Tag 36 – In den Mafate-Zirkus


Unser Wecker läutet um 5, doch nachdem wir am Abend so früh schlafen gegangen sind, wachen wir sogar schon etwas früher auf. Heute checken wir aus unserer Unterkunft, der Ti Kaz Lontan, wieder aus. Wir haben fast alles am Vortag schon gepackt, in der Früh müssen wir nur noch unsere Jause richten. Danach fahren wir ein paar Minuten die Straße weiter nach oben auf den Pass zwischen dem Cirque de Salazie und Mafate. Dort parken wir unser Auto mit unserem ganzen Reisegepäck und schultern unsere Rucksäcke. Wir gehen den “Sentier Scout”, einen der wenigen Wanderwege, über den man in den Mafate Cirque gelangt. Die Aussicht ist teils spektakulär und das beste Stück des Weges führt einige Meter entlang auf einem Grat. Sonst geht es zumeist bergab durch abwechslungsreiche Wälder. In Summe ist es aber weniger grün als im Cirque de Salazie und es gibt auch mehr Nadelbäume.

Sentier Scout

Nachdem wir schon etwas wandergesättigt sind und uns auch nichts mehr so richtig von den Socken haut, halten wir die heutige Route eher kurz. So geht es primär nur hinab in den Cirque und zu unserer Unterkunft für die heutige Nacht. Wir machen lediglich ein paar Panoramapausen und kehren für einen Kaffee am Weg ein. Die ursprünglich überlegte 9h Wanderung schenken wir uns. So erreichen wir um 14:00 schon unsere Hütte, doch die sehr freundliche Hausherrin meint, dass wir erst ab 15:00 einchecken können. Wir gehen ins Dorfzentrum von Aurère (besteht aus maximal 20 verstreuten Häusern) und legen uns auf dem Dorfplatz in den Schatten. Das Leben ist hier, nachdem es keine Straßen nach außen gibt, sehr aufs Wesentliche beschränkt. Die kleinen, einstöckigen Hütten sind nur aus Wellblech und Holz. Die Müllabfuhr kommt hier per Helikopter und Frischwasser gibt es aus den vielen Quellen ringsum. Die PVC Wasserleitungen sind oberflächlich durch Gestrüpp und manchmal einfach über Bäume verlegt.

Es gibt keinen Supermarkt, lediglich eine kleine Bäckerei, eine Schule und eine Kirche. Ein Restaurant bietet ein paar kleine Snacks an, hauptsächlich aber nur Bier und Wein. Gemüse stammt wohl aus dem eigenen Garten, vielleicht gibt es auch irgendwo einen kleinen Markt.

Während wir am Dorfplatz schlummern kommt einige Male ein Helikopter und bringt Baumaterial zu einer Hütte, die gerade neben uns entsteht. Ein schlampig zusammengeschweißtes Grundgerüst aus Alu-Formrohren.

Gegen 16:00 checken wir dann in unser Vierbettzimmer mit 2 Stockbetten ein und duschen uns. Danach schmökern wir in einem Buch, das verschiedene Dörfer im Mafate Cirque und deren Entwicklung zeigt bis 1989. Das Leben war wirklich sehr rudimentär.

Unser Stadtbezirk

Nachdem wir leider auf unser Abendessen bis 19:30 warten müssen, beschließen wir nochmals eine kleine Runde zu spazieren. Wir besteigen den kleinen Hausberg und haben noch ein paar Ausblicke. Allerdings hat es mittlerweile schon komplett zugezogen und die Sonne ist hinter den Bergen verschwunden.

Abendstimmung

Kurz nach 19:30 serviert uns unsere Gastgeberin stolz ihr gekochtes Essen. Es ist weitgehend gleich wie am Tag davor: Reis, Bohnen mit Sauce und angebratene Wurststücke, doch zusätzlich gibt es auch noch Krautsalat, scharfe Mango, Champignons und Chayoten-Spinat (scheinbar kann man die jungen Triebe als Spinat kochen). Als Nachspeise gibt es Bananenkuchen. Es war sehr gut und Tante Jo betonte auch, dass alles in kreolischer Art über dem Holzofen gekocht worden ist. Wir sitzen zu neunt beim Essen am Tisch und sie erzählt uns über ihr Leben: sie musste bereits mit 7 Jahren kochen, immer wieder bloßfüßig in die Städte wandern und hatte 11 Geschwister, wobei einige bereits draußen in den Städten arbeiteten. Sie ging nie in die Schule, glaubt aber von ihren Gästen alles Notwendige gelernt zu haben. Eva und ich sind die einzigen nicht-Franzosen, wobei ich der Einzige bin, der wirklich nichts versteht. 

Im Laufe des Abends kommen auch Jo’s Sohn und Bruder, welche zuvor in der Küche gearbeitet haben. Die beiden sind äußerst gut drauf, nachdem sie wohl irgendwelche Substanzen intus hatten und sorgen somit für Unterhaltung. 

Französin, Bruder, Sohn, Mutter, Eva (v.l.n.r.)

Wir haben heute tatsächlich schon wieder Glück – unser 4er Zimmer müssen wir mit niemanden teilen. 

Zum Einschlafen ein paar Impressionen aus der heutigen Flora:

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