blicke erhaschen. Die Dimensionen sind gewaltig und definitiv mehr, als man sich von den Fotos vorgestellt hat. Wir erreichen einen Parkplatz, von dem aus wir einen Rundgang starten, der uns über metallene Stege führt, welche entlang bzw. um die Flanke des Hügels führen. Direkt vor uns bäumt sich die Wand des Gletschers auf. In der Mitte bis 70 Meter hoch, seitlich um die 50m. Davor schwimmen einige Eisberge. Auch ein paar größere Eisberge hat es abgetrieben und sie sind fernab vom Gletscher im Wasser. Wir wandern die Boardwalks entlang und erleben die gigantische Gletscherzunge aus allen möglichen Winkeln. Aber ein paar Bilder sagen mehr als tausend Worte:


Der Gletscher wird einige Kilometer in der Ferne gespeist von 3 einzelnen Gletschern bzw. Tälern. Die Menschenmassen, die wir erwartet haben verteilen sich eigentlich recht gut, bzw. konzentrieren sich auch auf wenige Plattformen. Immer wieder peitscht ein kalter Wind über uns, es ist schon eher frisch. Der Gletscher arbeitet die ganze Zeit, man hört fast immer aus irgendeiner Richtung ein mahlendes bzw. knackendes Geräusch. Immer wieder fallen kleine Stücke ins Wasser und man hört diese mit einem Echo im Wasser aufprallen. Auch eine größere Wand löst sich irgendwann und erzeugt nicht unwesentliche Wellen und entsprechende Akustik.




Wir wandern etwa 2-3 Stunden herum, ehe wir zum Auto zurückkehren und uns eine kleine Jause genehmigen. Dann geht es wieder zurück nach El Calafate. Die Müdigkeit in den Knochen von all den kurzen und – meistens aufgrund der Kälte – nicht erholsamen Nächten sind die langen Asphaltpisten auch keine Wohltat. Der Vorsatz heute früher schlafen zu gehen und morgen auszuschlafen steht auf jeden Fall. Zurück in El Calafate angekommen setzen wir Klaus in unserer Unterkunft ab und fahren danach in die Stadt um unsere Suche nach argentinischen Pesos fortzusetzen. Noch wissen wir nicht, wie wir die Unterkunft bezahlen sollten. Am Weg nehmen wir noch einen Hitchhiker mit, welcher uns bestätigt, dass es sehr schwer ist an Geld zu kommen. Er hat auch zwei Anläufe bei Western Union gebraucht, ehe er 180 000 Pesos bekommen hat (etwa 180€). Wir fahren zur Post, dort kann man angeblich etwas tauschen. Ich fahre bei der Parkplatzsuche glatt wieder einmal gegen eine Einbahn, denn diese sind nur direkt an der Kreuzung mit kleinen Richtungspfeilen direkt unter den Straßennamen gekennzeichnet. Eine ältere Argentinierin eilt gleich herbei und versucht mir das zu vermitteln, was ich bereits selbst schon realisiert habe. Wir drehen um und parken um die Ecke. Bei der Post ruft uns der Beamte schon zu, dass sie nichts mehr haben, als wir uns in die Warteschlange stellen wollen. Danach gehen wir gleich um die Ecke zu dem Technik-Shop, in dem wir am Vortag unsere Sim Karte gekauft haben. Denn die gekaufte Aufladung für 25GB Internet ist auf der Sim Karte nicht aktiviert. Es stellt sich heraus, dass die Nummer der Sim Karte nicht mit der Nummer der Verpackung übereinstimmt und deswegen die Verkäuferin wohl das Paket für eine andere Nummer aktiviert hat. Nach etwas Telefonieren können sie dies aber korrigieren und die Sim Karte funktioniert nun so, wie sie sollte. Wenigstens ein Erfolg. Danach fahren wir zu einer Außenstelle von der Western Union Bank. Doch dort gibt es, wie wir erwartet haben, auch kein Bargeld mehr. Erst wieder am Montag – blöd, dass heute Freitag ist.

Am Weg zurück finden wir zufällig einen großen Supermarkt, wo wir auch noch unsere Lebensmittelvorräte für erstaunliche 100€+ aufstocken können. Einkaufen ist etwas mühsam, denn es gibt zwar viel Auswahl aber zugleich irgendwie auch doch nicht wirklich viel Auswahl (Falls das irgendwie Sinn macht…). Zumindest alle Güter für den Grundbedarf finden wir aber immerhin. Zurück in der Unterkunft bei Klaus machen wir einen leckeren Salat mit Gemüselaibchen. Eva kommuniziert mit dem Vermieter bzw. dessen Schergen und dieser offeriert uns einen Geldtausch von 1000€ in einem Geschäft in der Stadt für den morgigen Tag. Wir verbringen einen beträchtlichen Teil des Abends auch damit die Waschmaschine zu verstehen, denn sie rattert eigentlich nur recht laut und ist nach ein paar Minuten komplett tot. Auf Hinweis des Vermieters erfahren wir dann, dass ein langer Tastendruck das Problem beheben sollte. Ich gehe noch zum Vollmondaufgang um 21:00 kurz an den Strand zu ein paar Pferden um ein paar Fotos davon zu schießen.


Eine Antwort zu “Tag 10 – Perito Moreno”
Da kann man wohl sagen ,, wer eine Reise macht – hat viel zu erzählen “ ,aber all das Erlebte macht ,,stärker “ …..auf jeden Fall, der Gletscher ist total beeindruckend und schön…..bleibt nur gesund und genießt die schönen Momente .Grüße aus der Heimat…