Tag 4 – Puerto Natales


Gestern am Abend beziehungsweise in der Nacht kamen noch andere Gäste in das hellhörige Hotel. In der Früh wachen wir zu nicht sehr gesund klingenden Würgegeräuschen auf. Auch beim Frühstück sind wir heute nicht mehr alleine. Statt dem Gastgeber Klaus bewirtschaftet uns heute eine kleine, rundliche Frau. Diesmal sind wir schon besser ausgestattet und bringen unser eigenes Müsli mit Hafer- und Sojamilch, etwas Obst, Nüsse und mehr Käse um das Frühstück etwas aufzupeppen und gesünder werden zu lassen. Nach dem Frühstück im schönen Wintergarten mit Meerblick packen wir unsere Sachen im Zimmer und checken aus. Wir verwerfen unser ursprüngliches Vorhaben über einen wenig reizvollen Nationalpark in der Wüste im Osten zu fahren, da der Umweg zu groß wäre und starten den Roadtrip Richtung Puerto Natales. Bei durchaus schönen Licht- und Wetterverhältnissen durchqueren wir ewige Ebenen mit nur sehr wenig Vegetation und vereinzelten Seen bzw. flachen Tümpeln. Am Straßenrand gibt es keinen Meter Land, welcher nicht eingezäunt ist und hinter den Zäunen tummeln sich jede Menge Schafsherden, durchmischt mit großen Laufvögeln, namens „Nandu“.  Zwischenzeitlich erblicken wir auch Guanakos, welche quasi wie Lamas aussehen und berüchtigt für ihre Dummheit und damit einhergehenden Wildunfällen sind. Auch der Autovermieter hat uns davor gewarnt.

Abwechslungsreich
kein Emu

Die wenigen Bäume, die man erblickt stehen meist nur in kleinen Senken oder in etwas windgeschützterem Gelände. Die Weite der Ebene kombiniert mit dem starken Wind, der fast immer bläst lässt keine hohe Vegetation zu. Die paar Bäume, die es gibt, sind extrem knorrig, vom Wind in eine Richtung gedrückt und oft auch mehr tot als lebendig. Je weiter wir in den Norden kommen umso mehr schaffen es die Bäume doch zumindest ein paar wenige Meter groß zu werden, auch weil das Gelände weniger flach wird. Bauernhöfe sieht man nur alle paar Kilometer, größtenteils ist wirklich nichts. In einer kleinen Ansiedelung stoppen wir bei einer durchaus gut besuchten Holzhütte, wo Kaffee serviert wird. Wir genießen kurz die Sonne und einen Kaffee im Windschatten.

Irgendwo im Nirgendwo

Danach geht es wieder mit 100km/h über die Betonpiste, dem Horizont entgegen. Das Navi sagt uns, dass wir in 230km den Kreisverkehr an der zweiten Ausfahrt verlassen sollen. Ich hoffe wir verpassen ihn nicht. Viele Kilometer später fahren wir dann in Regenwolken und es peitscht uns das Wasser auf die Scheibe. Es dauert aber nicht lange, da sind wir wieder im Trockenen. Es gibt auch überraschend viele Radfahrer mit Reisegepäck. Alle schauen sehr wettergegerbt und aussteigerisch aus. Ich glaube es gehört auch schon ein ordentlicher Grad an Verrücktheit hinzu diese Weiten bei dem Wind und Wetter mit dem Rad durchfahren zu wollen. Hut ab. Selbst für uns im SUV waren die ~250 km schon eine ermüdende Fahrt. Zuletzt geht es etwas bergab, entlang der argentinischen Grenze nach Puerto Natales. Wir sehen die Stadt schon in der Ferne am Fjord gelegen. Die Farben und klare Luft sind beeindruckend. Der Wind peitscht über das Meer. Die rohen Kräfte der Elemente und die Magie dieses Gebietes ist irgendwie kaum zu beschreiben. In dem Ort, welcher wieder aus Einbahnstraßen mit in Rechtecken angeordneten Wellblechhütten besteht fahren wir zu dem „Hotel“, das wir am Vortag reserviert haben. Wir beziehen eine durchaus praktikabel aber simpel eingerichtete Baracke und starten nach einer kurzen Salat & Spaghetti Stärkung eine Erkundungstour zu Fuß zum Meer hinunter.

Unsere Baracke

Wir passieren die zum Teil lieblich hergerichteten Hütten und erreichen einen Hafen, wo wir die wirkliche Kraft des Windes erst zu spüren bekommen. Eigentlich wären es ideale Kite-Surf Bedingungen, doch wir haben noch niemanden mit Schirm gesehen. Wir versprechen uns jedoch beim nächsten Mal mit Kite-Gepäck herzureisen. Ich starte die Drohne um zu sehen, wie sie den windigen Bedingungen mit wohl fast 40km/h Böen trotzen kann und unternehme vorsichtig einen Rundflug über den Hafen und die Stadt. Alles geht gut und es gelingen ein paar schöne Fotos und Videos.

Doppelte Flugaufsicht
Die Berge rufen uns schon
Grau in grau

Danach spazieren wir am Meer entlang Richtung Norden, vorbei an den Anlegestellen der Fähren, ehe wir uns wieder landeinwärts orientieren und bergauf durch das Stadtzentrum zu unserem Quartier zurück gehen. Es gibt unzählige Cafés, Restaurants, Unterkünfte und Shops. Am Weg wechseln wir 400€ in 380 000 chilenische Pesos (R$). Zurück in der Unterkunft planen wir noch die nächsten Tage, buchen uns Unterkünfte für den Nationalpark Torres del Paines und erstellen einen Essensplan inkl. Einkaufsliste. Eva und ich fahren dann noch mit dem Auto zum größten Supermarkt der Stadt und stürzen uns in die Massen. Die Versorgung im Nationalpark wird quasi nicht vorhanden sein, es gibt angeblich nur wenige, sehr teure Restaurants. Daher kaufen wir gleich Vorräte für ein paar Tage. Die Schlangen an der Kassa sind ewig und es geht nichts weiter. Irgendwie gibt es wohl ein Problem bei der Bezahlung. Wir wechseln auf eine andere Kassa, die nur Kartenzahlung hat, wo idealerweise nur eine Frau vor uns ist. Etwas verunsichert fragt Eva, die Sache hat wohl keinen Haken und wir entkommen dann doch überraschend schnell dem Supermarkt. Bei der Ausfahrt aus dem Parkplatz fahre ich zur Kreuzung direkt daneben und verstehe nicht, wieso ich keine Ampel habe, alle anderen Seiten aber schon. Dann dämmert es mir. Ich bin wohl gegen die Einbahn gefahren. Fast jede Straße hier ist Einbahn und ich habe wohl bei der Ausfahrt irgendwo ein Schild übersehen. Schon brausen die ersten Autos entgegen und fahren rechts und links von uns vorbei. Ich komme mir natürlich äußerst dumm vor und wende schnell. Das Fahren ist in den Ortschaften zum Teil wirklich anstrengend mit all den Stop, Vorrang geben und Einbahnregelungen. Wir stoppen noch bei der nächsten Tankstelle und füllen unseren halb-vollen Tank auf. Denn morgen wird es in den berühmten Torres del Paine Nationalpark gehen. Wir rechnen damit, dass uns das Benzin ausgehen wird und wir nochmals zurück fahren müssen, bevor wir dann tatsächlich weiterreisen können. Zu groß sind die Distanzen bis zur nächsten Tankstelle und unser Auto kommt nicht viel über 500km. Auch kann es sein, dass wir keinerlei Empfang und Internet haben werden. Unter Umständen kommen die nächsten Blogeinträge und Kontaktmöglichkeiten erst gegen 23. Februar wieder.

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3 Antworten zu “Tag 4 – Puerto Natales”

  1. Gratulation zu euren ersten Berichten der Reise – man fühlt sich wirklich fast, als wäre man dabei. Und zu lachen gibt es auch immer wieder etwas, insbesondere bei den Beschreibungen der Fotos 😅

  2. Hallo ihr Lieben ,langsam wird auch mir bewußt ,wohin es euch ,,verschlagen“ hat ….und was ihr noch alles erleben werdet..Alles Gute weiterhin….

  3. Hab heute endlich alles nachgelesen, war die letzten Tage ein bisschen im Stress 😅 Klingt schon wieder nach toller und spannender Reise. Freu mich schon auf die nächsten Aufzeichnungen eurer Reise!! Alles Gute weiterhin und auch Klaus nachträglich alles Gute zum Geburtstag!!! Herzlichst Rosemarie

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