Heute ist ein ganz besonderer Tag, auf den wir uns schon eine ganze Woche lang gefreut haben: Wir gehen heute mal ausnahmsweise mal nicht wandern. Aber das ist nicht das, was ich meine. Wir stehen um 05:00 auf mit kurzer Schlummerphase, nachdem die 1001ste Nacht auch etwas kurz war und sitzen dann um 06:15 im Auto. Unser Ziel ist auf der Westseite der Insel eine kleine Helibase von Corail Helicopters, wo wir für 08:00 einen Inselrundflug gebucht haben. Leider haben wir eine Stunde Anfahrt und unsere Unterkunftslocation war eigentlich nicht darauf ausgelegt. Doch so spontan, wie wir alles geplant haben, konnten wir uns den Flugtag nicht mehr so frei aussuchen. Aber sei’s drum, die Fahrt ist schnell vorüber und voller Vorfreude treffen wir am Heli-Flugfeld ein und beobachten bereits die vorige Partie bei Landung und Start.

Wir checken ein, werden dafür abgewogen und bekommen eine Sicherheitseinschulung. Das Wetter ist übrigens absolut perfekt. Wolkenfrei und die Sonne scheint. Wir haben absolutes Glück. Wir dürfen nichts mitnehmen, außer Kameras, auch den Griff der GoPro müssen wir abschrauben, keinerlei Selfiesticks sind erlaubt. Dann kommt auch schon unser Hubschrauber. Die vorigen Gäste steigen aus und wir dürfen einsteigen. Der Hubschrauber ist ein sehr moderner Airbus (früher Eurocopter) H130 mit vorne einem Piloten und einem Doppelsitz und hinten einer 4er Sitzbank, also 6 Passagiere und 1 Pilot in Summe. Wir wissen, dass die Sitzplätze nach Gewicht vergeben werden und haben daher anfänglich wenig Hoffnung auf einen Sitzplatz vorne gehabt. Doch unsere Konkurrenten, zwei ältere Ehepaare, sind alle entweder groß oder füllig und wir hätten alle auf etwa unser Gewicht geschätzt. Das Bodenpersonal liest die Einstiegsreihenfolge vor und tatsächlich kommen wir als erstes. Die Freude ist riesig, vor allem, als wir dann tatsächlich neben unserem vermutlich gleichaltrigen Piloten Platz nehmen. Erste Reihe fußfrei mit sensationellem Ausblick. Wir gurten uns an und jeder bekommt ein Headset worüber der Pilot mit uns sprechen kann. Dann startet auch schon unser Flug. Wir haben einen 55 minütigen Rundflug namens „Excellance“ gebucht, quasi das umfangreichste Programm, das es gibt. Kostenpunkt 350€ pro Person. Danke an dieser Stelle an Eva für das großartige Geschenk zu meinem 30er. Zu dem Zeitpunkt war uns noch nicht bewusst, dass wir den Flug in vermutlich der bestmöglichsten Umgebung überhaupt absolvieren werden.

Wir heben ab und fliegen von der sehr besiedelten Westküste hinein in den Cirque de Mafate, durchqueren diesen und fliegen weiter in den Salazie Cirque. Unter uns die gewaltige grüne Landschaft Réunions in der noch etwas morgendlichen Sonne, ein absoluter Traum. Im Anschluss fliegen wir in zwei enge Täler hinein an dessen Ende jeweils ringsum Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Viele Meter zwischen unseren Rotoren und den dicht bewachsenen Schluchtwänden sind definitiv nicht. Im Kessel schrauben wir uns mit einer anmutigen Pirouette nach oben und erlangen vollen 360° Rundumblick auf alle Wasserfälle. So stellt man sich das Paradies vor.


Dann fliegen wir über die östliche Flanke des Piton de Neiges, wo wir am Vortag noch gewandert sind. Unter uns die größte und bewachsenste Waldfläche, von der sämtliches Wasser in einem weiteren Tal unten zusammenkommt, wo auch damit Strom gewonnen wird. Auch diese Täler fliegen wir ab, unsere Sicht absolut imposant. Zuletzt fliegen wir eine große Runde um den Gipfel des Vulkans Piton de Fournaise, wo wir auch schon einige Tage zuvor schon zum Krater gewandert sind. Aber der Anblick aus der Luft bietet nochmals neue Dimensionen.


Nun ist unsere Inselrunde schon so gut wie beendet und es geht zurück zum Ausgangspunkt an die Westküste, wo wir noch eine letzte Schleife über dem Riff bzw. der Lagune am Strand ziehen. Diese sieht aus der Luft auch toll und mit schönem türkisem Farbverlauf aus. Wir landen und machen noch ein Erinnerungsfoto mit unserem Hubschrauber und dessen Piloten. Der Flug hat sich absolut ausgezahlt und es war auch toll, dass wir zuvor schon so viel auf der Insel erlebt haben und uns daher bereits gut auskannten. Nun konnten wir unsere Perspektive erweitern und unsere Wanderpfade auch aus der Luft nochmals erleben.

Immer noch überwältigt von dem Erlebnis beschließen wir uns den Strand, den wir gerade zuletzt aus der Luft gesehen haben, aus der Nähe anzusehen, da es nicht weit ist. Wir fahren dorthin und werden gleich daran erinnert, dass heute Sonntag ist. Gefühlt ist ganz Réunion am Strand (obwohl es erst 09:30 ist) und es wird schon überall gegrillt und Campingmöbel werden aufgebaut. Parkplätze gibt es keine mehr, es geht nur in 2. oder 3. Reihe und Eva bleibt kurz im Auto. Ich gehe schnell an den Strand und starte unsere Drohne und mache noch ein paar Aufnahmen aus der Luft.

