Wir stehen um 06:30 auf, denn heute wollen wir wieder einiges an Strecke zurücklegen. Wir genießen den Ausblick auf den im morgendlichen Rot strahlenden Cerro Castillo direkt von unserem Fenster vom Esstisch aus. Nach dem Frühstück, packen wir all unser Hab und Gut wieder ins Auto und setzen unsere Reise in Richtung Norden entlang bzw. durch die Anden fort. Wir durchqueren beeindruckende Täler und überfahren Pässe auf einem eigentlich sehr gut ausgebautem Stück der Ruta 7. Bald erreichen wir ausgedehntere Wiesenlandschaften, wo die Viehzucht entlang der Straßen zunimmt und ebenso auch die Bevölkerungsdichte maßgeblich steigt. Neben den Wiesenlandschaften ragen auch rundherum überall Berge empor. Natürlich gibt es dennoch immer wieder kurze Abschnitte, die wir auf Schotteruntergrund zurücklegen, doch in Summe ist die Straße in recht gutem Zustand.

Je weiter wir in den Norden kommen umso mehr verändert sich die Vegetation in eine feuchtere Umgebung mit grünerem und dichterem Bewuchs. Wir erreichen den Parque Nacional Queulat. Dort reicht der Wald bis steil in die Bergflanken hinauf und erinnert schon sehr an einen Regenwald. Es gibt riesige grüne Farne, wilde Fuchsien und viele kleine Wasserfälle. Wir stoppen an einem Parkplatz von dem aus man ein paar Meter in den Wald zu einem Wasserfall gehen kann und erblicken dort eine tolle Flora und Fauna. Es gibt Kolibris und äußerst zutrauliche Vögel, die am Boden herumhopsen, namens Chucao tapaculo. Wir werden in den Bann gezogen und verbringen einiges an Zeit.






Etwas weiter auf einer Passhöhe oben finden wir ein wunderschönes, grünes Tal mit Gletscherabbruch am Ende, kurz bevor die asphaltierte Straße aufhört und wir einmal mehr einige Kilometer auf Schotter, zum Teil mit ordentlichen Löchern, zurücklegen müssen. Uns kommen über die sehr enge und schlechte Straße trotzdem gewaltige Sattelschlepper mit Anhängern entgegen. Die Straße ist immerhin die einzige chilenische Nord-Süd-Verbindung, die Carretera Austral.


Nach dem Überfahren des Passes erreichen wir einige große und sehr weitläufige Seen.


Unsere heutige angestrebte Attraktion ist der Ventisquero Colgate, ein Gletscher, der über eine hohe, senkrechte Felswand hinabstürzt. Wir erreichen die Einfahrt zum Ausgangspunkt kurz nach 15:00 und stellen fest, dass der Zugang leider nur bis 14:30 möglich war. Blöd gelaufen. Etwas enttäuscht drehen wir um und setzen unsere Reise fort. Kurz darauf stoppen wir in Puerto Puyuhuapi direkt am Ufer eines Sees, bei dem ich später herausfinde, dass es eigentlich ein ewig langer Fjord des Meeres ist. Vergeblich suchen wir ein einladendes Café und finden stattdessen nur ein Restaurant direkt in einem Privathaus, wo es aber nur Löskaffee gibt. In Ermangelung einer besseren Alternative machen wir dort Pause. Wir buchen uns eine Unterkunft für die nächsten zwei Nächte in Futaleufú, wohin wir noch 3 Stunden Fahrt vor uns haben. Also setzen wir unsere Fahrt fort und haben somit wieder einen sehr ausgedehnten und langen Fahrt-Tag. Als Lisi von dem kurvigen Auf und Ab übel wird, machen wir noch einen kleinen Stop bei einer Brücke, wo Lisi auf Zikadenjagd geht.

Das Gebiet, das wir durchfahren, ähnelt nun eigentlich schon sehr österreichischen Breiten, was Berge, Flüsse, Seen und Pflanzen anbelangt. Für die letzte Stunde Fahrt verlassen wir die Ruta 7 und biegen auf eine Schotterstraße nach Futaleufú ab. Das kleine Dorf ist bekannt als Kajak-Gebiet. Entlang der Straße gibt es schon beinahe hunderte Rafting und Kajak-Anbieter und Unterkünfte. Das Dorf selbst besteht etwa aus einem 4×8 Raster aus Häuserblöcken und nach kurzer Suche finden wir unsere reservierte Hütte in einem Hinterhof. Wir werden von einer äußerst freundlichen Chilenin empfangen. Als wir unser Gepäck aus dem Auto ausladen, bemerken wir, dass unser rechter Vorderreifen kaum mehr Luft hat und tatsächlich hörbar Luft verliert. Ich wechsle kurzerhand auf den Ersatzreifen, welcher zum Glück ein vollwertiger Reifen ist. Bei all den Schlaglöchern und Schotterpisten war es eh verwunderlich, dass das nicht schon früher passiert ist. Eva schwärmt noch aus und reserviert uns für den morgigen Tag eine Rafting-Tour, da wir feststellen, dass uns (bzw. vor allem mir) das Gewässer für’s Kajak fahren wohl fast zu anspruchsvoll ist (einige Wildwasser IV und V Passagen) mit fremdem Equipment und ohne Einpaddeln.

Und als Zugabe noch ein kleines Schmankerl des heutigen Tages:
