Tag 6 – Jökulsárlón


In der Nacht hat es zu regnen begonnen, und auch am Morgen hält der Regen noch an. Im Frühstücks-Wintergarten stärken wir uns für den Tag und hoffen, dass sich das Wetter bald bessert.

Ohne zu zögern brechen wir zur Jökulsárlón-Gletscherlagune auf – doch leider erfüllt sich unser Wunsch nach Wetterbesserung nicht. Auch im Café dort erwartet uns nicht, wie erhofft, eine gemütliche Sitzmöglichkeit.

So schlendern wir zunächst ohne Kameras los – das Licht ist schlecht, es nieselt leicht. Vor dem engen Abfluss, an dem das Wasser aus der Lagune ins Meer strömt, haben sich einige mächtige Eisberge im seichten Bereich festgesetzt. Sie formen ein faszinierendes Bild in verschiedenen Blautönen. Die Flut drückt weiterhin Wasser vom Meer in den See. Immer wieder schauen neugierige Robben aus dem Wasser, verschwinden aber schnell wieder.

Am bekannten Diamond Beach liegen tatsächlich einige der namensgebenden „Glasdiamanten“ auf dem schwarzen Sand – als wären sie zur Schau gestellt. Doch ohne Sonnenschein glitzern sie nur verhalten, dafür ist auch der Sand umso schwärzer.

Those diamonds aren’t forever

Zur Aufwärmung gibt’s noch einen schnellen Steh-Kaffee. Da es nun aussieht, als würde sich das Wetter langsam bessern, beschließen wir, zur Schlucht Múlagljúfur zu fahren, um dort unsere geplante Wanderung zu starten. Tief im Tal hängen zwar noch Nebel und leichter Regen, doch genau das verleiht der Landschaft eine mystische Stimmung. Der Weg führt über einen schmalen Grat durch moosbewachsene Landschaft. Rechts stürzen steile, grüne Felswände fast senkrecht in die Tiefe. Zur Mitte des Weges hin öffnet sich ein atemberaubender Blick in die wilde, grüne Schlucht. Gegenüber fällt ein Wasserfall in die Tiefe, während sich ein Gletscherfluss durch das Tal schlängelt. Die Atmosphäre ist still, mächtig, fast unberührt – wild und geheimnisvoll.

Wtf, ist das Tal schön
Blick zurück

Ab hier gehen nur Lukas und ich weiter, da sich der Nebel als Regen entpuppt hat. Die zusätzlichen Höhenmeter bieten vor allem sportlichen Mehrwert. Beim Abstieg stellen wir fest, dass der Regen zugenommen hat. Durchnässt sind wir ohnehin schon, und der Weg ist inzwischen merklich rutschiger. Unten angekommen, ziehen wir sofort trockene Kleidung an – es ist inzwischen richtig kühl.

An einem Parkplatz bei einer Gletscherzunge entdecken wir ein kleines Restaurant. Wir besuchen nur dieses, um uns aufzuwärmen und eine Kleinigkeit zu essen. Um 16:00 Uhr, wie in Island üblich, schließt das Lokal – also machen wir uns erneut auf zur Jökulsárlón-Lagune, in der Hoffnung, endlich gutes Wetter zu erwischen. Und tatsächlich: Es klart langsam auf. Aufgrund der Ebbe strömt das Wasser nun kräftig Richtung Meer und nimmt immer wieder Eisberge mit – viele davon bleiben jedoch vorerst im flachen Bereich stecken.

Schon viele, viele Kilometer vom Gletscher entfernt
Eisberge, Gletscher und wir

Zum Abschluss besuchen wir erneut den Diamond Beach. Die „Diamanten“ beginnen nun tatsächlich zu funkeln – allerdings erst ganz am Ende, als sich auch hier kurz die Sonne zeigt. Dafür haben wir nun einen großartigen Blick auf die umliegenden Gletscher – der Himmel ist inzwischen fast komplett aufgeklart.

Skurrile Formen bleiben angeschwemmt zurück
Mit etwas Phantasie erkennt man die verschiedensten Dinge/Lebewesen
Noch ein paar Formen, die von den Touristen noch nicht zerstört oder verschleppt wurden

Gegen 20:00 Uhr beenden wir unsere Tagesaktivitäten und fahren zu unserer Unterkunft. Diese liegt heute im winzigen Örtchen Borgarhöfn mitten im Nirgendwo – aber sie ist wirklich entzückend, und der Besitzer begrüßt uns erstmals persönlich. Da andere Urlauber versehentlich bereits unsere Hütte bezogen haben, bekommen wir 85 € Rabatt und beziehen stattdessen eine andere – ebenso charmant und ebenfalls mit Hot Tub. Nach einem schnellen Abendessen nutzen wir diesen natürlich noch aus – zumal er jedes Mal mit frischem Wasser gefüllt wird. Dank einer 1400 m tiefen Bohrung verfügt der Besitzer nämlich problemlos über heißes Wasser – genug für sich und die ganze Umgebung.

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