Wir wachen nach einer herrlich ruhigen Nacht gegen 7:00 Uhr auf und werfen einen letzten Blick auf diesen tollen Spot und Schlafplatz. Dann setzen wir uns hinter das Steuer und brechen in Richtung Süden auf. Schon gestern haben wir für den heutigen Tag eine vielversprechende, aber eventuell auch intensive Radtour herausgesucht. Der Startpunkt der Tour ist in Bosa, etwa eine Stunde Fahrt in südliche Richtung, an der Westküste. Bereits auf der Anfahrt durchfahren wir den Küstenteil unserer Tour und unsere Vorfreude steigt enorm an – die Straße scheint gut, aktuell ist kaum Verkehr und die Ausblicke sind einfach magisch. Außerdem finden wir entlang des Weges einen Brunnen der von Frischwasser aus den Bergen nebenan gespeist wird. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit gleich, um unsere schon zur Neige gehenden Wasserkanister (nur noch 10 von 51l) wieder anzufüllen. Auch bei der Grauwasserentleerung haben wir hier kein gänzlich schlechtes Gewissen, weil das Wasser mit anständiger Flussrate direkt ins Meer rinnt. So schnell sind unsere Kanister wahrscheinlich noch nie gefüllt worden.

In Bosa ist recht bald ein Parkplatz gefunden, doch unsere Körper schreien noch nach Koffein. Deswegen spazieren wir schon jetzt durch das malerisch bunte Städtchen und finden im Zentrum am Fluss ein Café, wo wir 2€ pro Café Americano (Verlängerter) zahlen.

Jetzt wird es aber langsam Zeit für’s Loskommen, denn geplanterweise haben wir noch 100 km und 2000 Höhenmeter vor uns. Recht schnell sind die Räder vorbereitet und das Wichtigste eingepackt. Sogleich geht es mit den ersten Höhenmetern los. Die Sonne scheint, die Beine fühlen sich frisch an und die Höhenmeter purzeln nur so dahin. Wir genießen die Landschaft und die bunt blühende Blumenwelt des offensichtlich eingetroffene Frühlings. Es geht quer durch die satt-grüne Hügelwelt und wir genießen es richtig. Überall blüht der Ginster, mit einem tollen Geruch und einem leuchtenden Gelb, das an Rapsfelder von zuhause erinnert. Es ist überhaupt kein Verkehr.


Nur ein, zwei süße Bergdörfer durchqueren wir bei unserer Fahrt durch die Berge, ansonsten geht es durch Weideland, Korkeichenwälder und sonstiges Gestrüpp. Am höchsten Punkt angekommen wird es doch ganz schön frisch, vor allem weil inzwischen immer mehr Wolken aufgezogen sind. Deswegen freuen wir uns, dass die Abwärtspassagen stets von kleineren Gegenanstiegen unterbrochen sind, um trotzdem warm zu bleiben.



Unsere angestrebte Pausen-Stadt, Alghero, kommt schon bald in Sicht, als wir uns aus den Bergen entfernen und wieder einen wunderschönen Blick auf die Küste erhaschen.



In Alghero ist recht zügig eine Pizzeria gefunden, wo wir unsere leeren Speicher wieder füllen können.



Auf den verbliebenen 40 km dürfen wir jetzt das Küstenpanorama genießen, denn wir haben einen Großteil der Höhenmeter bereits hinter uns. Zwar hat es im Vergleich zur Autofahrt etwas mehr zugezogen, aber so war immerhin auch jegliche Sonnenbrand-Gefahr gebannt. Auch hier geht es aber noch einige Male auf und ab. Am bereits bekannten Brunnen befüllen wir wieder unsere Wasserflaschen und es geht uns auch nach der bereits langen Fahrt noch erstaunlich gut. Auch wenn unsere Hintern vom Sattel sitzen nicht mehr übertrieben begeistert sind.


Ganz im Süden kommt auch die Sonne wieder heraus, was die Zieleinfahrt nach Bosa in der beginnenden Abendstimmung umso schöner machte.


Die Tour umfasste 108km, 2005 Höhenmeter und wir brauchten 5:13h bei durchschnittlich 20,9 km/h. Lukas hatte eine Durchschnittsleistung von 174W und 133 Puls. Falls sich jemand fragt, wie viele Pedalumdrehungen man bei so einer Fahrt macht, es waren 20.811.
Noch schnell ein Zielfoto im Dorf, ein Einkauf im Supermarkt und dann geht bei toller Sonnenuntergangsstimmung die Suche nach einem Koch – und Duschplatz los.

Recht lange finden wir keine geeignete Stelle. Doch dann sehen wir im Vorbeifahren in einem Dorf einen Parkplatz direkt in einer Bucht am Meer, wo bereits zwei andere Camper stehen. Wir stoppen auch, um zumindest noch schnell etwas kochen zu können. Doch bei einer kleinen Erkundungstour entdeckt Lukas dort auch einen kleinen Bach, der ins Meer mündet und uns für den heutigen Tag die perfekte Waschmöglichkeit bietet. So verzwicken wir zuerst die Tortellini und nehmen dann ein Bad im Meer und Bach und setzen anschließend unsere Reise Richtung Süden noch für eine weitere Stunde in der Dunkelheit fort.


Zum Schlafen fahren wir von der Schnellstraße ab und halten auf einem weiteren Parkplatz in einem Dorf, wo wir nach dem heutigen Tag sehr müde ins Bett fallen.