Heute stehen wir wieder einmal mit Wecker auf (06:30), denn wir haben noch viel vor. Gestern haben wir schon einiges hergerichtet und im Detail geplant, so kommen wir recht zügig los, obwohl wir die Rennräder noch aus unserem Gestell im Kofferraum auspacken und zusammenschrauben müssen. Um 8:00 rollen wir aus dem Campingplatz und starten gleich mit einem ordentlichen Anstieg in den Tag, denn wir wählten natürlich die ambitionierte Route mit extra Höhenmetern. Achja, unser Plan für heute ist es mit den Rennrädern die gesamte Amalfiküste zu erkunden. Dafür müssen wir zuerst auf die Südseite der Sorrenthalbinsel und hierfür gibt es eine überschaubare Auswahl an Optionen. Also strampeln wir uns in Serpentinen warm und erklimmen die Mitte der Halbinsel (auf der Nord-Südachse). Obwohl es noch früh ist sind wir oben schon klatschnass und die Sonnenbrille wurde zur Taucherbrille. Aber gut, weiter geht’s. Wir rollen die erkämpften Höhenmeter in Serpentinen nun in der Morgensonne hinab und genießen die ersten Ausblicke auf die Steilküste vor uns. Die gesamte Küste ist nur durch eine Straße verbunden und die Region ist aufgrund seiner idyllisch in die grünen Steilhänge gebauten Städtchen äußerst touristisch. Für Camper ist die Straße tagsüber sowieso gesperrt. In italienischer Manier sind unglaublich viele Roller (benzinbetrieben) unterwegs, dazwischen immer wieder kleinere Busse oder Taxi-Vans, die Touristen in die Städte karren. Die Küstenstraße ist äußerst imposant, meist auf etwa 100m über dem Meer mit vielen Ausblicken und ebenso vielen Kurven. Die Fahrer der motorisierten Kraftfahrzeuge überholen zwar immer und überall, doch man fühlt sich irgendwie trotzdem eigentlich nicht unsicher. Und beim nächsten Stau überholen wir dann wieder zurück. Es gibt kein böses Blut oder Hass – im Gegenteil, mehrmals werden wir angefeuert oder bekommen einen anerkennenden Daumen hoch oder „bravo“ zugerufen. Wir erreichen die erste Stadt: Positano. Ein paar Stops für Fotos, doch dann geht es zügig weiter.




Abseits der einen Straße gibt es nicht viele Möglichkeiten wohin zu kommen. Entlang der gesamten Küste sind auch viele Boote im Wasser und in den steilsten Gebieten sind kleine Hotels, zum Teil mit Pools und Versorgungsseilbahn zur Straße. Die nächste Stadt, Praiano, folgt einige Kilometer später. Eine weitere Ansammlung an Häusern. Die Parkplatz Situation ist eher katastrophal. Roller überall und die Autos stehen zum Großteil entlang der einzigen Straße an die Seite gequetscht. Wir strampeln weiter und kommen eigentlich sehr flott voran. Schon bald erreichen wir die Stadt Amalfi, welche der Küste ihren Namen gibt und ebenso auch Hotspot aller touristischen Aktivitäten zu sein scheint. Am Meer liegen zwei Kreuzfahrtsschiffe, unzählige kleinere Schiffe ankern in der Bucht und es gibt sogar einen kleinen Parkplatz für Busse und Taxis. Folglich schieben sich auch die Massen.



In uns regt sich aber irgendwie der Wunsch nach mehr Sport und weg von Menschenansammlungen und Hitze. Deswegen werfe ich noch eine extra Runde in den Raum nach Ravello, eine weitere kleine Stadt etwas landeinwärts und folglich 400 Höhenmeter über Amalfi. Eva ist natürlich sofort dabei und so passieren wir Amalfi, biegen links ab und pflügen in der sengenden Mittagshitze und Sonne den Asphalt aufwärts. Voll im Modus sind wir aber schon bald oben und erkunden das kleine Dorf und sein (nicht ganz so schlimm) reges Treiben in der Fußgängerzone. Wir füllen Wasser auf und waschen uns bei einem öffentlichen Brunnen die Salzkruste aus dem Gesicht und beschließen uns bei einem kleinen Familienbetrieb zwei Take-away Pizzen und Eva’s Salat zu holen, denn unsere Energiespeicher sind nach knappen 50km und fast 1000 Höhenmetern schon eher leer.



