Tag 6 – Regenstimmung


Wie gestern schon in der Vorhersage angekündigt ist das Wetter heute tatsächlich schlecht. Wir wachen um 06:30 auf, doch der Blick nach draußen lässt uns den Tag doch gemütlich beginnen und wir maximieren die Zeit in der Hütte bis zur spätesten Check-Out Zeit um 10:00. Das Pferd hinter unserer Hütte hat sich in der Nacht wohl doch noch um 3 Meter weiterbewegt, nur um dort dann zu sterben. Regungslos liegt es da, vom Regen bereits durchnässt, aber zumindest erlöst.

Die Natur hat keine Gnade

Beim Fenster raus sehen wir heute die Torres del Paine nicht, die Wolken/Nebel/Regenfront ist zu dicht. Wir verstopfen noch das Klo und laden im leichten Regen unser Zeug ins Auto. Los geht es, circa 500 Meter auf die andere Seite von Villa Serrano, wo wir bei den Cabañas Tyndall (= Hütten Tyndall) stoppen und fragen, ob wir eventuell schon frühzeitig einchecken können. Wir finden eine äußerst nette Angestellte oder vielleicht sogar die Chefin und haben Glück. Unsere Hütte war diese Nacht frei und so können wir sie bereits beziehen. Mit einem Leiterwagen bringen wir unsere Koffer zur Hütte und ziehen in die durchaus geräumige und vor allem sehr helle Unterkunft ein. Der Regen hat sich mittlerweile wirklich zu einem Dauerregen entwickelt, aber immerhin ist es windstill und wir haben einen guten Blick nach draußen und freuen uns auch mal über etwas Zeit und Ruhe. Klaus ist auch etwas angeschlagen von den letzten Tagen, also passt das sehr gut. Strom gibt es zwischen 12:00 und 15:00 keinen.

Unser Regendomizil

Nach den leckeren Tortillas mit einheimischen Avocados gönnen wir uns ein Napserl. Als am Nachmittag dann das Wetter beginnt etwas aufzulockern und der Regen nachlässt, beschließen wir kurzerhand doch noch schnell in den Nationalpark zu fahren und den Aussichtspunkt vom Vortag nochmals besteigen bzw. tatsächlich auf den Gipfel hinauf zu gehen. Klaus bleibt inzwischen in der Unterkunft und ruht weiterhin und bemüht sich schnell wieder zu gesunden. Wir merken schnell, dass das die richtige Entscheidung war, denn, obwohl noch Wolken umherziehen, blitzt sogar vereinzelt irgendwo die Sonne durch.

Beste Rally Strecke

In Rally Manier fliegen wir über die Schotterpisten, sind in etwa 20 Minuten am Parkplatz und steigen in etwa weiteren 20 Minuten flink den Berg hinauf. Gleichzeitig erproben wir unsere neuen hohen, und gleichzeitig trotzdem leichten Wanderschuhe, die wir uns extra für den Trip noch besorgt hatten. Der Wind ist wieder vorhanden, wenngleich aber schwächer als gestern. Man muss keine Angst mehr haben davonzufliegen. Beim Durchqueren der Scharte pfeift es zwar wohl auch wieder mit ~80 km/h, doch man wird diesmal nicht einfach verblasen. Uns begegnen auch ein paar andere Leute, als wir auf den Gipfel weiter hinauf steigen. Wir machen einiges an Fotos und Videos, ehe wir uns in den Windschatten eines Steinblockes setzen und dort wohl für 1 oder vielleicht sogar 2 Stunden verbringen und die Landschaft beobachten. Wir haben Hoffnung, dass die Sonne doch auch noch zur Gänze durchbrechen kann, doch unsere Wünsche gehen nicht ganz in Erfüllung. Als sie gegen 20:30 dann untergeht steigen wir wieder ab. Der Platz und die Umgebung haben aber so was magisches, dass wir überglücklich sind, das erleben zu dürfen. Man kann das gar nicht auf Bildern rüberbringen, aber die Farbspiele zwischen dem steppenartigen, trockenen Gras, diversen Bodengewächsen, den Seen, dem Himmel und den Granittürmen ist einfach absolut genial. Kombiniert mit dem starken Wind fühlt man sich einfach den Urkräften dieses Planeten, auf dem wir doch nur eigentlich kleinste und kurzweilige Wesen sind, ausgesetzt.

Super happy mit unserer Entscheidung und der doch überraschenden Wende des Tages steigen wir wieder ins Auto ein und düsen zurück zu unserem Quartier und zu Klaus. Dort essen wir gemeinsam noch die letzten Tortillas zu Abend und stellen fest, dass unsere Unterkunft sogar eine Fußbodenheizung hat. Nachdem der Thermostat auf 30° gestellt war, ist es entsprechend warm. Lediglich das Leitungswasser ist beinahe untrinkbar. Gruß an meine heiklen Freunde, ihr würdet euch hier „brettleben anspeiben“. Es schmeckt wie ein Schluck direkt aus dem frisch chlorierten Pool und im Abgang zieht es einem sämtliche Geschmacksknospen zusammen, weil es komisch bitter ist. Ich schaffe es kaum zu trinken. Zum in der Ferne wahrnehmbaren Surren einiger Stromgeneratoren schlafen wir ein.

,

2 Antworten zu “Tag 6 – Regenstimmung”

  1. Am Ende des Tages zufrieden zu sein, ist wahrlich schön – genießt es weiterhin. Tolle Bilder lassen erahnen, wie interessant und außergewöhnlich alles ist ….eben das andere Ende des Planeten .Liebe Grüße aus Thal

Schreibe einen Kommentar zu Magdalena Hulak Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert