Wir haben einen langen Tag vor uns, entsprechend läutet der Wecker schon um 05:30 mit einer geplanten Abfahrt um 06:30. Wir frühstücken rasch und haben bereits am Vortag unsere Wandersachen gepackt. Danach fahren wir mit dem Auto durch Bariloche durch Richtung Süden. Es ist noch dunkel, als wir nach 45 Minuten die asphaltierte Straße hinter uns lassen und in einen Teil des Nahuel Huapi Nationalpark einbiegen für den man Eintritt zahlen müsste. Doch beim Checkpoint am Beginn der Schotterstraße ist niemand, es ist wohl noch zu früh. Also zahlen wir keinen Eintritt und fahren einfach ein. Die Straße ist großteils in schlechtem Zustand und so brauchen wir für die 50 verbleibenden Kilometer mehr als eine Stunde. Die Straße ist auch zu gewissen Uhrzeiten wechselnd eine Einbahnstraße zur Ein- oder Ausfahrt. Es nieselt immer wieder leicht und Wolken ziehen umher. Dennoch beginnt es zu dämmern und wir erreichen den Ausgangspunkt unserer Wanderung bei Helligkeit. In der Ferne sehen wir bereits die Felswände über denen sich Gletscher befinden und das Schmelzwasser über Wasserfälle hinunter stürzt. Die Wolken- und Lichtstimmung lässt auch Hoffnung offen, dass es eventuell noch schön werden könnte. Als wir aus dem Auto aussteigen hören wir in der Ferne ein Donnern und wir sehen, wie sich Eis und Wassermassen in einer Art Lawine über eine Felsstufe hinunter ergießen. Voller Vorfreude marschieren wir los. Großteils geht der Weg auf einer Forststraße. Wir überqueren einen kleinen Fluss und wandern in einem wunderschönen, alten Südbuchenwald in einem Tal an das Talende. Nach etwa 2h haben wir den Talschluss erreicht und treten wieder aus dem Wald heraus. Vor uns erhebt sich eine senkrechte Felswand fast 500 Meter hoch über diese viele kleine und größere Wasserfälle hinunterstürzen. An einem kleinen Eck sieht man auch den darüber liegenden Gletscher. Die Sonne blitzt immer wieder leicht durch und beleuchtet zumindest die Hälfte des Tals. Es ist relativ kühl und ein leichter Wind kommt immer wieder, gepaart mit ein paar Wasserspritzern – unklar ob aus den Wolken, oder aus den Wasserfällen. Die Dimensionen und das Panorama ist atemberaubend.

Als wir dieses genug aufgesogen haben und auch keine Hoffnung haben, dass die am Berg hängenden Wolken sich bald verflüchtigen würden, schlagen wir wieder den Rückweg ein. Kurz bevor wir zurück beim Parkplatz sind gesellt sich eine ~25 jährige Belgierin zu uns dazu, die alleine unterwegs ist und auf dem Refugio Otto Meiling übernachtet hatte. Lisbeth ist eine Krankenschwester, die ihren Job gekündigt hat und nun seit bereits 4 Monaten durch Südamerika reist. Davor durchquerte sie Europa (und auch Graz) mit dem Fahrrad über 2 Monate. Zurück beim Auto nehmen wir sie mit zum Nahe gelegenen Restaurant am Talschluss des Nachbartals, von dem das wir zuvor erwandert haben. Dort gibt es einen großen Parkplatz und noch zwei potentielle Wanderungen. Eva und ich starten dort noch die Wanderung auf die rechte Talflanke, auf welcher man sich genau zwischen den zwei Tälern befindet. Klaus, Lisi und Lisbeth bleiben inzwischen im Restaurant und kosten sich durch die verschiedenen Kuchen. Der Anstieg ist sehr knackig auf einem sehr wenig begangenen Weg, sehr steil und zeitweise leicht ausgesetzt. Durchaus eine Herausforderung, doch wir schaffen es in 45 Min nach oben und sind überwältigt von dem Ausblick. Wie erwartet überblicken wir wirklich beide Täler, als auch den Lago Manso, welcher genährt durch den Gletscher eine tolle, grünliche Farbe hat.



Es hat mittlerweile komplett aufgerissen, nur am Tronador, dem großen Berg vor uns hängen ein paar wenige Wolkenfetzen. Übrigens ist der Name Programm, denn dieser verweist auf Spanisch darauf, dass es öfters donnert und gewaltige Eis- und Wassermassen ins Tal donnern. Während unserer Wanderung und der anschließenden Stunde auf dem Aussichtspunkt, hören wir immer wieder lautes Donnern und sehen manchmal sogar kleine Lawinen. In der Nacht zuvor hat es wohl auch geschneit, was den Prozess vermutlich auch weiter ankurbelt. Beim Restaurant unten befindet sich ein großer Parkplatz, den sogar größere Busse anfahren. Doch auf dem Berg hier sind wir Mutterseelen-alleine und eventuell sogar die ersten an dem heutigen Tag, obwohl es bereits 16:00 ist, denn wir sehen keine anderen Spuren im sandigen Boden, abgesehen von unseren eigenen. Erst als wir dann wieder anfangen abzusteigen kommt ein anderes Pärchen auf das Plateau. Die Wanderung hat sich auf jeden Fall extrem ausgezahlt.

Als wir binnen 30 Minuten dann wieder im Tal sind, warten die anderen schon auf uns und wir fahren mit dem Auto zurück aus dem Tal hinaus. Dabei stoppen wir noch beim Lago Manso und sehen uns diesen aus der Nähe an. Anschließend geht es gegen 18:30 zurück nach Bariloche, wohin wir auch Lisbeth mitnehmen. Die Schotterstraße zieht sich ziemlich, unser Schnitt ist wohl nicht wirklich über 30 km/h. Im Anbruch der Dunkelheit erreichen wir Bariloche. Wir verabschieden uns von Lisbeth und gehen noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Als wir dann um 21:00 in der Unterkunft sind bleibt nicht mehr sehr viel Zeit um unseren morgigen Checkout vorzubereiten.