Wir essen und rasten dann ein wenig im Schatten, ehe ich bemerke, dass ich ein Loch im Hinterreifen habe. Mein Rad ist hinten mit Dichtmilch angespritzt, allerdings scheint diese das Loch auch so gut wie verschlossen zu haben, aber es ist nun etwas zu wenig Luft im Rad. Wir fahren einmal um Ravello herum zu einer Tankstelle in der Hoffnung eine Möglichkeit zum Aufblasen zu finden, doch leider Fehlanzeige. Also geht’s mit etwas wenig Lust wieder zurück runter nach Amalfi. Dort werfen wir uns in die Menge und spazieren zu Fuß mit unseren Rädern durch die wohl einzige Gasse von Amalfi. Gefühlt befinden sich hier alle Touristen mindestens eines ganzen Kreuzfahrtsschiffs und wir, tropfend, mitten drin. Ich hab recht schnell die Schnautze voll, es sind mir einfach zu viele Menschen. Doch wir suchen noch einen kleinen Brunnen, den Hanna bei ihrer Recherche mal entdeckt hat. Wir sind natürlich prompt vorbei gelaufen, so unscheinbar ist er in einer Seitengasse. Viele kleine Figuren sind aufgestellt, die unterschiedliche Geschichten erzählen und Situationen darstellen.


Wir machen uns auf den Rückweg zur Hauptstraße und setzen unsere Fahrt nach Hause fort. Wir kommen zur einzigen anderen Tankstelle am Weg und ich stoppe um mein Rad zu richten. Es gibt zwar einen Kompressor, doch leider keinen Aufsatz für das SV-Ventil vom Fahrrad. Das Loch ist defintiv zu groß und undicht um es für die verbleibenden 40km Heimweg zu lassen. Also montiere ich den Mantel ab und zieh einen Schlauch ein, den ich zum Glück dabei hatte. Für’s Aufblasen gibt’s nur eine Chance, denn ich habe für solch einen Notfall nur eine einzige CO2 Kartusche dabei. Aber alles haut hin und ich bekomm den Reifen prall, er sitzt und der Schlauch erfüllt seinen Zweck. Heimfahrt gerettet, hoffentlich.

Also fahren wir weiter – genau die gleiche Route zurück – die wir gekommen sind. Die Zeit, Höhenmeter und Kilometer verfliegen, wie in Trance. Irgendwann beschließen wir, dass wir nicht die Diretissma zurück fahren wollen, sondern die Runde noch über das westliche Ende der Halbinsel ausdehnen wollen. Folglich werden es noch etwa 200 Höhenmeter mehr, doch es lohnt sich. Wir finden eine kleine Snackbar mit super Aussicht auf die Insel Capri und die bald untergehende Sonne. Wir stoppen, essen je ein Parmigiana di Melanzane und schalten erstmals etwas runter vom Gas. Als die Sonne kurz vorm Untergehen ist, vollenden wir die letzten 10km, die größtenteils bergab sind mit einer traumhaften Aussicht auf Capri, das Meer und die Sonne.

Sehr romantisch. Weniger romantisch ist, dass die Batterie von Eva’s Schaltung nun aber zu leer ist und ein Schalten am Umwerfer vorne daher leider nicht mehr geht. Also heißt es rollen lassen oder strampeln in Hochfrequenz. Dankenswerterweise war Julian bei uns heute in der Wohnung und wir bekommen nächste Woche das nicht standardisierte Ladekabel von Sophie überstellt. Bis dahin braucht mein Hintern eh eine Radpause. Aber wir haben es ja nicht mehr weit und kommen gut zurück zum Campingplatz. Summa summarum sind wir bei 98 Kilometern und 2000 Höhenmetern gelandet. Und ich jenseits der 10L Wasserkonsum. Abends duschen wir dann, verräumen alles und sortieren Fotos, während wir bei romantischem Licht unter unserem Vordach sitzen und jazzige Chill-Musik vom Lokal nebenan zu uns herüberschallt. Wiederrum sehr romantisch. Und nebenbei fressen mich die Gelsen.
Eine Antwort zu “Tag 6 – Amalficoasten”
Wieder ein Wahnsinnsbericht eures Tagesablaufes – kaum zu überbieten ,an Erlebdem und Schönheiten ….