Nach einer ruhigen Nacht in unserer Blockhütte in Birkifell und einem gemütlichen Frühstück brechen wir in Richtung Osten auf.
Unser erstes Ziel ist das Kap Stokksnes. Dort erhebt sich die Bergkette Vestrahorn, deren dunkle Zacken schroff in den Himmel ragen. Der schwarze Sandstrand davor bildet einen starken Kontrast zu den spitzen Gipfeln, und in den seichten Lagunen spiegelt sich das Panorama eindrucksvoll wider.

Da die Bergkette jedoch noch in dichte Wolken gehüllt ist, besuchen wir zunächst das vorgelagerte Wikingerdorf, das ursprünglich für Filmaufnahmen errichtet wurde. Die Holzhäuser mit Grasdächern, geschnitzten Türpfosten und rauchgeschwärzten Innenräumen versetzen uns in eine andere Zeit – auch wenn man merkt, dass es eher eine romantisierte Kulisse als ein realistisches Abbild ist. Außerdem ist es inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen.



Anschließend machen wir noch einen Abstecher zur Küste: Tatsächlich liegen dort Robben auf den Felsen – träge und zufrieden in der Sonne. Einige schwimmen durch die Bucht, andere blicken neugierig zu uns herüber.

Mittlerweile hat sich der Wolkenschleier über den Bergen gelichtet, und wir genießen das beeindruckende Spiel aus Licht, Bergkulisse und Spiegelung im Wasser.
Gegen Mittag erreichen wir Höfn, ein kleines Städtchen, das für seinen Hummer bekannt ist. Im Restaurant Pakkhús, direkt am Hafen, gönnen wir uns ein hervorragendes Mittagessen – Fish Stew, Tuna Steak, Kabeljau und zum Abschluss ein Lava-Skyr-Dessert. Das Lokal befindet sich in einem alten Lagerhaus mit rustikalem Charme, serviert jedoch überraschend feine Küche.


Gestärkt machen wir uns am Nachmittag auf den langen Weg weiter nach Osten.
Die Straße schlängelt sich entlang der Küste, vorbei an Fjorden, steilen Klippen und weiten Ebenen. Die Sonne begleitet uns dabei unermüdlich. Später zweigen wir ins Landesinnere ab – unerwarteterweise auf eine Schotterstraße.



Nach der Überfahrt über eine Passebene erreichen wir dann am frühen Abend unser letztes Ziel: den Hengifoss, einen der höchsten Wasserfälle Islands. Obwohl es schon nach 19 Uhr ist, machen wir uns noch auf den Weg – das Licht ist golden, der Wind weht, und der Pfad lockt. Mittlerweile hat sich die Landschaft sehr geändert. Es ist deutlich flacher und scheinbar wesentlich fruchtbarer und daher sogar teils bewaldet. Zwar sind die Bäume verglichen mit Bäumen in Österreich gar nicht hoch, dennoch errinnert das Gebiet mit den Seen und Wäldern schon stark an skandinavische Länder, wie Schweden und Finnland.
Der Weg führt entlang des Flusses und bietet unterwegs mehrere fantastische Ausblicke, besonders auf den Litlanesfoss – einen kleineren Wasserfall, der von beeindruckenden Basaltsäulen eingerahmt ist wie ein Naturtheater.

Nach weniger als einer Stunde stehen wir schließlich vor dem Hengifoss: 128 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe, eingerahmt von rötlich-braunen und schwarzen Gesteinsschichten, die eindrucksvoll von der vulkanischen Geschichte dieser Region erzählen.


Nun sitzen wir wieder in unserer Unterkunft. Sogar nach 22 Uhr scheint uns noch immer die Abendsonne angenehm in unsere Hütte. Ein kleiner Snack, die übliche Abendnachbereitung und ein wenig Vorkochen – und dann versuchen wir, trotz der Helligkeit in unser Bettchen zu finden.

