Tag 24 – Flugtag nach Reunion & Dos d’âne


Ich habe gestern nur erwähnt, dass unser Bett schmal ist. Aber das ist noch nicht alles. Es ist wohl auch nicht länger als 185 oder bestenfalls 190. Das heißt, sofern man nicht mit dem Kopf anstehen will, stehen die Füße unten raus. Immerhin ist es so trotz offenen Fenstern so heiß, dass das nicht wirklich stört. Wir schlafen auch nur mit einem dünnen Leintuch als Decke. Die Umstände machen die Nacht aber wieder etwas weniger erholsam, als es mir eigentlich lieb wäre. Um 05:00 wachen wir das erste Mal auf, entschließen uns aber noch dazu etwas weiter zu schlafen. Unser Flug nach Reunion wurde vor 2 Tagen umgebucht. Statt um 11:00 sind wir nun für den 13:00 Flug gebucht. Ich vermute, dass sie wegen zu geringer Auslastung den früheren Flug storniert haben. Also haben wir noch etwas Zeit in der Früh. Doch wir sind etwas zu bequem, in der Früh noch was zu Unternehmen unter Zeitdruck und so schlagen wir die Zeit noch im Quartier bis 11:00 tot. Reiserecherche, Ukraine Krieg, es gibt zum Glück genug. Eva badet noch lange Zeit im Pool, mir widerstrebt die nasse Badehose im Anschluss. Wir reizen in unseren beiden Koffern wieder das Maximalgewicht aus, was das Packen zu einer kleinen Wissenschaft macht. Um halb 11 starten wir dann Richtung Flughafen, welcher nur 15 Minuten entfernt ist. Am Weg vertanken wir unsere letzten Rupien inklusive aller Münzen, damit wir das Mietauto mit dem gleichen Tankstand zurückbringen können. Viel mehr als 3 Liter gehen sich damit aber eh nicht mehr aus. Muss reichen, mit einem Auge zugedrückt vom Vermieter.
Beim Flughafen angekommen sind wir etwas verloren und finden das Gate 14 nicht, doch das ist kein Problem – unser Vermieter, Azhar, kommt auch auf dem anderen Parkplatz zu uns und übernimmt das Auto. Wir zahlen auch den restlichen offenen Betrag, denn leider war unser internationaler Banktransfer nicht sehr erfolgreich. Die etwa 40€ Spesen haben wir aufgeteilt auf uns und den Empfänger – irgendwie haben wir nicht daran gedacht, dass er dann ja zu wenig Geld erhält. Also geben wir ihm das restliche Geld in BAR und lernen unsere Lektion.
Beim Check-in verläuft alles nach Plan, der eine Kilo zu viel bei meinem Koffer wird ignoriert. Wir boarden die überraschend moderne und große Maschine (Airbus A350-900) und schon gleich geht es los. Ein letzter Blick auf die blauen Lagunen vor der Südostküste Mauritius und die Ile aux Aigrettes, wo wir gestern waren.

Nach nur etwa 30 Minuten ruhigem Flug über’s Meer erreichen wir schon Reunion. Über der Insel hängen dichte Wolken und der erhoffte Blick auf die Berge blieb uns verwehrt.

Regenunion

Mit einer Schleife vorbei an der Hauptstadt, Saint Denis, landen wir. Am Horizont sieht man den beeindruckenden Highway, der auf der Nordostseite im Meer um die Insel herumführt. Nachdem die Küste dort eine einzige steile Felswand ist, wurde der bestehende Highway zu riskant für Steinschlag. Die Baustelle ist übrigens noch nicht abgeschlossen und die Gesamtkosten werden auf 2 Billionen Dollar geschätzt.

