Für heute haben wir um 08:30 unseren Werkstättentermin. Daher klingelt seit langem tatsächlich einmal wieder der Wecker in der Früh um 06:30. Es hat übrigens, wie fast jeden Tag, in der Nacht bzw. früh ein wenig geregnet. Wir frühstücken, werfen uns ins Fahrradoutfit und hinterlassen frisches Gewand und ein paar Kleinigkeiten für später auf unserem Stellplatz am Campingplatz. Wir bauen unsere Rennräder zusammen und lassen die Straßenräder vom Radträger auch am Campingplatz zurück. Eva fährt mit dem Rennrad zum Automondo (die Peugeot Werkstatt), während ich mein zusammengebautes Rennrad hinten drauf auf den Träger montiere und mit unserem Camper im Notmodus zur Werkstatt tuckere. Dort übernimmt der Mechaniker das Auto gleich und wir reden noch kurz mit Paolo, dem Werkstättenleiter. Es stellt sich heraus, dass er leider vom Firmentelefon aus keine österreichischen Nummern anrufen kann und so vereinbaren wir, dass wir vor der Mittagspause um 13:00 in der Werkstatt vorbeischauen werden, sollte das Auto schon fertig sein, oder sollte eine Abstimmung mit uns nötig sein. Um die Zeit zu überbrücken und nicht ungenutzt in der Werkstatt verstreichen zu lassen, habe ich uns eine Rennradtour nach Castelvetrano herausgesucht. Die etwas südlichere Gegend hier wirkt irgendwie etwas fruchtbarer und zumindest ein klein wenig gepflegter, da ringsum fast ausschließlich Olivenhaine und Weingärten sind. Es ist bewölkt und um die 20° und somit eigentlich ideal für unsere Tour. Wir durchfahren die Hafenstadt Mazara del Vallo. Es gibt stellenweise sogar Radwege.

Danach geht es neben der Autobahn ewig lang gerade aus. Wir fahren abwechselnd im Windschatten und kommen so ziemlich schnell vorwärts. Nach guten 30km haben wir dann schon fast etwas überascht bereits unser Ziel erreicht und fahren in das Stadtzentrum von Castelvetrano rein. Dort suchen wir vergeblich ein Café, bei dem man draußen sitzen könnte und so wird es lediglich ein schnelles Energie-Crossaint to go für 1.2€ für mich.



Voller Zucker werfe ich mich dann wieder in den Wind und wir machen einen Sprint Richtung Süden, ans Meer. Dort scheint es vor nicht all zu langer Zeit geregnet zu haben, denn die Straße ist noch nass. Das macht das Windschattenfahren für den hinteren eher unangenehm und so drosseln wir unser Tempo ein wenig und fahren die durchgängig bebaute Küste entlang. Bald kommen wir wieder nach Mazara del Vallo, wo wir feststellen, dass es dort definitiv schönere Pausenplätze am Meer gegeben hätte. Doch nachdem wir vor 13:00 in der Werkstatt sein müssen, haben wir leider keine Zeit für noch eine Pause und so heißt es zurück strampeln.


Der Stadtverkehr ist etwas mühsam, doch einige Minuten später sind wir bereits in der Zielgeraden. In der Werkstatt finden wir Paolo und den Mechaniker, die uns zu unserem Camper führen und uns ihre Arbeit zeigen. Das AGR Ventil war zu sehr versaut und nicht mehr zu retten. Sie haben bereits ein neues erhalten und eingebaut. Der störrische Ventilator soll auch ersetzt werden, hier bekommen sie aber den neuen erst gegen 15:00. Wir vereinbaren, dass wir das Auto um 18:00 abholen können, da sollte es auf jeden Fall fertig sein.

Wir sind schon ziemlich hungrig und beschließen daher etwa 10km zurück nach Mazara del Vallo zu fahren, um dort eines der Restaurants am Meer zu besuchen. Als wir am Radweg am Strand entlang fahren, stoppe ich bei einem Restaurant und will einen Blick auf die Karte werfen. Ein paar Sekunden später verräumt mich eine kurzzeitig unaufmerksame Eva weitgehend ungebremst von hinten und sie und unsere Rennräder liegen am Boden. Leute aus dem Restaurant eilen besorgt herbei, doch bei uns ist es wohl noch glimpflich ausgegangen. Eva hat ein paar kleinere Blessuren, ebenso unsere Räder, aber es gibt keine kritischen Schäden. Mit dem Schreck in den Knochen und den Kratzern auf den Rädern ist die Stimmung folglich danach sehr getrübt. Fast schon beschämt setzen wir unsere Fahrt fort und erreichen einige Minuten später die Promenade in Mazara del Vallo. Dort suchen wir uns eines der Restaurants, „Baby Luna“ aus und essen gemischten Salat, je eine Goldbrasse und zum Abschluss Zitronensorbet, Ravioli di Ricotta und Kaffee. Wir zahlen zu zweit 67,8€. Nachdem wir nun immer noch mehr als 3 Stunden Wartezeit vor uns haben, beschließen wir zum Campingplatz zurück zu fahren. Also nochmal mehr als 10km Radfahrt. Dort angekommen waschen wir nicht nur uns, sondern auch unsere Räder, nachdem diese durch die Nasse Fahrbahn ordentlich eingesaut waren. Wir legen uns kurz in die Wiese und rasten, doch all zu viel Zeit bleibt eigentlich gar nicht, da wir nochmals 7km zur Werkstätte radeln müssen.

Dort sind wir dann kurz vor 6, bezahlen 500€ + 50€ Trinkgeld und bekommen unseren Bus wieder. Alles wurde erledigt, kein Fehler mehr und unserer weiteren Reise steht nichts mehr im Wege. Wir können uns beinahe schön glücklich schätzen, dass uns das hier passiert ist, denn die Arbeitsstunde haben sie mit 38€ (vor Steuer) verrechnet. In Österreich kosten die Teile zwar auch gleich viel, doch die Arbeitsstunde wäre wohl eher schon um die 100€. Ich glaube zwar nicht, dass sie wirklich die angegebenen 6 Stunden gebraucht haben, aber was soll’s. Wir sind sehr froh, dass uns für solch eine Reparatur so schnell geholfen wurde und das neue AGR Ventil wohl jetzt wieder hoffentlich ein paar Jahre hält, bevor es wieder zu sehr verrußt ist. (AGR übrigens „Abgasrückführung“, ein Ventil, welches reguliert ob und wie viel der Abgase erneut ins Diesel-Luft-Gemisch gemengt werden und nochmal durch den Verbrennungsprozess laufen, um die Schadstoffemissionen zu reduzieren) Wir verladen unsere Rennräder und fahren noch zum Supermarkt nebenan, wo wir vor allem Obst und Gemüse wieder aufstocken und in Summe 128,59€ dort lassen. Ganz schön teurer Tag heute. Wir verpassen den Sonnenuntergang, doch wir sind nach den heutigen 123,44km und 497 Höhenmetern am Fahrrad sowieso zu hungrig und fahren lieber auf den Campingplatz um uns noch was zu kochen.


Eine Antwort zu “Tag 19 – Automondo”
Es ist ja unglaublich, was ihr alles ,, durchlebt “ ein wahrlich sehr ereignisreicher Urlaub ….Gott sei Dank ist euch bei dem crash nicht mehr passiert. Und so viele Radkilometer ist auch ein Wahnsinn- ich kann nur staunen ,was ihr alles schafft….