Tag 8 – Die Reste abklappern (Guanacos)


Für den Upload des gestrigen Beitrags gab es leider nur unzureichenden Empfang. Daher nun um einen Tag verspätet. Sorry Fam

Die Nacht in unserem 4er Stockbetten-Zimmer war eigentlich durchaus akzeptabel. Wir haben genähte Hüttenschlafsäcke aus Leintüchern bekommen und für darüber eine Überdecke. Zu dritt haben wir den kleinen Raum wohl auch ausreichend aufgeheizt. Mein Wecker geht kurz nach halb 7, denn ich erhoffe mir einen grandiosen Sonnenaufgang, der die Torres direkt bescheint. Doch als der Wecker dann abgeht und ich beim Fenster hinaussehe stelle ich fest, dass es leider recht stark bewölkt ist. Man sieht die Berggipfel leider gar nicht. Trotzdem schnappe ich mir die Kamera und gehe ins Freie, wer weiß – vielleicht reißt es ja auf und ich könnte was verpassen. Ich bin der einzige Trottel im ganzen Hostel, der das macht. Obendrein sind die Gelsen extrem aggressiv und fressen mich auf. Mit Jacke und Kapuze bin ich recht sicher, doch mein Gesicht und Hände schaffe ich nicht zur Gänze zu beschützen.

Außer Gelsen nix gewesen

Nach etwa 20 Minuten gebe ich hoffnungslos auf und gehe wieder hinein. Die anderen sind auch schon munter und Leben kommt ins Hostel, denn um 07:30 gibt es Frühstück. Dieses besteht aus Haferflocken, Joghurt, sowie Weißbrot, Kuchen, Schinken, Käse und Eier. Wir peppen die Haferflocken mit unseren eigenen Nüssen und unserem Obst auf. Das Brot und die Eier nehmen wir als Jause mit. Gestern Abend haben uns zwei Berlinerinnen angesprochen, ob wir sie mit dem Auto in den Nationalpark mitnehmen könnten, denn die Busse sind leider nur sehr unzuverlässig. Das tun wir und so starten wir zu 5. in unserem Auto in Richtung Dock der Fähre. Am Weg sehen wir ein paar Guanacos direkt neben der Straße. Die Wolken haben sich nun tatsächlich etwas verflüchtigt und zeitweise scheint die Sonne auf die Berge. Ganz schön ist es jedoch trotzdem nicht. Bei der Fähre stellt sich heraus, dass wir uns für eine Stunde anstellen müssten. Bei gemischtem Wetter und 60€ pro Person für Hin- und Retourfahrt entscheiden wir uns jedoch dagegen. Stattdessen streben wir gleich nebenan den Salto Grande (Großer Wasserfall) und dem Mirador de los Cuernos an. Klaus ist heute schon nochmal fitter und wir freuen uns den gemütlichen Spaziergang mit ihm gemeinsam zu machen. Auch sind unsere Knie und Beine von der Wanderung des Vortages durchaus auch dankbar über einen lockeren Marsch. Der Wasserfall befördert 100m³ Wasser in der Sekunde, hat also ein anschauliches Ausmaß.

kunterbunt, tot und lebendig

Wir wandern durch sanfte Hügel mit abgebrannten Bäumen und vielen verschiedenen Arten von Büschen. Auch finden wir mehrere Calafate Büsche, eine Art Heidelbeere. Man sagt, dass, wenn man diese isst, man irgendwann wieder nach Patagonien zurückkehren wird. Mit uns sind auch einige andere Menschen auf dem Weg unterwegs. Nach etwa 1h erreichen wir das Ende des Weges: Der Aussichtspunkt liegt direkt über bzw. an dem See, der vor dem Bergmassiv und den Cuernos (den großen Granittürmen) liegt. Zu unserer Linken ist auch der andere große Berg, mit eindrucksvollem Gletscher oben, mit ordentlicher Abrisskante. Immer wieder hören wir in der Ferne ein Donnern. Wir können es nicht ganz einordnen, doch wir sind uns ziemlich sicher, dass wir Gletscherabbrüche hören. Doch direkt erblicken können wir nichts.

Immer wieder neue Winkel, jetzt kennen wir sie alle

Wir gehen den gleichen Weg wieder zurück zum Auto. Anschließend fahren wir nochmal quer durch den Park an das andere Ende, um auch noch einen Blick auf den Gray Gletscher werfen zu können. Bei der Anfahrt durch die Grassteppe erblicken wir hocherfreut Guanacos, und so wie wir es bestellt hatten, grasten sie direkt vor dem Torres del Paine – Bergpanorama. Da wurden natürlich gleich Fotos und Videos geschossen. 

Größer als gedacht, diese Guanacos

Am Besucherzentrum des Grey-Gletschers angekommen, stellen wir anhand der Menge parkender Autos fest, dass auch dies ein wohl sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Die Wanderung zum Aussichtspunkt führt erstaunlicherweise auf einem wenige Meter breiten aber circa 1km langen Sand/Kies-Streifen auf eine Insel im Lago Grey. In der Ferne lassen sich in leuchtendem Blau einige Eisberge erahnen, doch leider hat es keiner nahe genug an uns heran geschafft.

Spazieren im nassen Wind über eine Kieszunge. Cool. Man beachte die Eisberge in der Ferne

Der Ausblick auf den 20km entfernten Gletscher bei mittelmäßigen Wetter ist jetzt nicht gerade überwältigend, und der 1km lange Hatsch durch den Kies zurück bereitet uns nun gar keine Freude mehr. Außerdem ist es inzwischen schon bald 16:00 und der Hunger ist eingetroffen. Also geht es nach einem schnellen Kaffee und alkoholfreien Heineken zurück in die Dead-Horse-Cabañas-Unterkunft von vorvorgestern um schnell den Herd anzuwerfen und unsere leeren Mägen mit Thunfisch-Pasta zu füllen. Der Kamin war für uns wiederum eingeheizt worden, brennt aber erst wieder nicht weiter und ist bereits ausgegangen, als wir in die Hütte kommen. Lukas versucht es noch einmal, doch der Ofen lässt es mit dem schlechten Anheizholz nicht zu. Aber auch ohne prasselndes Kaminfeuer lassen wir den Abend gemütlich ausklingen mit Gesprächen und, wie sollte es anders sein, mit Bearbeitung all unserer Medien. 

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