12.4km geht es auf Stelzen entlang der Steilküste

Wir schnappen uns ein Taxi vor dem Flughafen. Dieses wirkt sehr edel und er hat einen eingebauten Taxameter. Wir müssen nicht weit, lediglich 8 Minuten Autofahrt zu unserer Mietwagen-Firma. Er schätzt die Strecke auf 20€. Englisch geht übrigens nicht. Die Kommunikation funktioniert eher mit Händen und Füßen und auf dem Handy Sachen zeigen.
Besagte 8 Minuten später stehen wir am Firmengelände bzw. einem Parkplatz. Die Fahrt hat 25€ ausgemacht.
Zwei junge Burschen empfangen uns, sind jedoch etwas verwirrt über unseren Namen und Reservierung. Uns beschleicht ein ungutes Gefühl. Zum Glück kann sich Eva einigermaßen auf Französisch verständigen, denn nur einer der beiden kann Englisch und das auch sehr beschränkt. Es stellt sich heraus, dass wir am falschen Standpunkt der Vermietung sind. Unser Auto und unsere Reservierung ist am anderen Standpunkt. Wir haben uns blöderweise nicht die Adresse von der Reservierung ausgesucht als Ziel, sondern nur den Standort in der Nähe des Flughafens auf Google Maps gesehen. Nach einem Telefonat und etwas Schulterzucken bieten sie uns dann das Flughafen-Transfer-Package für 20€ im Nachhinein zu kaufen und dann würde er uns zum anderen Standort bringen. Das nehmen wir dankend an. Schade natürlich um die 25€, die wir fälschlicherweise für’s erste Taxi in den Wind gesetzt haben. Beim Buchen haben wir gedacht, dass wir unter 20€ mit dem Taxi die paar Kilometer fahren könnten. Es war für uns auch nicht erkenntlich, dass es aber hierfür Hin und Zurück den Service gibt. Also gut, irgendwie noch aus dem Schlamassel rausgekommen und auf dem Weg zum richtigen Standort. Dort wartet ein neuer Mitarbeiter auf uns in einem Container. Er ist äußerst freundlich (auf französisch) und bemüht. Wir erledigen den Papierkram, bekommen einen Kaffee und einen nagelneuen weißen Renault.
Los geht unser Roadtrip. Mein Hirn ist wieder etwas überfordert. In den 3 Wochen auf Mauritius habe ich mich wirklich schon a die Änderungen im Verkehr und Auto gewöhnt. Nun ist auf einmal der Blinker wieder links vom Lenkrad, der Fahrer auf der linken Seite und man fährt auf der rechten Spur. Abgesehen davon haben wir nun keine Automatik mehr, also muss ich kuppeln auf einmal auch wieder. Hui!
Wir fahren den besagten Küstenhighway Richtung Westen der Insel und fahren nach etwa 15 Minuten Fahrzeit von der Autobahn ab auf eine äußerst kurvige Bergstraße. Dennoch ist das gesamte Gebiet besiedelt. Dort geht es weit hinauf, ehe wir in einer Sackgasse landen. Wir parken das Auto und marschieren von dort einen Wanderweg los, zu einem der berühmtesten Aussichtspunkte auf Reunion. Leider zog der Nebel bzw. die Wolken direkt über uns und so sah man die meiste Zeit nicht in die Ferne. Der Weg geht den Bergrücken entlang, rechts geht es nahezu senkrecht geschätzte 1000 Meter hinunter. Links etwa 400 Meter. Trotzdem ist alles dicht bewachsen. Zwischendurch kann man den gewaltigen Ausblick durch kleine Nebellöcher erahnen.

Viel Hoffnung hatten wir nicht

Irgendwann ist dann der Nebel kurz weg und vor uns eröffnet sich das gesamte Panorama in den letzten Sonnenstrahlen des Abends. Wirklich beeindruckend! Wir sind begeistert – der Aufenthalt auf Reunion wird vermutlich ein Traum. Auch haben wir nicht damit gerechnet schon am ersten Tag sowas zu erleben.
Wir vollenden die Runde in etwa einer Stunde – in Summe etwa 350 Höhenmeter, ehe wir mit Beginn der Dunkelheit wieder beim Auto sind.

…. doch dann
Absolut Magisch
We’ll be back!

Nun gilt es die ganze Bergstraße wieder zurück hinunter zu fahren und noch etwas weiter bis zu unserer ersten Unterkunft. Im Ort angekommen kaufen wir noch für 90€ ein paar Lebensmittel ein im Super U. Wohlgemerkt, wirklich nur ein „paar“. Die Preise sind zum Teil gewaltig.
Dann erreichen wir die GPS Koordinaten unserer Unterkunft, doch da ist nicht wirklich was. Wir kontaktieren unseren Gastgeber und Eva’s Französisch gerät beim Telefonieren deutlich an seine Grenzen. Aber es stellt sich heraus, dass er bei der Einfahrt mit seinem Pickup-Truck gewartet hat. Die Koordinaten waren nur der Abholpunkt. Er fährt nun vor und wir hinterher über eine enge und schlechte Straße. Sein Auto wesentlich besser dafür geeignet. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir dann ein Haus mit Parkplatz, von wo aus er uns dann gemeinsam mit seiner Frau zu einer von drei Holzhütten führt. Diese sind sehr einfach, aber trotzdem liebevoll gemacht. Aber wir werden wohl bei Sonnenlicht morgen mehr sehen. Wir verstauen unser gesamtes Gepäck und ich sitze auf der Terrasse neben Mäusen/Ratten, Katzen und einem Granatapfelbaum direkt neben mir. Wir haben als Willkommensgeschenk auch frische Mangos bekommen. Ich glaube, sie haben hier einen Bauernhof. Ich bin schon gespannt auf das Tageslicht morgen.

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3 Antworten zu “Tag 24 – Flugtag nach Reunion & Dos d’âne”

  1. Hallo ihr Mutigen ! Das klingt ja schon wieder sehr spannend…..es scheint ,als gäbe es wieder neue Herausforderungen für euch…Alles Gute weiterhin !

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