Tag 15 – Zurück in Reykjavík


In der Früh schlafen wir in unserer Eckhaus-Wohnung aus – Stress haben wir heute keinen mehr. Unser Flug geht erst um 00:10 Uhr, das Mietauto müssen wir bis 21:00 Uhr zurückgeben. Wir packen unsere Koffer, räumen die temporäre Küche zusammen und verstauen alles im Auto. Das dauert seine Zeit, und so checken wir erst kurz vor 11:00 Uhr aus der Unterkunft aus. Unser Gepäck laden wir ins Auto, das wir einen Häuserblock weiter geparkt haben, und machen uns zu Fuß auf, um Reykjavík zu erkunden.

Klassische Häuser

Das Wetter ist heute für isländische Verhältnisse ausgesprochen gut: 16 Grad und zumeist Sonne. Unser erster Weg führt uns zur Hallgrímskirkja, die wir diesmal auch von innen besichtigen. Die Kirche ist groß, hoch, schlicht und architektonisch eher unspektakulär – beeindruckend ist allerdings die gewaltige Orgel.

Die berühmte und überlaufene Kirche

Anschließend spazieren wir in die Innenstadt. Eva und Mama stöbern in einigen Geschäften, wir schlendern durch eine Gasse der Fußgängerzone und machen eine kurze Kaffeepause in einem netten Café. Reykjavík wirkt freundlich und einladend. In Hafennähe werden die Gebäude moderner und größer. Den Abschluss bildet das Konzerthaus Harpa mit seiner auffälligen Glasfassade, deren Struktur an die typischen Basaltsäulen Islands erinnert. Auch das Innere sehen wir uns an.

Von dort geht es durch die Altstadt und einen kleinen Park zum Rathaus und einem See mit vielen Vögeln. Nach etwa sechs Kilometern endet unsere ausgedehnte Runde beim Auto bzw. einem Park nebenan, wo wir unser vorgekochtes Mittagessen verspeisen.

Stein am Schädl

Gegen 14:00 Uhr fahren wir mit dem Auto zum „Perlan“, einem Museum auf einem Hügel mit einer markanten Glaskuppel. Dort erwartet uns eine sehenswerte Ausstellung über Island – mit den Themen Vulkanismus, Gletscher, Polarlichter, Wasser und Natur. Besonders spannend ist der 360°-Balkon mit einem tollen Blick über ganz Reykjavík.

Blick zur Hagrimskirche

Wir lernen viel über die Entstehung der Insel und ihre vulkanischen Eigenheiten. Ein eindrucksvoller Film zeigt Bilder des letzten Ausbruchs am Fagradalsfjall im Jahr 2021, nur unweit der Hauptstadt. Neu ist eine immersive 360°-Animation, bei der wir virtuell ins Erdinnere eintauchen. Im kleinen Kuppelraum mit rund 20 Personen wird es dabei recht warm – umso passender ist die nächste Station: ein 100 Meter langer Eistunnel, gebaut aus echtem Eis, das aus umliegenden Bergen herangeschafft wurde. Die Nachbildung kommt einer echten Gletscherhöhle sehr nahe. Besonders auffällig sind die vielen Eiskristalle an der Decke, die vermutlich durch die feuchte Atemluft entstehen.

Frozen

Nach dem Besuch der Aussichtsplattform – wir sehen sogar bis zum Snæfellsjökull – geht es noch ins Planetarium, wo ein informativer Film über Polarlichter läuft. Die Kombination aus Sternenhimmel und Nordlichtern beeindruckt, auch wenn sich manche von uns in den bequemen Sesseln ein kurzes Nickerchen gönnen.

Nach dem Museumsbesuch sind wir unschlüssig, wie wir die verbleibende Zeit nutzen sollen – hungrig ist noch niemand. Eva und ich machen daher einen kurzen Powernap im Auto, während Klaus und Mama im nahegelegenen Park spazieren. Auf dem Rückweg in die Innenstadt tanken wir das Auto ein letztes Mal voll und parken wieder in der Nähe unserer Unterkunft, wo keine Parkzone ist und alles fußläufig erreichbar bleibt.

Eva hat ein Lokal namens „Mama Reykjavik“ ausgesucht. Das Restaurant wirkt auf Anhieb sympathisch, die Speisekarte entspricht ganz unserem Geschmack. Wir essen ausgezeichnet und zahlen für vier Personen „nur“ 160 €, was für isländische Verhältnisse und das gute Essen absolut fair ist.

Nach dem Essen spazieren wir gemütlich durch die Innenstadt zurück zum Auto und bringen es zum Inlandsflughafen, wo sich das Europcar-Büro befindet. Wir waren mit unserem Toyota RAV4 sehr zufrieden – er war komfortabel, zuverlässig und angenehm zu fahren.

Schon vorab hatten wir unseren Taxifahrer Omar kontaktiert, der uns vor zwei Wochen vom Flughafen in die Stadt gebracht hatte. Er ist überpünktlich, verstaut unsere Koffer und wir machen uns auf den Weg. Während der 45-minütigen Fahrt erzählt er uns seine berührende Lebensgeschichte: Vor über 20 Jahren kam er als Flüchtling aus Afghanistan nach Island, das ihm von den UN zugewiesen wurde. Die Dunkelheit und Kälte machten ihm damals sehr zu schaffen. Doch er lernte die Sprache, integrierte sich und baute sich ein Leben auf. Als sich später die Gelegenheit ergab, kehrte er nach Afghanistan zurück, arbeitete dort für amerikanische Projekte, setzte sich für Bildung und Frieden ein, fand eine Frau und gründete eine Familie mit vier Kindern.

Als die USA unter Biden überstürzt abzogen, musste er erneut fliehen – diesmal mit seiner gesamten Familie. Seither lebt er wieder in Reykjavík. Man spürt die Trauer in seiner Stimme, wenn er über die Taliban spricht, gleichzeitig aber auch den Stolz auf sein Heimatland. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer.

Für die Fahrt zahlen wir wieder 160 € und verabschieden uns herzlich von ihm. Am Flughafen läuft alles reibungslos – wir checken ein und verbringen die Wartezeit im Terminal. Im Duty-Free-Shop bekommt Eva noch ein isländisches Schaffell von Magdi zum Geburtstag.

Pünktlich um 00:10 Uhr hebt unser Flug ab – zurück nach Wien.

Schwurbleralarm

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