Tag 12 – Unverhofft


Mein Dornröschenschlaf dauert bis 07:00 – ich habe somit erstaunliche 10h geschlafen. Dafür fühle ich mich endlich wieder frisch und spritzig. Eva kocht in der Früh dankenswerterweise die Füllung für Tortillas, welche wir einpacken und mitnehmen. Wir starten dadurch aber etwa 30 min später als sonst zum Kite-Spot. Eigentlich war die Vorhersage für heute nicht sehr berauschend, doch wir waren scharf auf mehr Kite-Action und wollten es zumindest probiert haben. Als wir um 09:30 ankommen, ist niemand am Wasser, doch der Leichtwind ist vorhanden und so bauen wir gleich den großen Schirm auf und ich starte auf’s leere Meer hinaus.

gähnende Leere (wortwörtlich)

Der Wind reicht zum entspannt fahren und für ein paar Backrolls. Eva und ich wechseln uns mit dem 15er Schirm ab – bis auf ein kleines Windloch gegen Mittag geht es immer ausreichend. Am Nachmittag frischt der Wind sogar auf und die Bedingungen werden traumhaft. Das Wetter ist heute aber schlecht, die Sonne kommt kaum durch und so ist das wärmste tatsächlich das Wasser. Wir fahren durchgängig, am Nachmittag sogar zeitweise parallel: Eva mit 12er Schirm und ich mit dem 15er.

Mit uns am Spot sind ein paar Niederösterreicher. Einer davon, Raphael, ist ambitionierter Kiter, freiberuflicher Informatiker mit Mobile Home am Neusiedlersee. Er lässt Eva sein Surfboard probieren. Ohne davor jemals mit einem Surfboard gekitet zu sein, meistert sie das sofort und läuft auch sogar direkt Höhe damit. Etwas später dürfen wir auch jeweils eine Runde mit seinem Duotone Evo SLS 10m² drehen, mit welchem ich sogar ähnlich oder mehr Höhe fahren kann, als mit unserem 15er Juice. Begeistert von den neuen Materialien und dem dadurch erweiterten Windfenster des Kites bekommen wir Lust unsere mittlerweile in die Jahre gekommenen 9er und 12er Kites zu erneuern. Immerhin sind diese nun auch schon 8 Jahre alt und es hat sich definitiv was geändert in der Schirmentwicklung.

Irgendwann am Nachmittag bemerken wir eine schwarze Rauchfahne, die sich über den gesamten Horizont erstreckt. Draußen – nicht zu weit weg vom Ufer – steht eine relativ große Yacht im Vollbrand. Das Feuer brennt für 2-3 Stunden, ehe es einen letzten großen Feuerball gibt und etwa eine Minute später nichts mehr zu sehen war. Vermutlich hat es den Tank erwischt und durch die Explosion ist das Boot wohl auch endgültig gesunken. Irgendjemand hat da heute ordentlich verloren, vor allem aber sicher auch das maritime Ökosystem, man kann nur hoffen, dass der meiste Diesel noch verbrannt ist und nicht im Meer gelandet ist. In dieser grotesken Szenerie drehen die Kiter in Strandnähe ihre Runden.

Freude und Leid auf einem Bild vereint

Als ich bei einem Sprung im knietiefen Wasser stürze, spüre ich einen Schmerz auf der Oberseite meines rechten Fußes. Als ich mich aufrichte und meinen Fuß aus dem Wasser hebe, sehe ich, dass eine „Oaschlochmuschel“ mit einem ihrer Zacken in meinem Fuß steckt (durch das Neopren der Schuhe durch). Etwas erleichtert, dass ich nicht mit meinem Gewicht draufgestiegen bin, sondern nur irgendwie drüber geschliffen bin und es meine Fuß-Oberseite ist, versuche ich sie mir rauszuziehen. Das ist aber gar nicht so leicht, da ich parallel auch den Schirm weiterhin lenken muss mit einer Hand, während ich auf einem Bein stehe. So fällt die Muschel leider auf den Boden und ich sehe sie nicht mehr. Ich hätte sie gerne als Andenken und Trophäe mitgenommen, da es tatsächlich die größte war, die ich jemals gesehen habe. (Zusätzlich hätte ich damit auch die Gefahr für andere Kiter vermindert).

Ich verwende heute wieder meine Uhr zum Tracken meiner Sprünge und lande den höchsten Sprung mit 4,5m. Dabei bin ich 5,2s in der Luft und lege 21m zurück. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit am Wasser sind 40 km/h. Ich übergebe meine Uhr an Eva für ihre letzte Session. Reini, Markus und ich beobachten sie von draußen und schätzen ihre Sprunghöhe. Tatsächlich gewinnt Markus, da er Eva’s beeindruckenden 3.1m punktgenau erraten hat.

Eva kommt als letzte aus dem Wasser

Eva fährt als letzte am Wasser bis kurz nach 18:00 (Sonnenuntergang), ehe wir zusammenpacken und uns noch an der Bar zusammensetzen mit den anderen Österreichern. Nach einem Bier für Reini und Markus und einer Karkade (Hibiskusblütentee) für Eva und einem Minzwasser für mich, fahren wir gemeinsam mit zwei Schweizer Pärchen mit dem KBC Taxi zurück nach El Gouna zu unserem Apartment. Mittlerweile tut leider mein Fuß ziemlich weh und fühlt sich an, als ob ich einen Wespenstich hätte, etwas neben der Stelle, wo die Muschel im Fuß gesteckt ist. Hoffentlich ist das morgen wieder besser. In Summe war heute aber ein genialer Kite-Tag mit super Bedingungen. Besser als die Vorhersage. Wir waren echt froh Kiten gegangen zu sein und kamen alle auf jede Menge Wasserzeit.

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Eine Antwort zu “Tag 12 – Unverhofft”

  1. Wir wünschen euch morgen Dienstag 🤔 noch einen letzten schönen Tag und dann eine gute Heimreise – freuen uns, euch wieder zu sehen 😀🇦🇹

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