Tag 32 – Piton des Neiges zum Sonnenaufgang


Die Nacht ist eher unruhig, es ist warm und irgendwann um 02:00 sind die Akkus meiner Kopfhörer leer, was folglich die Schlafgeräusche unserer Zimmerkollegen nicht mehr so gut abschirmt. Ein paar Mal schaffe ich es, nochmal einzuschlafen, doch kurz vor 02:30 läuten schon die ersten Wecker und Bewegung kommt in die Zimmerbelegschaft. Eigentlich wollten wir erst um 03:30 den Gipfelsturm starten, doch nachdem wir beide bereits munter waren und schon so viele sich bereit machten, schließen wir uns an. Wir verlassen unsere Betten im 2. Obergeschoß des Stockbetts, schultern wieder die Rucksäcke und marschieren unter absolut bezauberndem Sternenhimmel mit Stirnlampen in vollkommener Dunkelheit los. Im Außenbereich der Hütte sitzen bereits unzählige Wander und Innen, die wohl schon die 1100 Höhenmeter bis zur Hütte in der Nacht gemeistert haben und nun kurz rasten für den letzten Anstieg. Bemerkenswerte Motivation! Unsere ersten Schritte mit den schweren Rucksäcken und mitten in der Nacht fühlen sich alles andere als leicht an, doch nach ein paar Bissen Essen, Wasser und etwas Eingehen, geht es dann einigermaßen voran. Wir reihen uns in eine nahezu unendlich wirkende Schlange aus Stirnlampen ein und trotten den Berg hinauf.

Aufwachen, Aufstieg!

Nach genau 2 Stunden erreichen wir um 05:00 das Gipfelplateau und gesellen uns zu den locker 100 Leuten, die nun gemeinsam auf den Sonnenaufgang warten. Wir zogen alles an, was wir mithaben inkl. Handschuhen und Stirnband, doch trotzdem frieren wir erbärmlich. Es dürfte Minusgrade haben, denn stellenweise ist Frost bzw. Eis am Gestein und dazu kommt der eiskalte Wind. Um 05:25 ist es dann so weit und die Sonne blitzt am Horizont über den Wolken und den unter uns liegenden Gipfeln hervor. Wir genießen die Stimmung und den sensationellen Rundumblick über fast die gesamte Insel.

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Goldstund‘ hat Eis an den Fingern

Die nächste Stunde war ein Kampf aus „Mir ist zu kalt, ich muss absteigen“ und „Kurz halte ich’s noch aus, die Sonne wird schon stärker“. Schlussendlich suchen wir uns ein paar Höhenmeter unter dem Gipfel einen etwas windgeschützteren Platz und warten kuschelnd auf die Sonnenenergie. Nach einiger Zeit wird es dann endlich aushaltbar und man kann die erste Wärme im Gesicht spüren. Als uns dann warm genug ist frühstücken wir unser mitgeschlepptes Müsli mit Ananas und Banane und beten weiter die Sonne an, uns noch mehr Wärme zu spenden.

Cirque Salazie

Im Anschluss wandern wir nochmals das Gipfelplateau ab, um einen letzten Rundumblick über die Umgebung zu erhaschen und beginnen mit dem erneuten Abstieg zurück zur Hütte.
Diese erreichen wir nach einer Stunde, zuletzt schon in kurzer Hose und kurzem Leibchen, so stark ist die Sonne inzwischen geworden. Die Temperaturgegensätze sind immens. Dort stellen wir mit Erschrecken fest, dass die Hütte geschlossen ist und drinnen gerade geputzt wird. Leider haben wir keine Wasserreserven mehr, denn am Vortag haben wir nur 1L pro Person gekauft und waren in der Annahme, dass wir beim Abstieg nochmals einkehren können. Wir essen den Rest unseres Müslis, diesmal mit Mango und Orange (wir sind komplett verrückt das raufgetragen zu haben) und hoffen darauf, dass die Hütte bald wieder auf macht. Nach 30 Minuten geben wir jedoch auf und steigen durstig und ohne Wasser weiter hinab Richtung Auto. Bekannterweise steil geht es hinab und wir wissen, dass nach etwa 500 Höhenmetern eine kleine Quelle war. Diese erreichen wir nach etwas mehr als einer weiteren Stunde und können endlich unseren Durst stillen. Aufgrund der Anstrengungen esse ich auch bereits einen Großteil meines Mittagsessen (Nudeln mit Sugo) und wir rasten kurz auf einer Bank liegend um unsere Beine und Rücken zu entlasten. Etwas gestärkt meistern wir dann auch noch die letzten Höhenmeter abwärts und erreichen wieder das Auto. Nach den gesamten etwa 1700 Höhenmetern Abstieg mit schwerem Rucksack und wenig Schlaf und Erholung sind wir am Ende schon sehr froh alles hinter uns zu haben.
Wir fahren zurück nach Cilaos und kehren in einem kleinen Café ein, um vor unser bevorstehenden Autofahrt noch unsere Aufmerksamkeit etwas zu schärfen. Danach geht es raus aus dem Cirque de Cilaos zurück ans Meer. Die Fahrt über die Bergstraße dauert eine knappe Stunde und ist geprägt von sehr engen unübersichtlichen Kurven und einspurigen Tunneln, bietet aber eine atemberaubende Landschaft und das noch bei Traumwetter. Zurück am Meer tauschen wir und Eva fährt weiter, es geht auf die Autobahn und wir fahren etwa eine Stunde lang einmal nördlich um die Insel auf die Ostseite, wo wir in Saint-Andre in unsere neue Unterkunft einchecken. Unsere Gastgeber sind sehr nett und bemüht und haben ein bezauberndes Appartement in indischem Stil eingerichtet. Nun ist wieder Zeit zu rasten und alles auf Vorderfrau zu bringen. Wir waschen unsere verschwitzten Wandersachen in der Waschmaschine, kochen vor und gehen einkaufen. Dann ziehen wir uns in unser Bett zurück und schlafen himmlisch wie in tausend und einer Nacht.

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7 Antworten zu “Tag 32 – Piton des Neiges zum Sonnenaufgang”

  1. Nächstes Ziel: Acatenango in Guatemala 🇬🇹 – dort kann man auch am Tag raufwandern und oben schlafen 🙈 oder aber in der Nacht aufsteigen 👌. Und oben am Gipfel ist es auch ziemlich kalt, so dass man gerne alles anzieht, was man mit hat 🤣

  2. Ihr seid ja wahre Grenzgänger – unglaublich was ihr alles wagt …..da gibt es sicher tolle Erfahrungen zu sammeln. Alles Glück weiterhin !!

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