Tag 17 – Catedral de Marmol


Nachtrag zum gestrigen Tag: Nach dem Schlafen gehen gab es noch etwas Action, denn im Badezimmer ist der Bodenabfluss übergelaufen, während Lisi geduscht hat. Ich hab’s dann platschen gehört, als sie aus dem Bad raus ging und in die Lacke vor dem Bad stieg, die sich schon langsam in Klaus’ Schlafzimmer fortbewegt hat und dort seine Tasche und Koffer erwischt hat, bevor sie im Boden verschwand. Ich springe nochmal aus dem Bett und gemeinsam (nur Eva verschläft das mitternächtliche Spektakel) verwenden wir alle Handtücher und tunken das Wasser auf dem Boden auf. Ein 10 Liter Kübel wird voll, ehe wir schlussendlich wirklich schlafen gehen.

Neuer Tag, neues Glück. Heute in der Früh duscht Eva noch, sie duscht wesentlich kürzer, doch am Ende kommt auch wieder etwas Wasser aus dem Überlauf. Nach dem Frühstück erledige ich mein morgendliches Geschäft am Klo und bete, dass die Menge der Klospülung nicht den Überlauf überschreitet. Bange Sekunden… doch meine Hoffnung wird nicht erfüllt. Es geht sich nicht aus. Mein im Wasser zerstäubter Kot kommt aus dem Boden und verteilt sich über einen Quadratmeter im Bad. Großartig. Mit zwei Fetzen putze ich die Sauerei weg. Toller Tagesbeginn. Nachdem wir so spät ins Bett sind wir heute erst um 07:00 auf und bis wir wieder startbereit sind ist es 08:30. Die Vermieterin kommt und übernimmt die Wohnung und wir steuern die Tankstelle im Ort an. Wir füllen den Tank wieder randvoll und ergänzen auch die fehlenden Liter im Benzinkanister, die wir am Vortag den Motorradfahrern überlassen haben. Weiter geht es an die chilenische Grenze, denn wir werden den nächsten Teil unserer Reise wieder in Chile absolvieren. Nach etwa 45 min Fahrt erreichen wir den Argentinischen Posten, wo wir uns abmelden und beim Zoll die Autopapiere durchgesehen werden. Die Grenze in diesem Gebiet ist übrigens großteils unklar, beide Länder beanspruchen Teile der Anden und so hat auch der See, neben dem wir fahren einen chilenischen und einen argentinischen Namen, da beide Länder behaupten, dass der See zu ihrem Land gehört. Auf der Karte fehlen auch ganze Abschnitte in den Bergen, wo keine Linien gezogen sind. Nach ein paar Kilometern im Niemandsland erreichen wir die chilenische Kontrollstation. Vor der Kontrolle wird überall gewarnt. Keine frischen pflanzlichen und tierischen Produkte dürfen importiert werden. Saftige Strafen drohen bei Verstößen. Wir parken vor dem Grenzübergang und gehen in das Gebäude. Zuerst werden wieder unsere Pässe geprüft und die Einreise vermerkt. Dann müssen wir uns beim Zoll anstellen, dort wird das Auto und Versicherung überprüft und zuletzt folgt eine genauere Zoll und phytosensitive Kontrolle. Hierfür müssen wir, nachdem wir eine Deklaration digital auf Tablets unterzeichnet haben, mit dem Auto vorfahren und alles ausladen. Alle Koffer und Rücksäcke müssen wir in das Gebäude bringen und diese werden durchleuchtet. Das Auto inkl. Motorraum wird durchgechecked und von unseren Essensvorräten, die wir wohlwissend schon versucht haben so gut es geht zu reduzieren müssen wir eine Packung getrocknete Spalterbsen und Bohnen dortlassen. Löskaffee, Haferflocken, Konserven und ähnliches sind kein Problem. Frisches Obst und Gemüse hatten wir keines mehr dabei. In Summe haben wir zwar einiges an Zeit verloren, doch man muss den Beamten zu Gute halten, dass sie durchaus trotzdem freundlich waren. Alles geht gut und etwas erleichtert setzen wir unsere Fahrt fort.

Es geht entlang vom Lago Buenos Aires, welcher abermals gigantische Dimensionen hat. Die Straße ist eine Schotterpiste und geht in beeindruckenden Steigungen und Gefällen zwischen Steinen und unter Felswänden entlang des Seeufers. Wir passieren ein Gold- und Silberbergwerk, welches laut der aufgestellten Werbung vorzügliche Erträge liefert. Es ist wieder einmal sehr windig, doch das Wetter ist eigentlich sehr schön. Beeindruckend sind die felsigen Berge, dazwischen kleinere grüne Oasen oder sogar Strände am See.

Wunderschön

Mit einer gewissen Faszination wundern wir uns über einzelne kleine Hütten, die irgendwo herum stehen und doch Menschen dort sesshaft geworden sind. Das Leben hier ist auf jeden Fall wohl sehr auf’s wesentliche reduziert.

