In der Nacht sind irgendwann gegen 01:30 Autos und Leute am Parkplatz, die mich aus dem Schlaf reissen. Was tun die Italiener immer mitten in der Nacht und wieso können sie auch nicht leise kommunizieren? Aber bald ist wieder Ruhe eingekehrt, sie wissen vermutlich auch nicht, dass wir im Lieferwagen nebenan mit offenem Fenster schlafen, da wir sonst unter der Winterdecke verkommen. In der Früh fahren wir direkt los um Zeit und Kilometer gutzumachen. Wir wechseln uns ab, ebenso mit dem Frühstück und stoppen nur kurz zum Tanken und für WC an einer Tankstelle. Nach etwa 1,5h Fahrt haben wir unser Ziel erreicht. Die Halbinsel ganz im Südwesten „Sant’Antioco“ und dessen Strand namens „Coaquaddus“. Gemäß der Windvorhersage haben wir hier heute die besten Chancen auf Wind, der aus Südosten auf die Halbinsel treffen soll. Wir finden einen riesigen Wiesenparkplatz vor, übersät mit ein paar einzelnen Campern. Es lässt sich so auf jeden Fall schon darauf schließen, dass in der Hochsaison hier die Sau los sein muss. Jetzt ist es aber beinahe leer und das kleine Café und damit auch die einzige Infrastruktur hier hat noch geschlossen. Wir machen eine Erkundungstour zu Fuß und finden einen wunderschönen Strand, umschlossen von Felsküste, aber noch eher mäßigem Wind vor. So beschließen wir unser Strandzeug aus dem Camper zu holen und legen uns hinter eine kleine Barrikade in den Windschatten. Ich lese, während Eva Gitarre spielt.



Wir haben es zwar gegenseitig lange nicht ausgesprochen, aber irgendwann gestehen wir ein, dass wir auch froh sind, dass der Wind noch nicht wirklich Gas gibt und wir uns von der gestrigen Fahrradtour noch etwas erholen können, ehe das Mittelmeer wieder unsere Kräfte beansprucht. Als der Wind dann tatsächlich etwas aufgefrischt, beenden wir unserer Strandgelage sogleich, snacken noch schnell was im Bus und kehren mit Kite-Zeug an den Strand zurück. Der Wind ist nicht stark, aber ausreichend und ich presse mich mühsam in den dicken Neopren und versuche mein Glück. Mit dem kleinen Brett bekomme ich aufgrund des schwachen Windes nicht genug Schwung um über die Brandung hinauszukommen – gegen den Wind. Also versuche ich es mit dem Größeren und tatsächlich gelingt es nach ein paar Längen voller Kampf. Draußen ist das Meer mitunter auch relativ unruhig und holprig. Vor allem spritzt es mir bei einer Richtung aufgrund der Wellenorientierung dauernd ins Gesicht. Ich genieße es trotzdem in vollen Zügen und setze mich eine knappe Stunde den Elementen aus.

Dann übergebe ich den Schirm und Brett an Eva und sie versucht ihr Glück. Leider hat der Wind schon wieder etwas nachgelassen und so ist es für sie nicht möglich durch die Brandung hinauszukommen. Dennoch sind es wertvolle Übungsminuten für Schirmkontrolle, Boardkontrolle und Umgebungswahrnehmung (Wellen). Es ist nicht leicht alles gleichzeitig zu meistern. Als sie dann aufhört, versuche ich noch einmal, neugierig, ob ich es noch einmal schaffen würde. Aber ich muss schnell eingestehen, dass der Wind tatsächlich zu schwach geworden ist und ich es auch nicht mehr schaffe.


Also waschen wir unser Zeug im Meer und legen uns wieder in die Nachmittagssonne neben das rauschende Meer und genießen das Urlaubsgefühl. Zurückversetzt an viele schöne Stunden an der Brandung in Portugal und Spanien realisiere ich wieder, wie sehr ich das Meer eigentlich liebe. Und Eva. Und Urlaub. Später ziehen wir uns in die Abendsonne auf den Parkplatz zum Bus zurück unsere Sachen trocknen und Eva kocht Polenta mit Kichererbsen-Ratatouille, während ich mit einem Bier in der Sonne sitzend Reisetagebuch schreibe. Im Sonnenuntergang spazieren wir noch ein paar Meter und sehen uns den Strand aus einem anderen Winkel an.

Wir schlafen heute auf dem Parkplatz, da morgen wieder eine ähnliche Windchance und Richtung besteht.


PS. Fast das Essentiellste vergessen: 15er Kite. Aber das geschulte Auge erkennt das eh an den Fotos 😉
2 Antworten zu “Tag 5 – Spiaggia Coaquaddus”
Romantisch!! 😘
Unaussprechlicher Ortsname 😉 aber schön