Tag 29 – Seelöwen


Um 05:45 klingelt der Wecker. Wieder einmal eine zache Partie. Doch die Erwartungen für heute sind groß. Wir richten uns her, erledigen Teile der Morgenroutine und fahren dann zu 4. mit dem Auto zu „Patagonian Divers“ ein paar hundert Meter entfernt im Ort. Dort bekommt Klaus eine Schwimmweste und wir anderen 7mm Neopren, mit Haube, Schuhen, Flossen und Brille mit Schnorchel. Es ist ziemlich kühl und die Sonne ist um 07:00 noch nicht aufgegangen. Als wir dann unser Equipment ausgefasst haben, spazieren wir hinunter zum Strand, wo unser Kapitän Juan und sein Lehrling, Martin, bereits das kleine Boot mit einem Traktor und Anhänger ins Wasser gelassen haben und uns erwarten. Wir steigen ein und Juan heißt uns auf Englisch Willkommen. Naty hat uns am Vortag bereits von ihm erzählt. Er macht das seit 15 Jahren, davor war er Fischer und ist wahrlich ein Urgestein in Puerto Piramides. Das steht ihm auch ins Gesicht geschrieben. Nachdem seine Mutter aber Amerikanerin war und er in der Kindheit wohl auch eine zeitlang in den USA war, konnte er durchaus gut Englisch. In der aufgehenden Sonne lassen wir die Bucht mit dem seichten, schwarzen Strand von Puerto Piramides hinter uns und fahren für etwa 40 Minuten entlang der Küste Richtung Westen.

Morgenstund‘ im Tauchschiffchen

Es dauert gar nicht so lange, da sehen wir vor uns Bewegung bzw. Fontänen im Wasser und Juan lenkt sofort ein und steuert direkt darauf zu. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine Schule von Delphinen handelt. Rasch schlüpfen wir in die Flossen und setzen uns die Masken auf und springen ins Wasser. Doch die Delphine sind schon weiter geschwommen und im etwas trüben Wasser würden wir sie wohl sowieso nicht sehen. Also klettern wir zurück ins Boot und Juan versucht uns nochmals näher heranzubringen. Doch er meint, dass die Delphine nicht immer an den Booten interessiert sind und er sie auch nicht mehr konfrontieren will. Also geben wir nach ein paar Runden auf, beobachten die Tiere nur aus der Ferne an der Wasseroberfläche.

Man muss schon genau hinsehen

Anschließend setzen wir unsere Fahrt zum Ziel fort. Dieses erreichen wir dann einige Minuten später und sehen bereits in der Ferne viele Seelöwen am Strand. Als wir uns mit dem Boot nähern, schwimmen einige bereits zu uns und beäugen das Boot äußerst interessiert. Wir springen ins Wasser, Klaus und Juan bleiben am Boot. Martin, mittlerweile auch im Neopren, kommt mit uns mit ins Wasser. Das Wasser ist leider etwas trüb, da viele Schwebstoffe aufgewirbelt sind. Es ist auch ziemlich kalt – laut Juan etwa 14° – doch das fällt uns in der Aufregung und mit dem 7mm Neopren gar nicht auf. Um uns herum sind unzählige Seelöwen, die äußerst interessiert um und unter uns umher tauchen. Präzise und grazil bewegen sie sich und mustern uns mit ihren großen Glubschaugen. Juan hat uns davor erklärt, wie wir uns zu verhalten haben und uns auch versichert, dass es normal ist, wenn wir spielerisch und aus Neugier ein wenig angeknabbert werden. Er meinte auch, dass die Seelöwen spüren, wie wir uns fühlen und sich dann entsprechend verhalten. Nur wenn man seine Probleme vor dem Abtauchen am Boot zurücklässt, würden sie sich spielerisch nähern. Zuerst bin ich definitiv noch etwas überwältigt und überfordert und habe auch etwas Respekt, denn die Seelöwen kommen wirklich sehr nahe und berühren einen doch auch immer wieder. Doch schnell gewöhnt man sich daran und versucht sich selbst wie ein Seelöwe zu verhalten und mit ihnen herum zu schwimmen und zu spielen.