Wir fahren stundenlang über hundert Kilometer in einer Richtung am See entlang durch wechselnde Landschaften, ehe wir das westliche Ende erreichen und Richtung Norden auf die Routa 7 abbiegen. Diese äußerst bekannte Straße ist die chilenische Nord-Süd Verbindung. Natürlich aber trotzdem nur eine Schotterpiste. Man merkt aber, dass diese bei Reisenden sehr beliebt ist, denn wir treffen wieder auf mehr Verkehr. Camper, Motorrad Fahrer und aber auch einige Fahrradfahrer. Sogar zwei Familien treffen wir, einmal mit Tandem Rädern und einmal fahren die beiden Kinder sogar mit eigenen Rädern. Bemerkenswert.

Golden Gate Bridge heute nicht im Nebel!

Die Straße windet sich vom Seeufer hinauf in die Berge und wir erreichen unser Ziel: Marmor Felsen und Aushöhlungen am See. Dazu biegen wir von der Hauptstraße in eine sehr steile Stichstraße zu einem Grundstück hinein, wo Kajak-Ausflüge beworben werden. Wir folgen einem blauen, alten Puch G aus Schwechat. Die Straße ist wirklich schon ein Offroadvergnügen und stellt unsere Mietauto auf die Probe. Unten erreichen wir einen kleinen Platz mit einem Häuschen und einer Menge Kajaks. Doch es stellt sich heraus, dass der See von der Armada de Chile gesperrt ist, aufgrund des Windes. Ein Kajak Ausflug ist nicht möglich derzeit. Wir plauschen kurz mit dem jungen Pärchen aus Wien-Schwechat, die etwa für ein Jahr in Südamerika herumfahren und derzeit etwa Halbzeit hatten.

Dann halt per Drohne aus der Ferne und nicht mit dem Kajak

Nachdem es schon 16:00 ist und wir ziemlich hungrig sind, fahren wir wieder zurück auf die Hauptstraße – sehr froh und begeistert vom Allradantrieb – und fahren in die nächstgelegene Stadt, Puerto Rio Tranquilo. Generell ist auf der Nordseite des See’s mehr los, als im Süden, muss man sagen. Wir erreichen ein kleines Dörfchen, welches wohl rein von den Marmorfelsen lebt und kehren in einem leichten Nieselregen in einem Restaurant ein. Wir bestellen alle Fisch, in diversen Ausprägungen und sind absolut positiv überrascht von den Gerichten, die wir vorgesetzt bekommen. Vielleicht sollten wir doch öfters essen gehen. Doch es hat auch seinen Preis, wir zahlen zu 4. etwas über 100€.

Extrem verblüfft über das frische und leckere Gemüse am Ende der Welt. Überraschung des Tages

Das Wetter ist schlechter geworden und es regnet schon etwas mehr. Die Kajak-Fahrt haben wir uns abgeschmiert. Stattdessen genießen wir den Ausblick auf einen gewaltigen Regenbogen und das Wasser.

Regenstimmung

Für die heutige und nächste Nacht haben wir eine Unterkunft in Villa Cerro Castillo gebucht, das ist noch etwa 2h oder 100km weiter. Also brechen wir auf und fahren noch die restliche Distanz fertig. Wir verlassen den See in Richtung Norden und es wird wesentlich bergiger. Auch die Vegetation ändert sich. Es wird bewaldeter und vielfältiger. Eigentlich sieht es aus wie in Norditalien im Kanaltal mit dem Tagliamento. Die Schotterstraßen werden auch noch besser und so erreichen wir zum Teil sogar bis zu 100 km/h. Die Dunkelheit und Nässe macht das Fahren aber etwas unlustiger und so bin ich dann doch erleichtert, als die letzten 10 km vor der Ortschaft sogar plötzlich wieder betoniert sind. Der Ort liegt direkt unter dem gleichnamigen Berg und wir checken gegen 21:00 in unsere kleine Hütte ein. Eine nette, moderne Unterkunft, jedoch ohne Internetverbindung. Eva geht auf der anderen Straßenseite noch schnell neue Zutaten für ein Frühstück besorgen, Lisi versucht sich am Holzofen und ich schreibe Reisetagebuch. Rückblickend sind wir heute wieder quasi nur im Auto gesessen, doch irgendwie fühlt es sich an, als hätten wir heute sehr viele Länder und Klimazonen passiert. Wohlgemerkt auf 350 Kilometern Schotter.

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2 Antworten zu “Tag 17 – Catedral de Marmol”

  1. Ja ,da kann man wohl sagen ,,wer eine Reise macht, kann viel erzählen!“ Was einem alles widerfährt , ist oft unglaublich…..aber genau das ist ’s ,was eine solche Reise ausmacht . Ich hätte euch auf jeden Fall mehr Asphaltstrassen gewünscht. War wieder ein toller Bericht eures Abenteuer Urlaubs am Ende unseres Planeten Erde ….Alles Gute weiterhin

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