Der Wecker geht heute um 05:00. Wir müssen aus unserer Unterkunft heute wieder ausziehen. Also packen wir alles ein und frühstücken mit Decken bedeckt auf der Terrasse bei frostigen 10 Grad. Dann verlassen wir unsere Unterkunft und fahren zum Ausgangspunkt der heutigen Wanderung. Glücklicherweise ist das nur 3 Minuten entfernt. Der Ausgangspunkt ist gleichzeitig auch ein Aussichtspunkt und wir sehen von diesem bereits das Ziel unserer Wanderung. Wir müssen allerdings lachen, denn es ist nicht das, was wir uns erwartet haben. Vor uns ist ein riesiges Tal und wir blicken hinab auf eine kleine Siedlung mit einem Wasserfall daneben. Dieser Wasserfall ist unser Ziel, doch irgendwie haben wir uns erwartet, dass wir 1000 Höhenmeter hinauf gehen müssen, nicht hinunter. Wir haben nur auf den Höhenunterschied geschaut und nicht auf die absolute Höhe.

Also gut, starten wir unsere Wanderung mit einem 1000 Höhenmeter Abstieg. Die Knie noch etwas kalt, steif und müde staksen wir sehr steil in Serpentinen hinab. Die Häuser am Talboden haben von oben eine Materialseilbahn, jedoch sonst keine Zufahrtsstraße. Wir sind fasziniert, wo auf Reunion überall Leute wohnen und unter welchen Bedingungen. Nach einer guten Stunde sind wir unten angekommen und durchschreiten das Dorf. Mittlerweile scheint die Sonne, auch wenn in den Bergen nebenan einige Wolken hängen. Das Dorf wirkt eigentlich wie eine gigantische und gut bestückte Zimmerpflanzenabteilung in einem Geschäft, nur, dass hier alles wild wächst. Der Wanderweg, der gleichzeitig auch die Hauptstraße bzw. der Hauptweg der Häuser zu sein scheint, führt dann über einen Fluss – allerdings gibt es keine Brücke. Wir überqueren den Fluss über die Steine, so abgeschliffen wie diese sind, wurde der Fluss hier auch schon oft gequert. Danach geht es noch ein klein wenig hinab, ehe wir an unserem Ziel ankommen. Wir stehen über dem Wasserfall und blicken etwa 15-20 Meter hinab. Namentlich der „Cascade Grand Bassin“. Wobei Grand Bassin den Bereich beschreibt, bzw. die Ansiedelung. Wir gehen noch weiter und steigen neben dem Wasserfall hinab, ehe wir direkt unterhalb davor stehen. Eva springt ins kalte Wasser, mich reizt es nicht genug, nachdem die Sonne immer wieder weg ist und die Lufttemperatur fast zu kühl ist. Wir halten alles mit Foto und Videobeweisen fest und setzten uns dann noch hin und essen mitgebrachte Wraps, gefüllt mit Süßkartoffeln und schwarzen Bohnen. Wir haben am Vortag die halbgekochten schwarzen Bohnen nämlich mit sicher einer zusätzlichen Stunde Kochzeit nun doch einigermaßen weich bekommen.


Nach etwa zwei Stunden Aufenthalt starten wir wieder den Aufstieg zurück zum Auto. Nach dem Talboden, als der steile Anstieg beginnt, trennen sich Eva’s und meine Wege vorerst, denn ich beschließe ein ordentliches Training aus dem Aufstieg zu machen und zieh ihr folglich davon. Oben ohne und mit hoher Herzfrequenz pushe ich mich an meine Grenzen und bin trotz Rucksack in einer guten Stunde wieder komplett oben. Dort freue ich mich sehr auf’s Auffüllen meines Wasservorrats und schwitze noch aus, ehe Eva auch nach nur in Summe 1,5h Aufstiegszeit bei mir ankommt. Wir legen uns noch beide kurz auf eine Mauer zum Rasten, ehe wir ins Auto einsteigen und weiterfahren. Unser nächstes Ziel ist der Cirque Cilaos. Der südwestliche Krater bzw. die Stadt im Krater, die von außen jedoch mit Straße erreichbar ist. Dafür müssen wir zuerst wieder ans Meer fahren, ehe wir eine Bergkette weiter nördlich hineinfahren in das gewaltige Kratergebiet. Die Straße ist sehr imposant in tiefe Schluchten gebaut und zum Teil sehr Felssturzgefährdet. Ich räume auch einen ~50kg Brocken aus dem Weg. An manchen Stellen ist die Straße auch nur einspurig und die Autofahrer warnen sich gegenseitig mit Hupen. Auch zwei sehr schmale, einspurige Tunnel gibt es am Weg. Wir bewundern nicht nur die Landschaft sondern auch einen Busfahrer, welcher einen normalgroßen Bus über die Straße bewegt. Nach einer Stunde Fahrzeit für nur 30km erreichen wir unseren Zielort: Cilaos. Dieses ist inmitten des grünen Kraters auf einer Anhöhe gelegen. Beeindruckend. Wir fahren zu unserer nächsten Unterkunft: Alain, ein etwas älterer Einheimischer, vermietet in seinem Haus drei Zimmer, wovon wir eines für zwei Nächte gebucht haben. Das Bad und Klo sind geteilt, genauso wie die Küche. Für heute Abend kocht er für uns, wir hoffen jedoch, dass wir die Küche dann morgen auch benutzen dürfen/können.


Um 19:00 gibt es Abendessen. Alain hat in Summe 3 Zimmer, die er vermietet. Ein anderes französisches Pärchen isst auch mit uns und wir sitzen direkt in der Küche zu 5. am Tisch. Los geht es mit in Teig frittierten Chayoten mit einer Chili Sauce. Dazu schenkt er uns auch einen angesetzten Mispel-Schnaps bzw. Likör ein. Danach gibt es einen überbackenen Papayaauflauf. Hierfür wird eine unreife, grüne Papaya verwendet. Das war wohl das erste mal seit sehr langer Zeit Käse und Obers für mich, doch wir wollten keine Umstände machen. Hauptgericht ist Thunfisch, extrem lecker mariniert u.a. mit Zitrone und Zwiebel und dazu gibt es Reis und schwarze Bohnen in Sauce. Die Tischgespräche drehen sich hauptsächlich ums Essen, im Speziellen um Hamster, Igel, Schnecken und Wespen. Ich verstehe nicht wirklich was, bekomme aber manchmal ungefähr mit worum es geht. Eva versteht wesentlich mehr und übersetzt mir zeitweise. Als Nachspeise gibt es flambierte Bananen, was Alain sichtlich glücklich macht. Generell ist Alain wohl nicht gerne alleine und schafft sich daher eine große WG. Früher hat er scheinbar eine wesentlich größere Unterkunft irgendwo auf einem Berg gehabt und öfters für 30 Leute gekocht. Nach knappen 2 Stunden ist das ausgezeichnete Abendmahl vorbei und wir ziehen uns in unser Zimmer zurück.

4 Antworten zu “Tag 29 – Cascade Grand Bassin & Essen bei Alain”
Der See unter dem Wasserfall ist ein Prachtexemplar für ein Gewässer in dem in Filmen Liebespaare zum ersten Mal Nacktbaden… Wie kalt ist’s da?
Geschätzt zwischen 15 und 20 Grad. Auf Dauer schon frostig. Und zum Nacktbaden waren leider doch zu viele andere Leute dort 🙁
Was kann man aus eurer Wanderplanung fürs Leben mitnehmen? Manchmal geht’s im Leben überraschenderweise bergab. Aber das Wesentliche und Positive ist, dass es danach wieder bergauf geht – egal ob in 1 oder 1,5h!
Ich freue mich mit euch, dass ihr oft auf Gipfeln seid! Carpe diem!
Das stimmt, danke schön!