Heute starten wir unsere lang erwartete Patagonien-Reise. Eva kommt in der Früh nach Hause vom Nachtdienst und ich arbeite noch meinen letzten Arbeitstag im Home-Office. Die letzten Tage haben wir schon mit Reisevorbereitungen verbracht. Recherche betrieben, eine ausführliche Packliste geschrieben und unsere Wanderausrüstung beim Bergfuchs noch etwas erweitert. In der Wohnung schaut es aus, als ob wir auf eine Expedition starten werden. Anstrengend, aber organisiert läuft es ab. Wir packen alles ein und meine Mittagspause nutzen wir um nach Hart zu Magda und Klaus zu fahren. Dummerweise übersehen und vergessen wir den Anhänger in der Tiefgarage, den wir eigentlich auch hatten mitnehmen wollten. In Hart speisen wir alle gemeinsam noch zu Mittag, ich schließe die letzten Arbeiten für die Firma ab und wir gleichen unser Gepäck ab um innerhalb der Gewichtsbeschränkungen zu bleiben. Den vergessenen Anhänger wird Mama dankenswerterweise später holen für uns, da es wahrscheinlich nicht ideal wäre ihn einen Monat unversperrt in der Tiefgarage stehen zu haben. Wir packen alles ein und Mama führt uns zum Flughafen. Unser Flug geht um 18:45. Beim Check-in gibt es die ersten Probleme, scheinbar müssen wir das Gepäck in Santiago abholen, durch den Zoll gehen und nochmals einchecken. Bei der Sicherheitskontrolle haben wir trotz umfassendem Kameraequipment und Drohne überraschenderweise keinerlei Probleme. Unser erster Flug geht mit der Swiss nach Zürich.

Beim Einsteigen in den Flieger beschert uns Eva mit einem Stolperer schon den ersten Schrecken und die ersten Blutstropfen des Urlaubs werden vergossen. Zum Glück nichts nachhaltiges bzw. schwerwiegendes. Wir fliegen in etwas mehr als einer Stunde in der Dunkelheit entlang der Alpen nach Zürich, wo wir uns beim „Alpenblick“ einen kleinen Snack und ein Bier genehmigen, während wir auf unseren anschließenden Transatlantikflug nach Sao Paulo warten.

Dieser startet um 22:45 und bringt uns in 12 Stunden nach Sao Paulo. Der Flug war geprägt von beständigen leichten Turbulenzen und einem eher geringen Fußraum. Dennoch gelang es uns immer wieder ein oder sogar beide Augen zuzudrücken und die Zeit verging relativ schnell. Etwa bei der Halbzeit gab es ein kleines Gruppen-Workout vor den Toiletten um die Füße wieder zu durchbluten. Wir bekamen ein Abendessen – Nudeln mit Käse und Apfelstücken (diese Schweizer…) und in der Früh gab es ein „Kontinentales Frühstück“. In Sao Paulo angekommen, ist es kurz vor 7 Uhr in der Früh und wir haben nun etwas länger Zeit, denn unser nächster Flug nach Santiago geht erst um 13:15. Wir vertreten uns ein wenig die Beine im Terminal und trinken einen Kaffee im Starbucks, aßen Sandwiches im Subway und schmarotzen etwas Strom an der Steckdose. Als wir dann unseren nächsten Flug boarden und schon im Gangway stehen kommt Eva drauf, dass ihr Handy immer noch Strom schmarotzt an der Ladesäule und läuft nochmal zurück. Glück gehabt, gerade noch rechtzeitig. Im Flugzeug stellen wir fest, dass die Plätze beim Notausgang zwar eine gute Idee waren für die Beinfreiheit, doch Fenster gibt es leider keines. Nur ein kleines Guckloch in der Notausstiegstür, welches aber nicht in direkter Reichweite der Sitzreihe ist. Blöd gelaufen. Doch als wir dann über die Anden kommen, riskieren wir es kurz aufzustehen und zumindest mit dem Handy ein paar Fotos durch das kleine Guckloch zu knipsen. Ein paar einsame Gipfel, mit minimalen Schneespitzen sind zu sehen, es schaut durchaus sehr steinig und öd aus.



In Santiago angekommen gehen wir, wie wir schon in Graz angewiesen worden sind, direkt zur Gepäckausgabe und warten auf unsere Koffer um dann den Zoll zu passieren und sie für den nationalen Anschlussflug nach Punta Arenas (auch Chile) einzuchecken. Jedoch warten wir vergeblich, unsere Koffer tauchen nicht auf und allmählich besteht auch keine Hoffnung mehr, denn fast alle anderen Mitfliegenden haben ihre Koffer schon erhalten und sind bereits weitergegangen. Wir fragen beim Bodenpersonal nach und erfahren, dass die Koffer wohl doch schon direkt weitergeschickt worden sind und wir auch weiter gehen können. Also wechseln wir bei knappen 30° Lufttemperatur das Gebäude um zum Terminal für die Domestic Flights zu kommen. Es dauert nicht lange, da startet auch schon das Boarding und wir steigen in den letzten Flug unserer Hinreise, nach Punta Arenas. Wir fliegen im Sonnenuntergang entlang der Anden Richtung Süden. Es gab noch einen winzigen Snack und wir dösten noch ein wenig vor uns her, durchaus froh, dass uns dann nicht noch ein Flug und noch mehr Stunden im Sitz bevorstehen. In Punta Arenas gelandet ging alles ruck-zuck und wir hatten schnell unser Gepäck und noch schneller auch ein Taxi, welches uns für 15€ zum Hotel (der Begriff ist fast etwas hoch gewählt für unsere Standards) brachte. Das Taxi war allerdings eine kleine Limousine, sodass nur ein Koffer in den Kofferraum passte. Die anderen Gepäckstücke mussten am Schoß und am Beifahrersitz gestapelt werden. Beim Hotel angekommen stehen wir vor einem Tor, mit Kette und Vorhangschloss gesichert, ohne Klingel. Wir sind genötigt einen teuren Anruf zu tätigen (4€ Roaming) um den Vermieter zu rufen, welcher 10 Minuten später bei uns ist. Wir müssen 191 US $ zahlen, welche wir aber bar in Euro begleichen für zwei Nächste mit Frühstück. Wir beziehen unser überschaubar großes Zimmer und gehen dann erschöpft von der langen Reise schlafen – eigentlich hat alles fast reibungslos funktioniert. Keine verlorenen Kopfhörer, Handys, Pässe und keine nachhaltigen Blessuren. Gute Nacht.