Für den restlichen Tag machen wir eine Inselrundfahrt mit Fokus auf Stränden. Wir stellen auch fest, dass es zu Mittag auf Meeresniveau tropische 31° hat und es in der Sonne kaum auszuhalten ist. Bisher waren wir immer nur in den Bergen, wo es deutlich kühler ist. Im Kontrast zu den Minusgraden gestern irgendwie kaum zu glauben. Unser nächster Strand-Stop ist bei Saint-Pierre bei „The Tip of the Devil“, ein schwarzer Sandstrand, wo eine Lavagesteinszunge ins Meer geht. Dort essen wir im Schatten unser mitgebrachtes Mittagessen: Linseneintopf mit Kürbis und Süßkartoffeln und dazu Reis.

Dann wollen wir erneut zum „Grande Anse“, bei welchem wir auch schon bei schlechterem Wetter waren. Doch wir finden tatsächlich keinen Parkplatz und die schiere Menge an Leuten schreckt uns zu sehr ab. Die Einheimischen wissen ihre natürlichen Gegebenheiten sehr gut zu nutzen und sind wohl obendrein äußerst picknickfanatisch. Also fahren wir stattdessen weiter zum „Plage De La Marine Vincendo“. Dort sind zwar auch einige Leute, doch wir finden einen Parkplatz und auch ein ruhiges Plätzchen etwas abseits unter Schatten spendenden Bäumen. Das ist perfekt, es dauert nicht lange, da fallen mir schon die Augen zu und ich schlafe eine Stunde, zehrten die letzten Tage doch an mir. Eva liest in der Zwischenzeit.

Nach dieser angenehmen Erholung setzen wir aufgrund der voranschreitenden Stunde bald unsere Fahrt fort. Wir durchqueren den äußerst grünen Süden und allein die Umgebung um die Straße ist schon ein Genuss. Unser letzter Stop für heute liegt im Osten der Insel inmitten des erstarrten Lavastroms vom Ausbruch des Piton de Fournaise im Jahre 2007. Wir parken an der Straße und spazieren einen asphaltierten Weg hinunter zum Meer. Bald stellt sich jedoch heraus, dass es doch eine 20 minütige Wanderung ist, unter anderem über das Lavafeld. Unsere Flipflops sind natürlich alles andere als ideal, aber 150 Höhenmeter zum Auto zurück sind auch zu weit. Also durchschreiten wir das äußerst scharfe Lavagestein und kommen zum Wrack der Tresta Star. Ein mauritischer Öltanker, der im Februar während eines Zyklons an Land getrieben worden war und nun an der Küste liegt und die Behörden darauf warten, dass die Reederei die Kosten übernimmt für eine Beseitigung. Der Unfall passierte übrigens, als der Tanker zum Glück nicht beladen war und so bleiben gravierende Umweltfolgen zum Glück aus.


Am Weg zurück und auf der Weiterfahrt bestaunen wir die Lavafelder, welche oftmals von grünen Bergrücken eingerahmt sind. Bei Lavafeldern, die bereits von früheren Eruptionen stammen, fängt auch die Vegatation schon wieder an zu leben.

Nun haben wir noch etwa 30 Minuten Autofahrt zurück zur Unterkunft. Dort vollende ich endlich die letzten 3 Tage Tagebuch/Blog und sortiere die Fotos und verspeise dazu eine leckere Papaya, die wir heute endlich wieder an einem Straßenstand gefunden haben.

8 Antworten zu “Tag 33 – In die Lüfte & Gestrandet”
Ein Tag spannender als der andere!!! Ich kann mir die magischen Momente auch beim Lesen eurer tollen Berichte bildlich vorstellen! Traumhaft!
🥰🥰 Ja, können so viele Eindrücke auch schon bald nicht mehr verarbeiten 😅🤗 deswegen brauchen wir das Tagebuch auch, um uns in ein paar Monaten noch lebhaft an alles erinnern zu können 🤩
Da hattet ihr anstrengende Tage, aber es hat sich auf alle Fälle ausgezahlt. Bin von den Bildern und euren Erzählungen beeindruckt 😊
Der Heliflug in der ersten Reihe fußfrei ist ein absolutes Highlight. Freue mich mit euch 😍😘
Danke dir 🥰 Ja, jegliche Anstrengung ist mehr als belohnt worden und wenn man weiß wofür ist es ja bekanntlich gleich deutlich leichter 🥳
Danke für diese Berichte. Ich bin so begeistert und denke besonders gern an unsere Réunion Reise zurück.
Sowas macht man nur wenn man jung, frei und abenteuerlustig ist. Ich freue mich so sehr für euch, dass ihr das gemeinsam erleben könnt.
Das glaub ich euch, Réunion ist einfach Magie pur, daran werden wir wohl oft noch zurückdenken.
Haha, ja mit Familie würden wir wohl ein bisschen ein sanfteres Programm erstellen müssen 🤭 aber für uns zwei als nach drei Monaten perfekt eingespieltes Reisepaar passts perfekt 🤩
Habe selten so gute und spannende Reiseerzählungen bzw. Berichte gelesen ,wie ihr sie uns liefert – einfach nur spannend und grandios und dazu die großartigen Bilder von toller Qualität ! Ich freue mich so ,dass der Hubschrauberflug so ein schönes Erlebnis war und einfach alles mitgespielt hat…Es ist alles ein Wahnsinn- da hat euch heute Gustl Opa von oben begleitet – es war nämlich sein Geburtstag 🎂
Schön zu hören 🥰
Ja, da muss Luki’s Opa besonders darauf geschaut haben, dass wir bei dem Wetter so magische Erlebnisse haben durften – es war einfach perfekt 🫠