Sofort werden wir neugierig gemustert und erwartet…
… von der ganzen wilden Meute

Lediglich fällt das Tauchen mit dem Auftrieb des dicken Neoprens sehr schwer und unsere Lungen sind definitiv nicht darauf ausgelegt so lange unter Wasser zu bleiben. Oft verschlucke ich mich mit dem Schnorchel, da man sich einfach viel herumdreht und immer wieder mal eine kleine Welle über einen schwappt. Es gibt ein paar Robben, die frecher sind als andere und entweder Luft auf einen blasen, oder auch mal neben einem springen und man sich dadurch durchaus schrecken kann. Sehr interessiert wird auch schnell mal an den Flossen, der Kamera oder sogar der Taucherbrille geknabbert, doch äußerst vorsichtig und nicht mit den spitzen Zähnen. Unser Guide, Martin, scheint wohl schon einige Freunde gefunden zu haben, denn er spielt wirklich mit viel Kontakt mit den Robben und es sieht beinahe schon so aus, als kämpfen sie ein wenig zum Spaß mit ihm.

Äußerst spielerisch, aber durchaus furchteinflößend

So viele Seelöwen auf diese Entfernung mit ihrer grazilen, dreidimensionalen Fortbewegung zu erleben ist ein absolutes Highlight und man kann sich vorstellen, wie schnell so eine Dreiviertelstunde im Wasser vergehen kann. Nach dieser Zeit haben wir auch schon die ein oder andere Robbe kennen gelernt und erkennen sie schon auseinander. Es ist merkbar, wie nicht nur die Körper und Gesichter unterschiedlich sind, sondern auch die Charaktereigenschaften. Manche sind ruhiger, andere verspielter und frecher. Auch die Bewegung im Wasser unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Charaktern.

Die neugierigsten Glubschaugen

Im Teamwork wird gespäht

Voll mit Adrenalin und Endorphinen klettern wir wieder auf’s Boot, als uns Juan zurückwinkt und treten die Heimfahrt an. Wir sind Maude und Adrien, unseren französischen Freunden, unglaublich dankbar für die Empfehlung für dieses Unternehmen. Wir haben übrigens 85€ pro Person zahlen müssen, wobei sie für Klaus, der ja nur im Boot blieb, nur 55€ in Rechnung stellten. Wir fahren mit etwa 30 km/h zurück in die Bucht von Puerto Piramides, wo mittlerweile Flut ist und wir somit bis weit am Strand hinauf fahren können.

Martin, Juan und wir

Nachdem wir in der Tauchschule unser Equipment zurückgegeben haben, fahren wir nochmals zur Unterkunft. Naty hat uns am Vortag gesagt, dass wir ohne Stress auschecken können. Das ist sehr angenehm, so können wir noch das Bad nutzen, umziehen und alles einpacken. Kurz vor 12 beginnt dann unsere lange Südfahrt. Eigentlich ist der Urlaub nun vorbei, denn am Samstag wird unsere Heimreise beginnen. Für die Fahrt an der argentinischen Küste zurück in den Süden planen wir etwa zwei Tage ein und haben uns noch einen Reservetag aufgehoben, sollte irgendetwas schief gehen.

Wir fahren stundenlang durch äußerst langweilige und flache – quasi – Wüste und treffen nichtmal auf Guanacos. Irgendwann sind wir dann näher an der Küste, passieren wir die größere Stadt Comodoro Rivadavia, welches von Plastiksäcken übersät und absolut nicht einladend ist. Danach geht es in der Abenddämmerung an der Küste entlang, vorbei an erodierten Hügeln. Zuletzt geht es wieder durch leere Ebenen, neben uns geht die Sonne unter und wir fahren etwa eine Stunde noch in der Dunkelheit zu einer Tankstelle, bei der ein Hotel dabei ist. Wir bekommen ein 4er Zimmer und zahlen lediglich 30€ für’s ganze Zimmer inklusive Frühstück. Trotz der Vormittagsaktivität sind wir heute somit stolze 814km bei etwas über 9h Fahrzeit gefahren und haben somit für den nächsten Tag nurmehr etwas weniger vor. 

,

4 Antworten zu “Tag 29 – Seelöwen”

  1. Ein Wahnsinn, was ihr alles erleben durftet – soviele unglaubliche Eindrücke müssen erst einmal verkraftet werden – aber dazu habt ihr ja zuhause dann Zeit und Gelegenheit……..wünsche euch für die restlichen Reisetage alles Gute aus Thal …

    • Ja, jetzt haben wir wirklich schon enorm viele Eindrücke gesammelt. Haben gestern auf der langen Fahrt versucht, all unsere Highlight aufzuzählen. Erstens ist es ganz schön schwer (bis unmöglich) sich bei all dem Erlebten für die Top 3 zu entscheiden. Und zweitens muss man sich schon anstrengen, dass man sich an alles erinnert 😅 zum Glück haben wir den Blog zum Nachlesen 😂

  2. Die Seelöwen-Schnorcheltour war wohl ein tolles Schlsshighlight – die Fotos sind grandios!!!
    Alles Gute bei der beginnenden Rückreise!!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert